Zeige dich

“And the day came when the risk to remain tight in a bud was more painful than the risk it took to blossom.“ – Anais Nin

Dies ist eines meiner Lieblingszitate schon seit Jahren. Und es könnte keines besser zu meiner derzeitigen Situation passen als dieses. Bereits in der letzten Kolumne habe ich von dem Moment des Ausbrechens aus der Knospe geschrieben und was Freude essenziell damit zu tun hatte.

Frühlingserwachen

Heute möchte ich teilen, was seitdem passierte. Das Spannende ist, nach einer tiefgreifenden Heilungserfahrung ist es nicht immer sofort bemerkbar, was alles anders ist. Man merkt nur, dass etwas anders ist.
Dinge, die vorher total schwer waren, fallen viel leichter. Gefühle sind wieder tiefer und lebendiger, die Sinneswahrnehmungen schärfer und es ist viel mehr innere und äußere Kraft da. Kreativität kann wieder fließen und Träume erwachen von neuem. Mir ging es wirklich genau so.
Erst schien alles wie immer, doch wenn ich jetzt den letzten Monat zurückblicke, bin ich wirklich überwältigt von dem enormen Unterschied zu den dunklen Monaten zuvor. Es ist wirklich in mir ein Frühling erwacht. Der Winter ist vorbei. Wie passend, dass die Natur das zur selben Zeit überall zeigt. Es ist aber bei mir kein immer wiederkehrendes jährliches Phänomen.
Tatsächlich war dieser letzte Winter einer der schwersten meines Lebens. Doch das Erwachen nach dieser Dunkelheit ist umso schöner und ich komm kaum hinterher, was alles gerade in mir passiert. Es ist auch echt nicht so leicht zu beschrieben, aber ich nutze mal ein wahrscheinlich unerwartetes Medium, um meine Geschichte etwas zu beschreiben.

Lieder beschreiben Emotionen

Meine Töchter lieben die Lieder der beiden Frozen Filme und wir haben sie immer rauf und runter gehört und laut mitgesungen. Ich bekam dabei immer wieder Gänsehaut und oft fing ich plötzlich an zu weinen, wenn gewisse Lieder kamen. Ich stellte bei näherem Betrachten fest, dass diese Lieder tatsächlich verschiedene Punkte meines Lebens super passend beschreiben – und ich fasse es hier kurz mal zusammen:

(Wenn du die Lieder noch nicht kennst, dann empfehle ich dir wirklich, sie mal anzuhören oder besser noch anzuschauen. Die Videos verstärken bei mir die Gänsehaut und Tränen Wirkung noch mehr. Und auch wenn du sie kennst, dann schau sie dir nochmal an, vielleicht siehst du sie danach auch etwas anders, so wie ich.)

Let It Go (dt. Ich lass los) – erinnert mich sehr an meine Teenager-Zeit, in der ich mich von meiner Familie und vor allem meinem Glauben ablöste und emotional sehr abgeschottet war. Ich ließ so viele Dogmen, Traditionen und Werte los und fühlte mich dabei auch zum ersten Mal frei und unabhängig. Nichts kam an mein einsames Eisschloss ran, ich fühlte mich endlich selbstbestimmt.
Auch wenn ich zu der Zeit überhaupt nicht wusste, wer ich wirklich bin, hat mich diese Phase unfassbar geprägt und war so wichtig für all die Phasen, die darauf folgten. Ich bin so froh, dass immer wieder „Ich lass los“ Phasen hatte, gute und nicht so gute – und sie alle passen auch zu diesem Lied.

The Next Right Thing (dt. Der nächste Schritt) – Dieses Lied fühle ich so sehr. Es beschreibt mehrere Phasen der Depression in meinem Leben. Doch die letzte wahrscheinlich am besten, denn da habe ich mich entschieden, unfassbar schwere, aber auch wichtige und heilsame Schritte ins Licht zu wagen und Gott hat mich dabei so gestärkt.

Into the Unknown (dt. Wo noch niemand war) – Hier finde ich persönlich den englischen Titel passender, denn das ist, was ich gerade beginne zu wagen – ins (mir) Unbekannte zu gehen. Mehr dazu werde ich nächstes Mal teilen, es ist gerade sehr viel Wundervolles in Planung, darauf freue ich mich so sehr!
Ich habe diesen Ruf schon viele Jahre gehört, wie in diesem Lied, wollte ich es nicht wahrnehmen oder bin wieder zurück, wo es sich sicherer anfühlt. Ich liebe, wie sich die Energie in diesem Lied zuspitzt und das beschreibt das Herausplatzen aus der Knospe, wie ich es erst kürzlich erlebt habe, so unfassbar gut. Das ist definitiv ein Hinauswagen ins Unbekannte und der Ruf von Gott dorthin ließ sich nicht länger verdrängen.

Zu guter Letzt noch das Lied Show Yourself (dt. Zeige dich) – was sozusagen noch in naher Zukunft liegt und zum Teil auch schon passiert ist. Es geht darum, in Verbindung zu verdrängten Anteilen in mir zu kommen, mit meiner Vergangenheit und der meiner Herkunftsfamilie Frieden zu schließen und Heilung zu empfangen. Es geht darum, mich verletzlich, offen und mutig zu zeigen. Mich sehen zu lassen und mich selbst zu sehen wer ich wirklich bin und was die Berufung ist, die auf meinem Leben liegt und die Verantwortung, die damit einhergeht anzunehmen. Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn ich das Lied höre. Es berührt etwas tief in mir.

Gottes Wege sind kreativ

Eigentlich tun das alle der oben erwähnten Lieder. Deshalb schreibe ich hier über sie. Und ja, ich komme mir komisch vor hier über den Soundrack eines Kinderfilms zu schreiben, aber ich finde es so erstaunlich, wie kreativ Gott Wege findet zu uns zu sprechen. Ich glaube nicht, dass es purer Zufall ist, dass gerade diese Lieder bei uns auf und ab liefen, genau als ich sie am meisten brauchte.
Was ich auch so schön finde ist, dass Gott nicht nur Lobpreis und andere heilige, christliche Medien nutzt, um uns auf unsere Themen hinzuweisen. Deshalb schreibe ich das hier. Damit du mit offenen Ohren, Augen und Herzen durch das Leben gehst – vielleicht läuft bei dir auch schon ein Lied, das dir zeigt was gerade dein wichtigstes Thema ist, ohne dass es dir bewusst war.

Fragen:

  • Wie fühlst du dich gerade in deinem Herzen?
  • Was berührt dich gerade am meisten, was kommt immer wieder in deinen Fokus?
  • Wie überrascht Gott dich zurzeit?