Menü

17. April 2020

#12
Schwanger nach einer Fehlgeburt

von Claire Gonzales

17. April 2020
Lesedauer: 3 Minuten
Von Claire Gonzales


Schwanger nach einer Fehlgeburt

Mir war schon immer klar, dass ich trotz der Fehlgeburt vorletzten Jahres noch ein Kind möchte. Doch es brauchte ungefähr ein Jahr bis ich wieder soweit war es anzugehen. Mir wurde mein erneuter Kinderwunsch an einem warmen Sommernachmittag letzten Jahres ganz plötzlich bewusst, als Sascha und ich gemeinsam mit unserer Tochter zusammen auf meine Nichte, die Tochter meiner Schwester Reneé, aufpassten. Wir schlenderten zu viert durch die Stadt und gingen spontan gemeinsam arabisch essen. Es fühlte sich so richtig an, so vollkommen. Ich wusste, wir sollen als Familie zu viert sein.
Kurze Zeit später wurde ich tatsächlich schwanger und ich nahm es von Anfang an als Wunder und Geschenk an, jeden Tag an dem dieses kleine Wesen in mir lebt und heranwächst, das Herzchen fleißig eigenes Blut durch den Körper pumpt, wenn dieser noch nichtmal die Größe eines Daumens hat. Zu der Zeit, in der die vorherige Schwangerschaft zu Ende ging, so um die 12. Woche herum, kam dann etwas Nervosität auf. Wir gingen gemeinsam zum Ultraschall Termin in die selbe Praxis, in der uns ein Jahr zuvor berichtet wurde, dass das kleine Herz nicht mehr schlägt. Wir waren beide sehr aufgeregt, aber als wir hörten und sahen, dass alles vollkommen gesund war, verwandelte sich die Nervosität in unendliche Dankbarkeit.

Mittlerweile stehe ich schon am Ende meiner Schwangerschaft und sie war echt nicht leicht, verglichen mit meiner Ersten, aber dennoch überwältigt mich täglich die Tatsache, dass mein Körper erneut einen Menschen hervorbringt, mit Dankbarkeit und Ehrfurcht. Ich bin so gespannt diesen Menschen kennenzulernen und mit meiner Liebe zu überschütten.

Doch nichts ist selbstverständlich. Ich wurde vor wenigen Tagen von einem vorzeitigen Blasensprung überrascht und wir werden unser Wunder etwa 6 Wochen früher als erwarten kennenlernen. Noch ist es nicht ganz soweit, ich habe in meiner 'Vom wilden Herzen einer Frau' Kolumne vom 13. April 2020 etwas davon geschrieben, wie es mir in dieser Situation geht, deshalb werde ich hier nicht viel drauf eingehen, aber was ich teilen will, ist, was mit meinem Mutterherz passiert.

Ich hatte echt Angst vor einem zweiten Kind, auch wenn ich, wie oben beschrieben, mir das sehr gewünscht hatte. Immer wieder kamen während der Schwangerschaft Zweifel und Ängste auf, ob ich das schaffe mit zwei Kindern. Oft hat unsere zweieinhalb Jährige mich schon so gefordert, dass der Gedanke an noch ein Kind in meiner Obhut mich zum Verzweifeln gebracht hat. Ich weiß aber, dass diese Gedanken nicht von Gott kommen, denn er spricht Worte des Friedens und er sagt "Ja" zu diesem Leben und zu uns als Vierer-Familie und zu mir als zweifache Mutter. Er vertraut mir dieses unendlich wertvolle Menschenleben an und das zum zweite Mal! Was für ein Vertrauensbeweis!
Auch wenn ich keine Ahnung habe wie es wird, weiß ich dass wir es wie so viele andere Familien vor uns auch hinbekommen werden und ich erinnere mich dann an dieses vollkommene Gefühl als wir zu viert mit unserer Nichte umherschlenderten.

Jetzt wo ich gerade im Krankenhaus bin und plötzlich ganz viel Zeit nur für mich und mein Baby habe, das bisher noch sicher und gesund in meinem Bauch ist, ist eine noch innigere Bindung zwischen uns entstanden. Es passiert schnell, wenn man schon ein (Klein-)Kind zuhause hat, dass die Schwangerschaft so an einem vorbeizieht und man ganz vergisst, dass da noch jemand ist. Deshalb empfinde ich diese letzten Tage (durch das aktuelle Besuchsverbot in den Kliniken) nur zu zweit zu sein als echt wertvoll.

In der ersten Nacht war ich unfassbar aufgebracht und nervös, was jetzt auf mich zukommt. Ich merkte auch wie das Baby in mir wilder denn je strampelte. Ich legte meine Hand auf die kleinen Beulen unter meiner Bauchdecke und sprach Ihr (und mir) positive Worte und Ermutigung zu. "Wir beide schaffen dass, wir sind Kämpferinnen. Es wird alles gut." Und eine tiefe Freude und Liebe überkam mein Herz für dieses Wesen und sofort wurden wir beide viel ruhiger.
Ich konnte mir vorher nicht vorstellen jemanden so zu lieben wie meine erstgeborene Tochter, doch wie so viele Eltern mit mehreren Kindern sagen: Das Herz wird einfach größer, die Liebe vermehrt sich und man liebt das neue Kind kein bisschen weniger. Davon bin ich bereits jetzt vollkommen überzeugt.

Fragen:
1. Wie sind deine Erfahrungen mit der zweiten (oder dritten, etc.) Schwangerschaften?
2. Wie nimmst du sie war?
3. Wie gehst du damit um?Was bedeutet für dich Mutterliebe?