Systemrelevant?

Hallo Leute! Schön, dass ihr wieder da seid und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Zuflucht.

Ich gebe zu, der Titel Systemrelevant ruft im Lichte der letzten Monate viele Assoziationen hervor. Eigentlich geht es ja um Arbeitsplätze und die Corona-Krise. Die Frage, die ich mir aber schon vor einigen Wochen gestellt habe ist: Sind wir Christen systemrelevant?
Meine Frage bezieht sich nicht auf die Frage, ob und wie Gottesdienste im Moment in Ordnung sind oder ähnliches. Ich habe mich gefragt: Kommen wir in der Gesellschaft überhaupt noch vor? Sind wir dialogfähig?

Ich schildere mal meine Wahrnehmung. Leider werde ich zwangsläufig ein bisschen pauschalisieren. Ob und wie du dich da selbst wiederfindest, musst du selbst entscheiden.

Jedenfalls ist es so, dass wir Christen uns, in meiner Wahrnehmung, sehr viel um uns selbst drehen. Das ist ja auch bequem und einfach und ich mache das auch gerne. Christen haben ihre eigenen Stars, ihre eigenen Charts, ihre eigenen Bestseller usw. und wenn man sich, wie ich es auch viel zu oft tue, nur unter Christen aufhält, fällt das kaum auf. Wie schon gesagt: Es ist ja auch gemütlich und ich denke, das darf auf jeden Fall seinen Platz haben.

Allerdings ist mir schon häufiger aufgefallen, dass Themen, die die Gesellschaft beschäftigen, sich oft kaum widerspiegeln und kaum jemand sie anspricht. Oft wirken sie erstmal in unserer „Subkultur“ (wie Sascha es sehr gerne nennt) irrelevant. Unsere Gesellschaft verändert sich aber ständig und die Themen, die wirklich gefragt sind, höre ich in der christlichen Welt kaum. Das fällt mir auf, wenn ich mit meiner Familie oder meinen Freunden, die keine Christen sind, rede.

Konkret denke ich an Umweltschutz, LGBTQ+, Black Lives Matter und viele weitere Debatten!

„Ist das denn überhaupt schlimm?“, könnte man sich fragen. In unserer Christen-Blase bewegen – oft nicht. Wenn wir in die Welt gehen sollen – ja!

Paulus warnt in Römer 12, dass wir uns nicht mit der Welt gleich machen sollen. Trotzdem sind wir in der Welt! Unsere Mission als Christen ist es, die Gute Botschaft Jesu Christi in die Welt zu tragen. Aber was, wenn diese Botschaft nicht mehr relevant ist? Das heißt nicht, dass ich glaube, dass Jesus nicht mehr aktuell ist und seine Botschaft längst überholt. Bei weitem nicht! Ich denke, Jesu Botschaft von Liebe und Erlösung ist so aktuell wie sie immer war und immer sein wird.

Ich denke aber, dass Gott in der Welt wirkt und Gottes Geist hier in der Welt erfahrbar ist. Oft beten wir, dass Gott zu uns redet. Und zwar so, wie wir es gerade brauchen. Also situativ. Ich glaube, Gott spricht in diese Welt so wie die Welt es hören soll. Aktuell!

Genau deswegen finde ich, dass wir uns mehr daran halten sollten, was die Menschen bewegt! Mir begegnet selten die Frage, was nach dem Tod geschieht. Das ist eben keine Frage, die die Menschen im Moment brennend interessiert. Eine Predigt von Apokalyptik und Gericht ist also vielleicht nicht das, worin Menschen Gott in unserer Zeit am ehesten begegnen.

Im Moment geht es weltweit viel um Identität und Zusammenleben von Menschen. Es werden Fragen laut! Warum geben wir nicht die Antwort darauf so, wie Jesus sie gegeben hat, sondern schrecken vor Aktualität zurück? Menschen finden zu Gott, wenn sie ihm begegnen und wir sind seine Botschafter. Lasst uns doch zu den Menschen gehen und ihnen in ihren Situationen begegnen!

Weil mich dieses Thema sehr beschäftigt, haben wir uns für die nächste Staffel von Willkommen in meiner Küche genau solche Themen ausgesucht. Themen, die gesellschaftsrelevant sind! In einigen Wochen wird sie erscheinen – seid gespannt!

Bis dahin kann ich euch nur ans Herz legen: Habt keine Angst vor Aktualität! Gott ist in jeder Situation und das ist das, was wir anderen Menschen zeigen sollten!

Seid gesegnet!