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15. Mai 2017

#8
Vom Wilden Herzen
des Schöpfers
Teil 1

von Claire Gonzales

15. Mai 2017
Lesedauer: 5 Minuten
Von Claire Gonzales


Vom Wilden Herzen des Schöpfers – Teil 1

Wenn Kinder anfangen ihre Eigenarten zu zeigen, ist der Ausspruch “Du kommst ganz nach deinem Vater/deiner Mutter...“ nicht weit entfernt. Woher kommt diese Neigung, das, was uns ausmacht, auf unsere elterliche Herkunft zurückzuführen? Die Antwort liegt natürlich nahe: Sie sind ein Teil von uns, sowie wir ein Teil von ihnen sind.
Übertragen auf Gott, unseren Schöpfer und himmlischen Vater ist das ein wunderschönes Bild. In jedem von uns steckt auch ein Teil seines Herzens, seiner Leidenschaft, seiner Liebe. Egal, ob Mann oder Frau, Gott kann sich in jedem Menschen offenbaren. Dass Gott fast ausschließlich mit dem männlichen Geschlecht assoziiert wird, hat zu einem vermeintlichen Abstand zu uns Frauen geführt. Doch dass Gott kein Geschlecht im menschlichen Sinne hat, sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Ja, in der Bibel ist, wenn Gott der Vater spricht und handelt, von “Ihm“ die Rede. Und Jesus, auch ein Mann, spricht immer wieder von seinem Vater im Himmel. Wo soll da die weibliche Seite Gottes zu finden sein?

In den letzen Jahren, in denen das Thema “gender equality“ immer mehr in den Vordergrund rückt, wird auch dieses patriarchalische Bild von Gott immer häufiger hinterfragt. In dem, meiner Meinung nach, großartigen Buch “Die Hütte“ von William Paul Young, taucht Papa Gott zur Überraschung des Protagonisten als afroamerikanische Frau auf. Viele religiöse, kritische Stimmen verurteilten dies scharf. Dabei erklärt Papa ihr Auftreten in dieser Form ganz einfach damit, dass sie Mack, den Protagonisten, eben in seiner religiös geprägten Engstirnigkeit vor den Kopf stoßen wollte und eben nicht als alter Mann mit langem, grauen Bart aufzutauchen gedachte. Ebenso macht sie ganz klar, dass sie stattdessen nicht einfach eine Frau ist und das männliche Gottesbild nur für verbohrte Übriggebliebene der Patriarchalgesellschaft bleibt, sondern, dass Gott selbst, vielmehr frei von unseren menschlichen Geschlechterbildern existiert. Später im Buch taucht Gott dann als Vater auf, weil Mack zu dem Zeitpunkt wieder einen Vater annehmen kann und seine ganz besondere Unterstützung braucht.

Gott kreierte Mann und Frau in seinem Abbild und ist viel wilder und freier als wir es oft vermuten. Durch die Jahreslosung 2016 stand die mütterliche Seite Gottes wieder mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit, was in dem weltweit turbulenten Jahr auch nötig war.

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. – Jesaja 66, 13

Was ich daran so schön finde und wichtig zu bemerken ist, ist dass Gott sich uns verständlich machen möchte, nahbar, greifbar. Wie so oft in der Bibel beschreibt er sich mit Vergleichen, die jeder aus seinem Leben mehr oder weniger kennt und macht daher die übernatürlichen Realitäten seiner Existenz für uns Menschen verständlicher.
Wie bereits erwähnt, ist in der Bibel dennoch das männliche Gottesbild als Vater und als Sohn vorherrschend, womöglich weil sich die Menschheit über Generationen und Jahrhunderte hinweg nach einer Vaterfigur sehnte und sehnen wird. Bis heute sind es weit häufiger Väter, die in den Familien aus vielen Gründen fehlen. Die Bindung zwischen Müttern und ihren Kindern ist natülicherweise sehr tief und beginnt bereits in der Schwangerschaft. Doch die väterliche Bindung ist nicht weniger wichtig für das Kind und liegt im Grunde bei der Entscheidung des Vaters sich dem Kind zuzuwenden, es zu sehen, lieben, ermahnen, halten, stärken, lehren.

Der letzte Vers des alten Testamentes hat mich schon immer sehr bewegt.

Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage. – Maleachi 3, 24

Es mag fast wie eine Drohung klingen, aber im Grude sehe ich darin eine Verheißung, die sich im neuen Testament durch Jesus und seine Nähe zum Vater erfüllen wird. Die Versöhnung von Vätern und Kindern wird durch die tiefe Liebe zwischen Jesus und seinem himmlischen Vater ermöglicht und sogar dringendst benötigt.

Doch nun zum Heiligen Geist. Oft zu unrecht ausgelassen, womöglich auf Grund der Unfassbarkeit dieses Wesens. Doch dabei ist der Heilige Geist nicht weniger ein Teil Gottes, wie der klassische Vater Gott und der Sohn Jesus. Der, in der deutschen Sprache, männliche Artikel vor dem Wort Geist lässt vermuten, dass auch dieser Teil als männliche Instanz dargestellt wird. Jedoch ist in den hebräischen Texten des Alten Testamentes der Geist Gottes ganz klar weiblich dargestellt.
Im Hebräischen gibt es zwei verschiedene Verbformen, eine für männliche Handelnde und eine für weibliche. Immer dann, wenn der heilige Geist im alten Testament handelt, wird die weibliche Form verwendet. Das beginnt schon beim Schweben über dem Wasser, noch bevor die Schöpfung richtig in Gang gekommen war. Der Heilige Geist ist mystisch, kreativ, wild, frei, unterstützend, nährend, zärtlich, dynamisch, aufmerksam, emotional, weise.. . Diese Liste könnte man ewig fortsetzen. Aber was ich so spannend finde ist, dass diese Eigenschaften Teil einer jeden Frau sind, geschaffen im Ebenbild Gottes. Auch wenn es tief in uns verschüttet ist, existiert es dennoch, und durch die Beziehung zu Gott, dem Vater und Jesus und eben auch zum heiligen Geist, können wir diese unzähmbare, spannende Seite kennenlernen. Nicht nur von Gott, sondern auch von uns selbst. In seinem Licht können wir werden, wer wir wirklich sind.

Fragen:

1. Wie würdest du Gott beschreiben?

2. Erkennst du in deinem Leben Lücken, die Gott ausfüllen möchte?

3. Wie offenbart sich Gott in dir?