Ankommen

Ich wache auf und schaue verschlafen auf meinen Wecker. Es ist kurz vor halb neun. Kurz vor halb neun? Hätte eigentlich nicht um spätestens acht Uhr der Wecker klingeln sollen? Die Bahn fährt doch um 08:36 Uhr ab.. Mist, wir haben verschlafen! Oder eher Matthias, der zu einem Termin muss.

Ich bin noch gar nicht richtig wach und trotzdem ist es verlockend, mich gleich in die Arbeit zu stürzen. Jetzt, wo ich doch schon etwas verschlafen habe, müsste ich doch gleich richtig anfangen.
Aber ich weiß eigentlich genau, was ich jetzt gerade brauche und was gerade dran ist. Also schlürfe ich in die Küche an den Esstisch, lege alles beiseite und schließe meine Augen. Wie so oft sitzt Jesus in meinem inneren Garten auf der Bank. (Hier habe ich schon mal mehr zu meinem inneren Garten geschrieben.)

Er wartet in Ruhe dort auf mich. Ich bin allerdings noch etwas unschlüssig und stehe mit etwas Abstand dazu neben der Bank. Doch Jesus fordert mich sanft auf, mich doch zu ihm zu setzen. Also gehe ich und setze mich zu ihm auf die Bank. In den nächsten Minuten passierte erstmal nichts wirklich. Wir saßen beide gemeinsam auf der Bank und schwiegen. Es war sehr angenehm.
Ich begann meine Gedanken laufen zu lassen. Irgendwann drifteten sie ganz ab zu verschiedenen Dingen. Sachen, an die ich noch denken oder was ich denn jetzt endlich mal erledigen möchte. Über manches Vergangenes, über das ich mich freute oder über Zukünftiges, wo ich begann, mir Sorgen zu machen. Nach einiger Zeit hörte ich die Frage: „Bist du noch da?“
Ah stimmt ja, ich saß eigentlich mit Jesus zusammen auf der Bank. In meinen Gedanken hatte ich das ganz vergessen. Ich antwortete auf diese Frage nicht, sondern war nur selbst verwundert, wie sehr ich das Um-mich-herum gerade in den Hintergrund gerückt hatte. Dabei war es doch genau das, was gerade so schön war. Es war angenehm, ruhig und einfach nur schön mit ihm da zu sitzen und anzukommen.

„Und dann liegt es an mir..“

In dem Moment überkam mich eine tiefe Gewissheit. Manchmal höre ich Dinge, aber sie gehen nicht weiter als in den Kopf. Und dann gibt es manchmal Momente, in denen ich meine, etwas ein Stück mehr erkannt zu haben.
Jesus ist immer da und er wird mich niemals hängen lassen. Ich keinem Bereich meines Lebens wird er mich irgendwann fallen lassen. Und er wird immer bei mir sein. Wo auch immer ich mit meinen Gedanken bin und ich mir bewusst Zeit für ihn nehme. ER wird immer da sein, mich sehen und mich nicht hängen lassen. Er ist für mich.
Und dann liegt es an mir, ob ich mich eben auf die Bank zu ihm setzen möchte oder eben nicht. Doch diese Zeit mit ihm ist so kostbar und seine Ruhe nirgendwo anders als bei ihm selbst.

Mir fällt ein älteres Lobpreislied ein:

Herr, ich suche deine Ruhe. Fern vom Getöse dieser Welt.
Ich hör jetzt auf mit allem, was ich tue. Und tu das eine, das im Leben zählt.
Ich geh im Geist jetzt vor mir auf die Knie und höre auf die Stimme meines Herrn.
Denn du hast mehr für mich als Illusionen. Dein Rat für mich verweht nicht mit dem Wind.

Bei diesem Lied muss ich immer fast weinen, weil es von so einer aktiven und tiefen Hingabe für Jesus spricht. Und Gott könnte die Ruhe auch über uns herüber stülpen, aber oft wartet er darauf, dass wir den ersten Schritt gehen, andere Dinge stehen lassen und uns ihm zuwenden. Er wartet. Und dann ist es dran, dass ich mich erst mit Jesus auf die Bank setze und dann an meinen Schreibtisch. Das und Jesus brauche ich wirklich, denn sonst versinke ich zu schnell in eine Unruhe.