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06. Mai 2019

#45
People pleasing

von Claire Gonzales

06. Mai 2019
Lesedauer: 4 Minuten
Von Claire Gonzales


People pleasing

Seit einigen Wochen werde ich in verschiedensten Situationen auffällig oft mit einer meiner größten Schwächen konfrontiert. So auffällig oft, dass ich vermute, dass es etwas zu bedeuten hat und es Zeit wird, daran zu wachsen. Es geht um den Drang es immer allen recht zu machen, bzw. bloß niemanden zu enttäuschen und zu verärgern.

Als ich noch in Elternzeit war, fiel es nicht so auf, da war ich hauptsächlich für meine Tochter verantwortlich und ihr durfte, wollte und sollte ich ja auch 'alles recht machen' im ersten Jahr.
Doch seid ich beruflich im sozialen Bereich tätig bin, werde ich heftig mit dieser Sache konfrontiert. Täglich werden von Klienten, Kollegen, Vorgesetzten, Ämtern und gerichtlichen Betreuern etliche Erwartungen an mich gestellt, die ich alle erfüllen möchte. Grenzen zu setzen und "Nein" zu sagen fällt mir unfassbar schwer, sodass Überstunden zur Norm wurden, was wiederum unserer Familie nicht gut tat. Ich stand ganz oft zwischen den Erwartungen auf der Arbeit und denen meiner Familie und mein Stresslevel stieg von Woche zu Woche. Dabei habe ich mich selbst komplett aus den Augen verloren und mir kaum noch Ruhe gegönnt oder überhaupt irgendetwas, was mir gut tut. Der Stress zeigte sich deutlich an meiner schlechten Haut und dass ich unbewusst immer daran rumkratzte, was mich wieder rum unzufrieden mit meinem Äußeren machte.

Ich liebe meinen Job sehr, auch wenn es hier gerade nicht danach klingt. Aber was ich merke ist, dass er mich genau an den Punkt gebracht hat, das zu realisieren: Ich will es allen recht machen.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Situationen fallen mir auf, in denen ich 'People Pleaser' war/bin, wie Sascha es sagen würde.

Ich bin jetzt auf der Suche nach dem Kern dahinter, welche Angst bewegt mich zu diesen Entscheidungen? Ich bin mir sicher dass es die Angst ist, verlassen zu werden, nicht geliebt und alleine zu sein. Ich muss mich fragen, was das schlimmste ist, was passieren kann, wenn ich jemanden enttäusche? Wenn es ein Klient ist, der mich dann nicht mehr mag – so what? Meine Kollegen erzählen immer wieder mal von solchen Situationen und es ist auch okay Klienten dann abzugeben. Das mitzubekommen hat mich sehr erleichtert, weil ich gesehen habe, wie gelassen sie damit umgehen, auch mal nicht gemocht zu werden.

Sich zu verstellen und zu verbiegen um gemocht zu werden, ist der größte Fehler, den man in dieser Hinsicht machen kann, denn was dann gemocht wird, ist vielleicht deine freundliche Art, deine Hilfsbereitschaft oder deine Geduld, aber nicht dein Wesen, deine ungeschminkte Person. Und was davon ist jedoch bedeutend? Wenn ich glaube, dass ich, so wie ich bin, geliebt bin, unabhängig davon, wie beeindruckend ich mich verhalte, kann ich Menschen wirklich frei begegnen. Und ich bin sicher, dass genau das ihnen am meisten hilft: Begegnungen mit echten, authentischen, nahbaren Personen. Wenn ich mich von der Meinung anderer Menschen abhängig mache, bin ich nicht frei ihnen gegenüber. Ich kann nur wirklich frei sein, wenn ich auf Gott vertraue. Dann kann mir das Urteil anderer über mich wirklich egal sein, weil nur Gottes Urteil wirklich zählt.

Wer das Urteil der Menschen fürchtet, gerät in ihre Abhängigkeit; wer dem HERRN vertraut, ist gelassen und sicher. – Sprüche 29, 25 (Hoffnung für alle)

Seit ich das erkannt habe, bin ich in mehreren Situationen gewesen, in denen ich vorher noch die Fassung verloren und mir Zuhause noch den Kopf zerbrochen hätte und stattdessen konnte ich darüber ehrlich schmunzeln und es mir einfach nicht so zu Herzen nehmen. Klar tut es mir leid, dass der Klient keinen Fernsehempfang mehr hat, seit ich versucht habe den Wackelkontakt zu beseitigen oder dass die gerichtliche Betreuerin, die sonst nichts macht, sauer auf mich ist, dass ich mit dem Sozialamt wegen dem bevorstehenden Umzug eines Klienten in Kontakt getreten bin. Aber es ist ok, es ändert nichts an meinem Wert, meinem Wesen, der Tatsache, dass ich geliebt bin. Und an dieser Tatsache möchte ich alles andere orientieren.

Fragen:
1. Ist dir wichtig, was Menschen von dir halten?
2. Wie gehst du mit negativer Kritik um?
3. Wie wichtig ist dir das Meinung von Menschen, bzw. Gottes Urteil über dich?