Was lehrt uns der Advent über das Warten?

In meiner Familie war es zu Weihnachten Tradition, dass wir nicht am 24.12. sondern erst am 25.12. morgens unsere Geschenke bekommen haben. Meinen Eltern war es besonders wichtig, dass es uns an Heiligabend nicht um die Geschenke sondern um Jesus ging. Ich bin mir sicher ihr Eltern wisst ganz genau, dass Kinder am Heiligabend Gottesdienst noch schneller nach Hause wollen um endlich all ihre Geschenke zu bekommen. Das Problem hatten meine Eltern nicht, aber mein Papa musste irgendwann am 25.12. die Regel einführen, dass wir nicht vor 7 Uhr im Schlafzimmer aufkreuzen durften. Ungeduldig waren wir auf jeden Fall auch.

Diese Tradition änderte sich, als ich ungefähr 16 Jahre alt. Eine meiner Schwestern war schon sehr früh ins Bett gegangen – im Schlaf vergeht die Zeit schneller – und wir anderen drei hatten gerade entschieden alle in meinem Zimmer zu schlafen. Plötzlich klopfte es wie wild an der Tür und Bina kam hereingestürmt und verkündete laut: “Steht schnell auf, wir haben alle verschlafen. Es ist schon 10 Uhr.” Ich war mir ziemlich sicher, dass wir uns erst vor 5 Minuten hingelegt hatten, aber sie ließ sich nicht abbringen. Als wir die Treppe runter kamen, standen meine Eltern lachend im Flur. Es war 10 Uhr, aber abends und nicht morgens.

Mit meiner außerordentlichen Verhandlungsgabe brachte ich meine Eltern dazu uns doch schon am 24.12. auspacken zu lassen.

“Adventszeit ist Wartezeit.” – Dietrich Bonhoeffer

Ich finde Kinder sind an Weihnachten immer wieder ein tolles Beispiel dafür, dass wir als Menschen so ganz schlecht warten können. Ich bin immer wieder selbst ungeduldig, kann es nicht abwarten oder entscheide, mich stressen zu lassen. Deshalb versuche ich mir im Advent besonders Zeit zu nehmen um bewusst auf Weihnachten zu warten.

Mir passiert es so schnell, dass ich durch diese besondere Zeit brause und mir kaum Zeit genommen habe, um die vielen, kleinen Momente, die Jesus mir schenkt, wirklich wahrzunehmen. Also, lasst uns diesen Advent etwas länger sitzen bleiben und lesen, etwas länger wirklich zuhören, etwas genauer hinschauen und etwas tiefer zur Ruhe kommen.

Worauf wartest du gerade? Nimm dir doch diesen Monat Zeit, ganz bewusst zu warten und das Leben nicht an dir vorbeifliegen zu lassen.