Für wen mach ich’s?

Ein altes Sprichwort sagt: Unverhofft kommt oft. Es ist beinahe 8 Monate her seit ich mich entschlossen hatte, meine wöchentliche Kolumne ruhen zu lassen, um mich anderen Aufgaben mehr widmen zu können.
Die Entscheidung damals beruhte überwiegend auf meiner eigenen Müdigkeit und Überdrüssigkeit – falls das ein Wort ist. Kennst du das, wenn du dich selbst nicht mehr hören oder lesen oder sehen kannst? Ich konnte mich damals einfach nicht mehr dazu durchringen, so zu tun als ob mir das, was ich tat, Spaß machte. Alle sieben Tage etwas zu schreiben, was andere inspirieren oder zum Nachdenken anregen sollte, war mir einfach too much. Und selbst wenn es mir vermeintlich gelang, es zu schreiben, womit ich “glücklich” war, überkam mich dieses Gefühl von “Schon wieder was von dir..”.

Also hörte ich auf. Stampfte die Kolumne ein und stampfe sie übrigens auch weiterhin ein. Aber heute überkam mich diese Lust und Notwendigkeit meine Gedanken auf das virtuelle Papier zu bringen. Denn das Thema ist wichtig für diese Plattform, für meine und unsere Arbeit. Die Frage nach dem “warum” – oder dem “für wen”. Für wen mach ich das hier eigentlich?

Als das vergangene Jahr zu Ende ging und ich meine digitale Buchhaltung (Excel Tabelle) anschaute, hatte ich von mir selbst erwartet, ein Gefühl von “Wow! Preis den Herrn!” zu erleben. Aber dem war nicht so.. mich überkam der Gedanke “Wie soll ich das denn nächstes Jahr nochmal schaffen?”. “Wie soll ICH das denn nächstes Jahr nochmal schaffen?”.
Mir fehlte jegliche Form von Genugtuung, vom “Genug sein”. Von Dankbarkeit. Von Lobpreis. Alles drehte sich in meinem Kopf um das nächste Jahr und dass von mir erneut Leistung gefordert wird. Alles drehte sich um mich. Und das lähmt.

Und in dieser Lähmung stecke ich gerade fest. Denn ich habe viele Ideen und Wünsche für das nächste Jahr, doch ich frage mich, für wen ich diese Ideen und Wünsche umsetzen will? Für mich und mein Leistungsdenken? Für meine Suche nach scheinbarer Anerkennung und Erfolg? Oder doch für Gott und meine Berufung?
Die kurze und ehrliche Antwort ist: Ich habe keine Ahnung.

Nachdem ich in unserer Winterpause das erste Mal seit Jahren wirklich gar nicht gearbeitete habe, gelang es mir einen gesunden Abstand von all dem hier zu gewinnen und ich muss heute erschrocken feststellen, dass ich nicht weiß, warum ich das, was ich tat, tat. Und warum ich das, was ich tue, tue. Und warum ich das, was ich tun will, tun will. Will ich meine Unterstützer bei Laune halten und glücklich machen? Bloß nicht anecken und sie vergraulen und dann erreiche ich womöglich keine neuen Unterstützer oder verpasse mein Jahresziel für 2021? Wofür habe ich überhaupt so ein blödes Jahresziel? Sind meine Arbeitsgewohnheit und meine Methoden mein eigentliches Problem? Erneut: Ich habe keine Ahnung.

Ich möchte wirklich mit “Für Jesus. Für Gott.” auf diese Frage antworten. “Für wen mach ich’s?”“Für Jesus. Für Gott. Damit möglichst viele Menschen IHN kennenlernen.” Aber ich muss einfach ehrlich sein und feststellen, dass meine Motivation oder auch die momentan fehlende, auf meinem eigenen Handeln beruht. Der Grund für meine Lähmung bin ich selbst.

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Ich hatte gerade, während ich diese Zeilen schreib, ein sehr gutes Gespräch und ich möchte das oben geschriebene nicht ohne diesen Schluss stehenlassen. Wenige Menschen unterscheiden zwischen dem, wer wir SIND und was wir TUN. Und so bin ich doch sicher, dass auch wenn mein Handeln vielleicht falsch oder fragwürdig war und ist, so BIN ich doch weiterhin auf dem Weg mit und zu ihm. Denn..

“Nun ist es zwar sowieso unmöglich, dass Gott lügt, doch hier hat er sich gleich in doppelter Weise festgelegt – durch die Zusage und durch den Eid, die beide unumstößlich sind. Das ist für uns eine starke Ermutigung, alles daranzusetzen, um das vor uns liegende Ziel unserer Hoffnung zu erreichen. Diese Hoffnung ist unsere Zuflucht; sie ist für unser Leben ein sicherer und fester Anker, der uns mit dem Innersten des himmlischen Heiligtums verbindet, dem Raum hinter dem Vorhang. Dorthin ist Jesus uns als Wegbereiter vorausgegangen – er, der für alle Zeiten Hoherpriester wurde, ein Hoherpriester von derselben priesterlichen Ordnung wie Melchisedek.” – Hebräer 6, 18-20