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06. November 2017

#16
Kind Gottes sein

von Claire Gonzales

06. November 2017
Lesedauer: 4 Minuten
Von Claire Gonzales


Kind Gottes sein

Die größte Wahrheit über mich und meine Identität ist und bleibt, dass ich Kind Gottes bin.
Dahinter steht so viel, denn als Kind Gottes kann ich frei und unbeschwert leben, verspielt und unbesorgt über den morgigen Tag die Welt erkunden und dabei immer wissen, dass ich jederzeit in die liebevollen, sicheren Arme meines Vaters laufen kann, der mich annimmt, unabhängig von meinen Leistungen, meinen Gaben und meinem Aussehen. Dieses Bewusstsein hat in meinem Leben die größte Relevanz und ist zum zentralen Schlüsselpunkt für mich geworden.

Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! – Galater 4, 6

Durch Jesus und seinen Geist können wir also Gott als Vater sehen.
Es war allerdings nicht immer leicht für mich Gottes Vaterherz für mich anzunehmen. Ich glaube, es geht vielen Menschen so, dass sie damit kämpfen, denn wir tendieren nur allzu oft dazu die Erfahrungen mit unserem irdischen Vater über unser Gottesbild zu stülpen. Mir wurde diese Tatsache an einem für mich unvergesslichen Abend vor ungefähr fünf Jahren am anderen Ende der Welt schmerzhaft bewusst, genauer gesagt in Australien. Ich war Mitarbeiterin bei einem Seminar von Ellel zum Thema "Vaterherz Gottes". Am Ende wurde eingeladen diese Vaterliebe zu empfangen und zwar durch Männer, die dort repräsentativ mit offenen Armen und einem warmen Lächeln standen. Ich merkte schon, wie in mir die Tränen und die Sehnsucht aufstiegen diese Liebe für mich zu empfangen, doch ich schob sie hinunter, während ich mir sagte, dass ich ja keine Vaterwunde habe. Mein Vater liebte mich schon immer unermesslich und sowieso kann ich da nicht nach vorne gehen, schließlich bin ich hier Mitarbeiterin. Als dieser Schmerz nicht wegging sondern immer stärker wurde und meine Gedanken sich in die finstere „ich hab das eh nicht verdient“ Richtung gingen, lief ich hinaus in die warme Nacht und schluchzte in der einsamen Stille, bis ich mich selbst beruhigt hatte. Immer noch durch den Wind und verwundert über diese Reaktion meinerseits ging ich in den Speisesaal in dem alle schon am Essen waren. Plötzlich stand der Sprecher des Abends neben mir und fragte, wie es meinem Herzen geht. Da ging es wieder los und ich bekam es irgendwie zu Stande ihm einen Teil dessen zu schildern, was eben passiert. Was er daraufhin tat, veränderte mein Herz für immer. Er nahm mich einfach in den Arm und hielt mich, während er ein Gebet der Heilung und Annahme über mich aussprach. Ich konnte in Gottes Vaterliebe baden und diese berührte mein Herz ganz tief und heilte eine Wunde, die mir bisher nicht bewusst gewesen war.
Wie gesagt, mein Vater hat mich schon immer so sehr geliebt, aber, was die tiefe Wunde in mir bewirkt hatte, war, dass er selbst sehr unsicher war und auf meine Zurückweisung, insbesondere in der Pubertät, mit Rückzug reagierte und immer auf meine Annäherung wartete, um nicht noch mehr von meiner Ablehnung verletzt zu werden. Ich wiederum, konnte diesen Schritt so gut wie nie tun, mir seine Liebe einzufordern.

Also blieb ich mit einer Sehnsucht nach einem Vater zurück, der zu mir kommt, über meine Mauern springt und mich hält, auch wenn ich mich nicht würdig genug fühle. Deshalb konnte ich auch nicht zu diesen Männern gehen und mir von einem von ihnen repräsentativ eine Umarmung von Gottes Vaterherz nehmen, weil dies mit meiner Wunde von damals kollidierte.

Umso mehr Signifikanz bekam die Begegnung mit dem Sprecher an diesem besagten Abend, denn dadurch zeigte mir Gott auf ganz persönliche, unmissverständliche Art und Weise, dass er mit seiner Liebe auf mich zugeht, dass er meine Wunde und meine Angst, unwürdig zu sein, kennt und mir dadurch zeigen konnte, dass er nicht mein irdischer Vater ist und dass er sich nicht zurückhalten lässt durch meine Mauern. Und dass nicht ich immer kommen muss, um mir seine Liebe einzufordern, sondern dass er auf mich zukommt und mich einfach mit seiner Liebe beschenkt.
Nur noch annehmen muss ich es selbst, aber dazu war ich endlich im Stande und kann seither nie wieder behaupten, dass ich keine Begegnung mit dem Vaterherz Gottes hatte, wofür ich für immer dankbar sein werde.

Fragen:

1. Glaubst du, dass Gott ein liebender Vater ist?

2. Kannst du diese Liebe für dich persönlich annehmen?

3. Siehst du Parallelen zwischen den Erfahrungen mit deinem irdischen Vater und deinem Zugang zu Gott?