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04. Dezember 2017

#18
Das weibliche
Körperbild

von Claire Gonzales

04. Dezember 2017
Lesedauer: 4 Minuten
Von Claire Gonzales


Das weibliche Körperbild

Es wird Zeit, dass ich über ein sehr wichtiges Thema schreibe, mit dem sich so gut wie jede Frau, zumindest in unserem westlichen Kulturkreis, beschäftigt: Das weibliche Körperbild. Eigentlich war es ja klar, dass es in einer Kolumne für Frauen irgendwann aufkommt, dabei habe ich es bewusst erstmal nicht zum Thema gemacht. In den letzten Tagen jedoch, wurde es mir wichtig darüber zu schreiben.

Wer meine Kolumne Nr. 15 gelesen hat, wird sich vielleicht dran erinnern, dass ich geteilt habe, wie nach der Geburt meiner Tochter dieses Thema der Ablehnung des weiblichen Körpers und die vermeintlichen Makel mir nun völlig absurd vorkommen, in Anbetracht der Tatsache, dass wir einen neuen Menschen in uns tragen, hervorbringen und ernähren können!
Natürlich habe ich das nicht immer so gesehen. Schade eigentlich, das ich “natürlich“ schreiben muss. Aber es scheint so zu sein. Natürlich haben Frauen Probleme mit ihrem Körper und ihrem Aussehen. Wie kann das sein, woher kommt diese tiefe Unsicherheit?
Eine meiner liebsten Bibelstellen bewegt mich immer wieder dazu, diese Frage zu stellen.

Du bist es ja auch, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar! Dir war ich nicht verborgen, als ich Gestalt annahm, als ich im Dunkeln erschaffen wurde, kunstvoll gebildet im tiefen Schoß der Erde. Deine Augen sahen mich schon, als mein Leben im Leib meiner Mutter entstand. Alle Tage, die noch kommen sollten, waren in deinem Buch bereits aufgeschrieben, bevor noch einer von ihnen eintraf. – Psalm 139, 13-16

Meine kleine Tochter lächelt jedes mal, wenn sie sich im Spiegel sieht, so als würden genau diese Verse in ihren Gedanken sein. Sie ist mir darin wirklich zum Vorbild geworden. Ich möchte mich auch bestaunen können und mich freuen, wie wundervoll Gott mich geschaffen hat. Geht es euch auch so, dass ihr stattdessen zuerst nur das seht, was euch stört? Wie schade das ist.

Bei mir persönlich ging das in meiner Jugend so weit, dass ich mich komplett ablehnte und auch sehr stark abnahm, doch nie zufrieden war. Die Gründe dafür gingen tiefer als rein äußerliche Unzufriedenheit, worauf ich aber jetzt nicht eingehen werde. Jedenfalls dauerte diese Phase gut 7 Jahre an. Es waren Jahre in denen ich meine Weiblichkeit nicht annehmen konnte, was sich dann auch körperlich äußerte. Selbst meine Tage hatte ich in all diesen Jahren kein einziges mal! Ich wusste, dass das nicht gesund ist und ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass es eines Tages wieder anders sein wird, geschweige denn, dass ich überhaupt fruchtbar sein könnte. Das schien alles meilenweit entfernt, bis ich Sascha kennenlernte und er mich langsam aber sicher auf dem Weg zur Selbstliebe unterstützte.

Um diese lange und umfangreiche Geschichte kurz zu machen: Vor ca. 4 Jahren bekam ich das erste mal seit ich 16 (!) war wieder ganz natürlich meine Tage und glaubt mir, ich weinte vor Freude. Nach all den Jahren mangelnder Energiezufuhr und anderer Maßnahmen hatte mein Körper auf Sparflamme geschaltet. Es war schlichtweg zu viel um fortpflanzungsfähig zu sein. Doch nun hatte er wieder Vertrauen in mich gefasst und traute mir zu stark genug für Nachkommen zu sein. Das war wirklich ein Wunder für mich. Umso größer ist jetzt das Wunder in Form unserer Tochter. Ich halte sie in meinen Armen. Sie ist lebendig und warm. Sie freut sich zu leben und ich weiß, sie ist hier, weil ich gelernt habe, mich liebevoll mit allem zu versorgen, was ich brauche und zugleich meine Weiblichkeit und alles was dazugehört dankend anzunehmen.

Fragen:

1. Was denkst du, wenn du dich im Spiegel siehst?

2. Fühlst du dich wohl in deiner Weiblichkeit?

3. Hast du auch eine Phase der Selbstverachtung in deinem Leben überwunden? Oder steckst du gerade in einer?

(Wenn du dich in dieser Kolumne angesprochen gefühlt hast, fühle dich frei mir zu schreiben.)