Mit mir verbunden

Letztes Jahr bekam ich als mein Jahreswort das Wort Zugehörigkeit. Ich war ehrlich gesagt etwas verwirrt als dieses Jahr ein recht ähnliches Wort aufkam. Doch ich nahm es an und jetzt erkenne ich mehr und mehr: es baut so schön aufeinander auf.

Das Wort, das ich Anfang des Jahres für 2022 bekommen habe, ist Verbundenheit. Mir war damals gleich klar was es bedeutet. Aber wie es sich anfühlt, davon hatte ich zu der Zeit noch keine Ahnung.

Das kann ich jetzt sagen, denn ohne, dass das Jahr überhaupt schon vorbei ist, hat sich in mir so viel verändert im letzten halben Jahr und ich kann es kaum erwarten, was noch kommt. Heute sprudelt es schon aus mir heraus, deshalb schreibe ich jetzt schonmal eine Zwischenbilanz zum Thema Verbundenheit und was es für mich in diesem Jahr bedeutet.

Durch das Jahr der Zugehörigkeit habe ich erkannt welche Anteile in mir überhaupt zu mir gehören und dass sie nicht abgespalten bleiben müssen. (siehe Kolumne vom 24. Januar 2022)

Verbundenheit im Inneren

Verbundenheit geht noch eine Ebene weiter, nicht nur da sein, sondern fühlen, wertschätzen, kennenlernen, eins werden.
Ich wusste das Wort Verbundenheit wird sich zuallererst auf mein Innerstes beziehen.

Meine wichtigste Aufgabe für dieses Jahr ist es, in Verbindung mit mir zu kommen, mit meinen Sinnen, meinem Körper, meiner Weiblichkeit, meiner Mutterrolle, mit meiner Seele und meinem Geist, mit meinen Wunden, meinen Schatten, meinen verborgenen Fähigkeiten und meiner inneren Größe.

Zu dem Zeitpunkt sehnte ich mich jedoch nach nichts mehr, als Verbundenheit im Außen zu erlangen. Ich fühlte mich seit langem abgetrennt von allen, selbst denen, die mir am nächsten standen. Doch was mir erst mit dem Klarwerden meiner Anteile und deren Zugehörigkeit zu mir bewusst wurde war, dass ich nicht wirklich mit mir selbst verbunden war. Deshalb war jeder Versuch mich im Außen verbunden zu fühlen vergeblich. Es rutsche immer ab von mir, weil da nichts war zum Einhaken. Ich war eine glatte Fläche, angepasst, ohne Ecken und Kanten aber auch ohne Halt und ohne Klarheit. Was ich durch den gesamten Prozess, in dem ich stecke, erkannt habe ist, dass ich mich zugleich extrem vor Verbundenheit fürchte, und zwar vor allem die Verbundenheit mit mir selbst.

Einblicke in meine Persönlichkeit

Seit ich denken konnte war ich mein größter Feind. Immer wenn mir was Schlechtes widerfuhr, sah ich mich selbst als Schuldige und fühlte so die vermeintliche Kontrolle über die Situation. Wenn ich Schuld bin, dann kann ich etwas an dieser Situation ändern, wenn ich nur mich selbst ändere. Der Fehler muss bei mir liegen, andere, vor allem meine Eltern, Kindergottesdienstleiter, Freunde, etc. stehen doch weit über mir. Diese kindliche Logik die sich durch mein Leben zog, wird mir jetzt erst mehr und mehr bewusst und es ist so hart diese tief verwurzelten Lügen zu entlarven und vor allem mit Wahrheit zu füllen.

Alles in mir fühlt sich wund und zerbrechlich an, aber zugleich bin ich stärker denn je. Ich schäme mich immer weniger und ich bekomme immer mehr Einblicke in meine wahre Persönlichkeit: offen, mutig, kreativ, unternehmerisch, leitend, selbstbewusst, ohne Scham, ohne Angst verurteilt zu werden, ohne übermäßiges angepasst sein, ohne Unsicherheit. Ich fange an mich kennen zu lernen und ich fange an mich zu lieben. Ich traue mich zum ersten mal ehrlich über Sexualität zu reden (mit 31!). Ich baue eine eigene Frauenarbeit aus dem Nichts auf und ich lache manchmal beim Radfahren laut auf, weil gerade alles so perfekt zusammenkommt und Sinn ergibt.

Selbstliebe ist von Gott gewollt

Was ich unbedingt noch erwähnen möchte ist, dass ich oft erlebe, wie gerade christliche Menschen verunsichert sind, wieviel um sich selbst kreisen gut ist in Gottes Augen. Da kann ich nur auf Matthäus 22,37-39 hinweisen. Das höchste Gebot ist es Gott ganzheitlich zu lieben, genauso wie unseren Nächsten UND uns selbst. Keines dieser drei Komponenten sind weniger wichtig als das andere, sie sind alle gleich! Deshalb ist es auch so schön jetzt zu merken, wie intensiv ich Gott erlebe, sein Sprechen, seine Freude, seine bedingungslose Liebe, Bilder, Eindrücke, Kreativität. All dies kann nun frei durch mich fließen, weil ich nicht mehr voll mit Selbstablehnung und Unsicherheit bin.

Je mehr ich mit mir verbunden bin, desto intensiver ist auch meine Verbindung zu Gott. Und auch die Verbindung zu meinen Mitmenschen ist um ein Vielfaches intensiver und schöner geworden, je mehr ich ich selbst bin. Und das schönste ist, das ist erst der Anfang.

Fragen:

  • Was siehst du für einen Unterschied zwischen Zugehörigkeit und Verbundenheit
  • Wo in deinem Leben fühlst du dich zugehörig, wo fühlst du dich verbunden?
  • Was ist jetzt gerade deine größte Sehnsucht?

PS: Wenn dich dieses Thema ganz besonders angesprochen hat, lade ich dich herzlich zu meinem Frauenkreis ein. Er findet seit Juli regelmäßig in Halle am ersten und dritten Montag im Monat statt. Der Fokus ist genau die Verbundenheit von der ich hier schreibe, sie soll erfahrbar und erlebbar gemacht werden. Es gibt jedes Mal einen Input, intensive Selbsterfahrungsübungen und tiefen, ehrlichen Austausch. Außerdem gibt es Zeit das Erlebte zu ruhiger Lobpreismusik schriftlich, durch Malerei oder in der Stille mit Gott zu verarbeiten.

Schreibe mir gerne unter claire@keineinsamerbaum.org wenn du mehr wissen möchtest, oder schaut auf meiner Website: www.vomwildenherzen.de