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28. Januar 2020

#6
Holzwurm

von Marie Wandelt

28. Januar 2020
Lesedauer: 3 Minuten
Von Marie Wandelt


Holzwurm

Hallo und willkommen zurück! Schön, dass du da bist. Als ich darüber nachgedacht habe, worüber ich heute schreiben möchte, war in meinem Kopf erstmal gähnende Leere. Irgendwie wollte mir einfach nichts einfallen. Dann habe ich schon an mir selbst gezweifelt und überlegt, ob ich denn in letzter Zeit überhaupt nachdenke und dass es ja nicht sein kann, dass ich gerade kein Thema im Kopf habe. Und plötzlich zeichnete sich ab, was der Grund für dieses Phänomen ist und gleichzeitig ein zwar schon oft gehörtes, aber immer wieder neu, wichtiges Thema:
Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder den Baum vor lauter Wald?

Jedenfalls hab ich in letzter Zeit nachgedacht, aber irgendwie nicht über Gott und auch nicht mit Ihm. Ich habe es erfolgreich geschafft, Ihn ziemlich extrem zu ignorieren. Gar nicht wissentlich, aber irgendwie hat sich das so eingeschlichen und irgendwann ist es mir nicht mehr aufgefallen.

Vor ungefähr anderthalb Wochen war ich mit einer Freundin bei einer Wohnungsbesichtigung und was mir am besten im Kopf hängen geblieben ist, war das unheimlich doll knarksende Parkett. In dem Ausmaß hab ich das noch nirgends gehört. So wie es sich bei der Unterhaltung mit dem Vormieter anhörte, gibt es in dem Haus wohl eine Art Holzwurm, der dafür sorgt, dass Millimeter für Millimeter an Grundlage verschwindet und so schleichend das ganze Parkett immer löchriger wird und anfängt zu knarksen. Der Vormieter meinte, er habe sich dran gewöhnt. Und da ist wieder das Stichwort: Gewöhnung. So wie der Holzwurm stückchenweise das Parkett zerstört, haben Faulheit, Ablenkungen und Lügen stückchenweise meine Beziehung zu Gott unterwandert. Und weil es so stückchenweise war, hab ich mich immer mehr dran gewöhnt.

In letzter Zeit habe ich mich öfter mal über meine Reaktionen gewundert und warum ich mit manchen Dingen recht gut klarzukommen scheine, obwohl ich erwartet hätte, dass eher das Gegenteil geschieht. Weiter als zu meiner Verwunderung bin ich aber nicht gekommen. Im Zusammenhang mit meiner Erkenntnis über das, was ich eben geschildert habe, komme ich zu dem Punkt: Nein, ich bin nicht die Allerbeste und so super stark und wer kann es mit mir aufnehmen, bla bla bla. Ich habe Gott auf meiner Seite und Er trägt mich, Er tröstet, Er spricht gute Dinge über mich aus und schenkt mir Seine Kraft und Seinen Frieden. Nicht ich kann das alles, sondern Er.

Ich muss also wieder von vorne anfangen. In alledem, was ich so mache und denke, habe ich den Ursprung vergessen. Ich darf also bekennen, vor euch und vor Gott, und umkehren und wieder zurück in Seine Arme rennen und von vorne anfangen. Und dafür bin ich dankbar! Wir können immer wieder zu Ihm zurückkommen und Er wird dem vergeben, der ehrlich bereut.

Wie kann ich jetzt anders handeln als vorher? Erstmal: mit Gott zusammen. Ich kann Ihn bitten, mir immer wieder neu die Augen zu öffnen und mich nicht vom Weg abkommen zu lassen. Und noch einen Tipp gibt die Bibel:

So habt nun acht, dass ihr tut, wie euch der HERR, euer Gott, geboten hat, und weicht nicht, weder zur Rechten noch zur Linken. – 5. Mose 5, 32

"Habt nun acht" heißt es. Und genau das, finde ich, kann helfen, so einem Einschleichen von Abstumpfung entgegenzuwirken. Wenn wir uns bewusst sind, wie schnell es gehen kann, dass man einfach vergisst, was die Grundlage unseres Lebens ist, können wir vielleicht an der ein oder anderen Stelle Warnsignale sehen und müssen nicht an den Punkt kommen, wo es Wochen dauert, um zu erkennen, was eigentlich gerade los ist.