Mental Health

Hallo! Willkommen zurück zu Zuflucht! Ich möchte dir heute etwas von mir preisgeben und damit ein Schweigen durchbrechen, dass in unserer Gesellschaft immer noch groß ist und unter Christen vielleicht noch größer.

Vor anderthalb Monaten wurde bei mir eine bipolare Störung diagnostiziert. Das ist eine psychische Krankheit, die auf chemischen Ungleichgewichten in meinem Gehirn beruht. Sie ist also körperlich und vermutlich genetisch bedingt.

Zum Krankheitsbild gehören abwechselnde Phasen von Depression und Manie (das sind extreme Hochphasen, die gesteigerte Produktivität, Fantasie aber auch Selbstüberschätzung mit sich bringen). Dazwischen kann es auch Normalphasen geben. Manchmal wechselt es aber auch direkt zwischen den Polen.

Konkret heißt das für mich, dass ich manchmal tagelang wie ausgeknockt bin und auf Sparflamme fahre und an anderen Tagen super sozial bin und mir viel zu viele Termine mache, die ich dann in der nächsten Phase wieder kaum schaffe. Das ist übrigens auch der Grund, warum mein Studium teilweise so schleppend lief.

Wie gehe ich jetzt damit um? Ich habe mir Hilfe gesucht und nehme im Moment Stimmungsstabilisatoren, die mir helfen, nicht zu sehr in die Extreme zu verfallen. Außerdem brauche ich Strukturen – es hilft mir ungemein, wenn ich mich an ihnen festhalten kann. Bessere Ernährung, Sport, das kann alles helfen. Am Ende habe ich aber eine Krankheit, die wohl nicht weggehen wird. Vielleicht werde ich immer besser mit ihr leben können und sie wird kaum noch wahrnehmbar. Ganz weg geht sie aber vermutlich nicht. Ich glaube, das will ich irgendwie auch nicht. Das ist ja ein Teil von mir und so ein bisschen Madness lässt ja vielleicht auch andere Blickwinkel auf das Leben zu.

Wie dem auch sei – ich wollte das mit euch teilen, um ein Tabu zu brechen. Ich glaube, dass wir in den letzten Jahren große Schritte gemacht haben, um Mental Health zum Thema zu machen. In den Medien hört man mehr darüber. Trotzdem ist es, nach meiner Wahrnehmung, immer noch etwas, was beiseite geschoben wird. So nach dem Motto: „Finde ich ja nicht schlimm, wenn jemand ein psychisches Problem hat aber in unserer Familie? Ne, da gibt es so etwas nicht!“

Als ich von meinem Hausarzt die Überweisung zum Psychiater bekommen habe, hab ich mich mindestens 3 Tage gefühlt wie ein Alien oder jemand der völlig gestört und nicht allein lebensfähig ist. Ich habe mich selbst in eine Schublade gesteckt und mein erster Impuls war es, nicht darüber zu reden. Viele Leute, die es mittlerweile wissen sollten, wissen nichts. Einfach, weil ich mich dafür schäme. Weil ich denke, jetzt hab ich es schriftlich, dass ich nicht genug bin. Dass ich nicht allein klarkomme.

Aber genau das ist ja nicht der Fall. Ich bin nicht weniger wert, nur weil mein Gehirn bei irgendeiner Informationsübermittlung nicht perfekt funktioniert. Ich bin auch nicht unfähig ein normales Leben zu führen. Und selbst wenn das so wäre, dann würde das immer noch nichts an meinem Wert ändern. Und an deinem übrigens auch nicht!

Ich weiß nicht, ob du jemanden kennst, der ähnliche Probleme hat. Vielleicht jemanden mit Depressionen, jemanden mit einer anderen Störung. Vielleicht bist du aber auch selbst betroffen. Falls du noch nie mit jemandem darüber geredet hast – vertraue dich jemandem an. Freunde, Familie oder schreib mir! Genau für solche Momente gibt es Zuhören: Im Schatten seiner Flügel. Du kannst mir per WhatsApp unter der Nummer 01520 7373 824 schreiben oder du sendest eine Mail an marie@keineinsamerbaum.org . Sich Hilfe zu suchen, beweist Stärke, nicht Schwachheit.

Der Grund, warum ich zu Beginn geschrieben habe, dass unter Christen ein vielleicht noch größeres Schweigen herrscht, ist, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass ein gewisses Krankheits-Shaming stattfindet. Was meine ich damit? Dass ich das Gefühl habe, dass manchmal vermittelt wird: Du bist krank – dann hast du nicht genug gebetet. Ich sage nicht, dass Leute das so direkt behaupten (zumindest ist mir das noch nie begegnet). Aber irgendwie schwingt das manchmal in Unterhaltungen mit, habe ich das Gefühl. Vielleicht ist das auch nur mein Kopf, der mir das einredet – dann Hallelujah! Falls das aber so sein sollte, müssen wir das ändern.

Ich glaube, dass Gott heilen kann. Ich glaube aber auch, dass Gott uns Ärzte schickt, die uns heilen können. Aber auch, dass manche Krankheit vielleicht aus einem Grund da ist. Ich weiß, das ist eine steile These, aber für mich ist sie sinnvoll. Wenn du mich vom Gegenteil überzeugen möchtest, weißt du ja jetzt wie du mich kontaktieren kannst. 😉

Ich bete, dass wir offener werden können zu uns selbst und zu anderen. Ich bete, dass wir uns Hilfe suchen, wo wir sie brauchen und wir nicht aus Scham zurückweichen. Ich bete auch, dass Gott Krankheiten heilt, wo er es so vorgesehen hat. Und ich bete, dass ich dich ermutigen und herausfordern konnte oder dich zum Nachdenken gebracht habe.

Sei gesegnet!