Welche Mutter von (Klein-)Kindern kennt es nicht, diese Gefühlsausbrüche anscheinend ohne großen Anlass und meist zu den ungünstigsten Zeiten und Umständen. Das reibt sehr an unseren Nerven und auch ich erwische mich dann, wenn ich sie nehme und sage: „Hey das ist doch kein Grund jetzt so auszurasten.“

Kinder wollen ihre Gefühle zeigen

Doch das Kind macht es ja nicht bewusst, um zu nerven oder provozieren – es empfindet die Situation tatsächlich als schlimm und überwältigend. Die Gefühle die es zeigt sind echt, sie sind roh und ungefiltert und genau dass überfordert uns Erwachsene mit unserem fein säuberlich sortiertem und weggepackten Gefühlsleben, mit dem wir uns so schön an die Gesellschaft angepasst haben.
Die Intensität der Gefühle, wie kleine Kinder sie noch leben, liegt uns derart fern, dass wir versuchen sie ihnen auszureden. Doch das zeugt nicht von Respekt gegenüber der Gefühlswelt der Kinder. Es kann sie permanent negativ beeinflussen immer gesagt zu bekommen „was du fühlst ist nicht echt, reiß dich mal zusammen und es ist doch nichts passiert.“

Verständnis für die Kinder

Was Kinder vielmehr brauchen ist ein Begleiten durch die Gefühle. Sie brauchen unseren Beistand, Verständnis für die Gefühle und unsere bedingungslose Liebe und Annahme darin. Ich spiegle meiner Tochter dann, wenn sie ausrastet oft, ganz neutral was gerade passiert ist. „Ja das ärgert dich jetzt, dass du keine zweite Folge Peppa Pig schauen darfst, ich versteh das sehr gut. Aber wir hatten vorher besprochen, dass eine Folge reicht und es danach zum Zähneputzen geht.“ Oder „Du bist gerade mit dem Kopf gegen die Tischkante gelaufen, das tut weh, das versteh ich. Ich halte dich, komm her. Der Schmerz wird bald vorbeigehen, ich bin da für dich.“

Von Natur her wollen Kinder kooperieren, dieses „Trotzverhalten“ ist oftmals einfach ein Zeichen der Überforderung und missverstanden werden. Wenn wir uns in ihre Welt versetzen, während sie gerade ausrasten, wird das auf einmal viel verständlicher und ermöglicht uns ganz anders auf sie einzugehen.

Gefühle machen uns lebendig

Wir haben als Erwachsene oft selbst den Zugang zu unseren Gefühlen verloren. Gefühle sind unpassend, unpraktisch, machen alles kompliziert, sie müssen in Grenzen gepackt werden, um nur zu besonderen Anlässen ein bisschen hervorzukommen.
Das gilt insbesondere für uns Deutsche, die ja weltweit als nicht gerade gefühlsüberschwänglich gelten. Umso mehr stresst uns natürlich das Verhalten gefühlsstarker Kinder. Doch ist es wirklich die beste Idee sie zu schleifen und zu formen, so dass sie im Endeffekt genauso angepasst sind wie viele Erwachsene und den Zugang zu ihrer Gefühlswelt verschüttet wird?
Der Preis ist viel zu hoch. Gefühle sind ein Ventil, eine Sprache die mehr als tausend Worte sagen kann. Sie sind real und sollten ihren Platz haben. Sie zu unterdrücken und kleinzureden ist für die Psyche enorm schädlich. Denn Gefühle gehören zum Leben und sie machen uns zu lebendigen Menschen statt zu funktionierenden Maschinen.

Und das wünschen wir uns doch für unsere Kinder, dass sie zu vollkommen lebendigen Menschen heranwachsen.

Fragen:

  • Wie gehst du mit Gefühlsausbrüchen deiner Kinde rum?
  • Wann hattest du zuletzt einen Gefühlsausbruch?
  • Wann fühlst du dich am lebendigsten? Was hat dies mit deinen Gefühlen zu tun?