In Sicherheit

Wenn ich gefragt werde, was ich am wenigsten an mir mag (das werde ich eigentlich nie gefragt, aber falls..) dann würde ich antworten: meine Unsicherheit.

Ich bin wirklich schon sehr weit gekommen in meiner persönlichen Entwicklung und Heilung, aber diese tiefe Verunsicherung ist da, egal welche Erkenntnisse und lebensverändernden Erfahrungen ich sammle. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es einfach diese Unsicherheit aufzulösen und komplett frei davon – ich selbst – sein zu können. Doch genau bei diesem Wunsch liegt das Problem: ich lehne diesen Teil von mir ab, als wäre es ein Geschwür, etwas das rausgerissen und vernichtet werden muss. Ich habe über die Jahre eine Feindschaft mit der Unsicherheit entwickelt, habe sie als Grund vieler meiner Schwierigkeiten im Leben gesehen und als Räuber vieler Chancen und Freude.

In Ansätzen ist da auch etwas Wahres dran, dennoch habe ich der Unsicherheit da unrecht getan. Das fiel mir erst auf, als ich mich mal in Gedanken anfing mit der Unsicherheit zu unterhalten und rausfand warum sie da ist.

Ein Leben lang

Unsicherheit ist schlichtweg die Abwesenheit von Sicherheit. Deshalb kann ich die Unsicherheit nicht einfach wegwünschen, wenn es mir immer noch an Sicherheit fehlt. Seit ich mit Jesus gehe, habe ich natürlich viel Sicherheit in ihm gefunden, meine Seele, meinen Geist, mein Leben in seine Hände gegeben. Doch wenn ich ehrlich bin, hat mich auch in meiner Reise mit Gott die Unsicherheit begleitet. Was ist, wenn ich nicht gerettet bin, was ist wenn ich nicht richtig auf Gott höre? Was, wenn ich auf Unwahrheiten höre? Was, wenn ich nicht genug diene, nicht genug gebe, nicht genug nachfolge? Was, wenn ich nicht genug bin?

Warum konnte ich diese zerstörerischen Gedanken nicht lassen, wenn ich doch so hautnah und lebensverändernd von Gottes Liebe durchflutet wurde? Weil Gottes Art uns zu verändern immer ein Prozess ist – und zwar unser Leben lang. Es ist nicht getan mit einem Tränen-überfliesendem Gebet und die sprudelnde Lebendigkeit im Anschluss an eine tiefe Gottesbegegnung: sondern Heilung, Wachstum, Veränderung geschieht viel langsamer als wir es oft erwarten.

Die Unsicherheit ist kein Feind

Erst heute hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin, in dem wir uns über unsere Ungeduld uns selbst gegenüber ausgetauscht haben und dass Gott eigentlich viel geduldiger mit uns ist, als wir es sind. Vor allem aber ist Gott gnädiger, als wir es mit uns sind. Die Unsicherheit kannte ich seit frühester Kindheit. Es ist wie eingewoben in mein Wesen, ohne dass Gott es so für mich erdacht hatte. Es ist aber keine Krankheit, kein Geschwür und schon gar kein Feind. Im Gegenteil.

Die Unsicherheit hat mich achtsam gemacht, sensibel zu sein für die Stimmung meines Umfeldes und meines Gegenübers, hat mich genau beobachten und zuhören lassen, hat mich tiefgründig und nachdenklich gemacht, aber vor allem hat die Unsicherheit (versucht) mich vor weiterem Schmerz zu bewahren. Die Unsicherheit war für mich, während ich die ganze Zeit gegen sie war und sie auflösen wollte. Sicherheit kannte ich jedoch lange nur theoretisch. Mit Gott konnte ich erste Ansätze für mich annehmen und erleben.
Je mehr ich Sicherheit erleben durfte, desto einfacher war es zuvor verunsichernde Dinge zu machen. Alleine reisen, Jüngerschaftsschule machen, frei tanzen, predigen auf Einsätzen von YWAM, in eine fremde Stadt ziehen, studieren, Kleingruppen leiten, mich auf eine Beziehung einlassen, mich in der Arbeitswelt behaupten, heiraten, Kinder bekommen. All dies hätte ich mir nie zugetraut, wäre dieser Prozess der wachsenden Sicherheit in mir nicht gestartet worden, als ich Jesus zum erstem Mal mit 17 Jahren kennenlernte.

In diesem Prozess durfte ich unfassbar viel lernen, erfahren, wachsen, fallen, aufstehen, mich neu orientieren. Wäre meine Unsicherheit bei meiner Bekehrung mit einem Mal weg gewesen, wäre es wie bei einem Kücken, das man aus der Schale holt. Ein essenzieller Kampf hätte gefehlt, der so wichtig für die Botschaft ist, die ich in diese Welt tragen darf und das wusste ich schon damals. Ich wusste ich werde meine Erfahrungen – auch die tiefsten und dunkelsten – mitnehmen, um anderen aus der Dunkelheit zu helfen.

„Wir sind ganzheitliche Geschöpfe“

Die Sicherheit, die ich nie so richtig kannte, musste ich über viele Jahre erst kennenlernen. Wirkliches Loslassen von ungesunden Verhaltensweisen, von Kontrolle und von Unvergebung ist viel leichter gesagt als getan. Sicherheit kann auch nicht nur im Kopf und auch nicht nur im Gebet entstehen. Wir sind ganzheitliche Geschöpfe, also brauchen wir ganzheitliche Sicherheit, um uns frei und ungehindert zu entfalten. Das bedeutet auch, dass unser Körper sich sicher fühlen muss. Ich habe so viele Jahre gegen meinen Körper gekämpft, ihn abgelehnt, vernachlässigt, zu Höchstleistungen getrieben, ohne ihn genügend zu nähren. Ich habe ihn auf vielen Ebenden verletzt und zugleich Schmerzen und andere Signale ignoriert. Dass all diese (auf körperlicher Ebene stattfindenden) Dinge zusammen massiv meine Psyche und mein geistliches Leben beeinflussten, habe ich erst jetzt so richtig begriffen und ich bin so unfassbar begeistert von Themen wie Nervensystem-Arbeit und Somatischer Trauma Heilung und wie es mit einem erfüllten und befreiten (Glaubens-)Leben zusammenhängt.

In meiner Frauenarbeit ist ganzheitliche Selbsterfahrung immer ein Hautthema und wir nutzen immer zuerst die körperliche Ebene, um sicher an tiefe Ebenen zu gehen.
Weil mich ganzheitliche Heilung so begeistert, wird es hier in den kommenden Texten oftmals Thema sein und auch in den Frauenkreisen immer wieder mit vielen transformierenden Übungen selbst erfahrbar und nachvollziehbar gemacht werden. Wenn dich dieses Thema auf irgendeine Weise bewegt, dann schreibe mit gern unter claire@keineinsamerbaum.org oder Instagram @vomwildenherzen.

Ich freue mich sehr mit dir in den Austausch darüber zu kommen und lade dich herzlich ein, persönlich zu einem Frauenkreis oder zu unserem 2-tägigen Retreat Anfang Oktober zu kommen, wenn du mehr in die Tiefe gehen und deine persönliche Sicherheit entdecken möchtest.

Frage:

  • Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?