Anstrengend.

Einen der Sätze dir mir am häufigsten begegneten, als wir unsere erste Tochter erwarteten, war: „Eltern sein, das Anstrengendste und zugleich Schönste der Welt.“ Und tatsächlich habe ich es auch schon einige Male seitdem gesagt und es ist auch so.

Aber ich frage mich, was ist so anstrengend am Eltern sein? Sind es die Kinder? Verlangen sie manchmal so viel von uns ab? Ist es der Schlafmangel? Ist es der gesellschaftliche Druck der, vor allem von Müttern, erwartet Vollzeit für die Kinder da zu sein aber auch sobald wie möglich wieder Vollzeit zu arbeiten und dabei frisch zu kochen, top auszusehen und fit zu sein? Es gibt etliche Gründe, warum man sagen könnte, das Eltern sein anstrengend ist und sie sind auch alle nachvollziehbar, aber trotzdem lässt mich dir Frage nicht los: Muss das so sein? Geht es auch anders?

Vor einer Weile habe ich mal darauf geachtet, was an den besonders „anstrengenden“ Tagen so passiert. Das war für mich persönlich enorm aufschlussreich. Ganz oft kommt es dazu, wenn ich schlecht geschlafen habe und früh morgens lautstark geweckt werde, beide Kinder was anderes von mir wollen und zwar nur von mir. Papa soll nicht mit auf Toilette und die Banana kann nur Mama schälen.. also schleife ich mich unwillig aus dem Bett, zieh schnell was an, was vom Vortag noch neben dem Bett liegt und bediene zwei laute, hungrige Mädels.

Die ganze Kindergarten Morgen Routine muss durchgegangen werden, oft nicht so reibungslos wie ich es mir vorstelle, aber wenn die Große einigermaßen passabel und warm genug angezogen mit Papa in den Kindergarten geht, merke ich oft erst wie flach ich seit mindestens einer Stunde geatmet habe und in dem Moment, wo ich das merke, höre ich schon unser Babymädchen weinen, weil sie langsam mal wieder gestillt werden will oder die Zähne kommen oder was weiß ich. Und ich düse hin und versuche alles zu tun, dass sie zufrieden ist. Das ein Morgen so verläuft ist nichts ungewöhnliches, aber so vieles daran ist nicht gut und kann tatsächlich auch verändert werden!

Ich hab mich echt lange so in einer passiven Rolle als Mutter gefühlt. „Ja ich muss das halt jetzt machen, das ist meine Aufgabe, nach mir selbst zu schauen hat jetzt keine Priorität.“ Und genau da liegt der Fehler. Wenn ich nur gebe, schufte, tue und mache, um alle (großen und kleinen) Menschen zufrieden zu stellen, ohne auch nur eine Minute zu schauen, was ich gerade brauche, kann das nicht gesund sein – da stimmen mir mit Sicherheit alle zu. Die eine oder andere Person wird mit solchen chaotischen Morgenden besser umgehen können, aber ich bin jemand, die ganz dringend ruhig und bedächtig in den Tag starten muss.

Also wie könnte denn ein gesunder, achtsamer Morgen für mich aussehen? Wenn ich bemerke, dass etwas in meinem Leben seit längerer Zeit anstrengend ist, ist es wichtig rauszufinden wie man das beheben kann. Es fängt schon mit der Schlafhygiene an. Wenn ich vor dem Einschlafen auf Bildschirme schaue, ein aufwühlendes Hörbuch zum Einschlafen höre oder beunruhigende Nachrichtenartikel kurz vor dem Schlafen lese, dann ist das „welch Überraschung“ sehr ungünstig für den Schlaf.

Also wenn ich stattdessen abends leichte Dehnübungen bei ruhiger Musik mache, mit Gott rede und zuhöre, Tagebuch schreibe, ein Buch lese, das mir gut tun, male, mit meinem Mann kuschelnd tiefe Gespräche führe und dann nicht zu spät nach einer entspannenden Gesichtsmassage ins Bett gehe, wird mein Morgen gleich besser starten, egal wie laut und wir fordernd die Kleinen morgens sind.

Und wenn es dann so ist, dass alle gleichzeitig was wollen, muss ich dann gleich loslegen, ohne mal kurz innezuhalten? Tatsächlich habe ich gemerkt, wenn ich klar und bestimmt sage, was ich gerade brauche oder möchte, statt es nach hinten zu schieben und gleich zu funktionieren, respektieren die Kinder das. Die Kleine kann noch einen Moment in der Windel sein und die Große kann mit der Banane warten oder noch besser sie selbst schälen.
Was ich auch gerne mache, ist, sie mit reinzunehmen in gesunde Morgenrituale. Zum Bespiel ausgiebig strecken, dreimal tief und bewusst zu atmen und alle Fenster zu öffnen und durch die Wohnung tanzen, damit es uns nicht kalt wird. All das begeistert meine 3-Jährige enorm. Dann manchen wir Musik an, die wir gerne mögen, ein duftendes Öl im Diffuser und schon beginnt ein Tag ganz anders, und zeitlich macht das nicht mehr als 5 Minuten aus!

Ich könnte noch etliche Beispiele durch den ganzen Tag hindurch nennen, aber die Essenz dessen, was ich sagen wollte, ist wahrscheinlich schon durch dieses morgendliche Bespiel rüber gekommen.

Nimm dir Zeit zu ruhen, frage dich was du gerade brauchst, fordere es dir ein und lade wenn möglich die Kinder ein mitzumachen. Kinder beobachten uns ganz genau, wir sind ihr größtes Vorbild. Wenn wir wollen, dass sie sich später gut um sich selbst kümmern können und ihre Bedürfnisse wahrnehmen und nach Möglichkeit nachgehen können, dann ist es jetzt höchste Zeit es ihnen vorzuleben. Tatsächlich dienen wir ihnen dadurch am allerbesten, wenn wir uns selbst Gutes tun.

Fragen:

  • Was empfindest du als anstrengend am Alltag mit Kindern?
  • Hast du gesunde Morgenrituale? Was tut dir gut?
  • Gibt es etwas was dir gut tut und du gerne mit deinen Kindern gemeinsam machst?