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20. November 2017

#17
Identität

von Claire Gonzales

20. November 2017
Lesedauer: 3 Minuten
Von Claire Gonzales


Identität

Identität – dass dieses Wort unterschiedlichste Reaktionen hervorruft erlebe ich immer wieder, wenn ich gefragt werde, was die Tätowierung auf meinem Unterarm bedeutet und ich ihnen mit “Identität“ antworte. Einige reagieren positiv und finden es ein wundervolles, wichtiges Wort und scheinen sich demnach selbst schon viel damit auseinandergesetzt zu haben, was es für sie bedeutet. Manche sind interessiert und fragen ganz viel nach den Beweggründen und meiner Geschichte und teilen eventuell ihre eigene. Das ist besonders spannend, wenn es zum Beispiel bei Mitfahrgelegenheiten oder Couchsurfing Hosts dazu kommt und man sogleich vom üblichen Smalltalk zu einem tiefen, persönlichen und ehrlichen Gespräch kommt. Andere wiederum reagieren verwundert oder gar irritiert und brechen das Thema schnell ab. Das zeigt immer wieder, wie sehr die Frage danach, wer wir sind, uns alle bewegt und zugleich zu tiefster Verunsicherung führen kann, zumal viele die Antwort darauf (noch) nicht gefunden haben.

Ich orientierte mich lange Zeit sehr an meinem Umfeld, um herauszufinden, wer ich bin bzw. sein will. Als Kind war ich extrem schüchtern und beneidete alle, die einfach so in der Gegenwart anderer frei reden und spielen konnten. Unterschiedliche, zum Teil auch extreme, Stil- und Musikrichtungen zogen sich durch meine Jugend, immer angepasst mit wem ich zu der Zeit viel zusammen unterwegs war und wen ich toll fand. Ich wollte so sein wie die beliebten Kids und nahm mir zugleich alles, was über mich gesagt wurde, zu Herzen. Sehr oft bekam ich den Beinamen “die kleine Stille“. Ich identifizierte mich sehr damit und machte mich klein und unscheinbar. Doch innerlich wurmte mich das schon immer, weil es im Grunde nicht die Wahrheit über meine Identität war.

Als mir von unterschiedlichen Personen die ersten Male persönliche, prophetische Eindrücke mitgeteilt wurden, die meist übereinstimmend aussagten, dass ich innerlich enorme Größe besitze und meine Stimme gehört werden wird, reagierte mein Herz immer mit heftigster Zustimmung, obwohl mein Verstand das (noch) nicht glauben konnte. Ich suchte stattdessen immer nach Dingen, die mich besonders machen und von anderen abheben. Eine Sache war meine künstlerische Ader, worauf ein Großteil meines Selbstwertes gebaut war.

Meine Schwester war es, die mich eines Tages mal fragte, wer ich sei, wenn die Kunst nicht mehr da wäre und ich weiß noch, wie schwer mir diese Vorstellung fiel. Mir wurde klar, dass ich mich viel zu sehr mit meinen Leistungen und Talenten identifizierte und im Grunde nicht wusste, wer ich bin.

Was dann begann war eine lange Reise der Selbstfindung, mit der ich noch immer nicht ganz am Ende bin. Doch eine Sache weiß ich: Meine Identität ist und bleibt verwurzelt in der Tatsache, dass ich Kind Gottes bin. Und das ist es auch, was ich denjenigen antworte, die nach den Beweggründen hinter meinem Tattoo fragen.

Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. – 1. Johannes 3, 1

Fragen:

1. Was löst das Wort “Identität“ bei dir aus?

2. Hast du dich bereits mit der Frage auseinandergesetzt, wer du bist?

3. Glaubst du, dass auch du ein Kind Gottes bist? Was bedeutet das für dich?