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30. Januar 2019

#89
Wissen und Erfahrung

von Sascha Gonzales

30. Januar 2019
Lesedauer: 4 Minuten
Von Sascha Gonzales


Wissen und Erfahrung

In letzter Zeit begegnet mir immer wieder der Konflikt zwischen dem Wissen auf der einen Seite und der (eigenen) Erfahrung auf der anderen. Meistens, wenn nicht sogar immer, drehen sich diese Gespräche und Begegnungen um das Thema des Glaubens und der Gemeinde.
Ich persönlich bin ein starker Verfechter der Meinung, dass Gott nahbar und erlebbar ist und sich jedem, der ihn sucht, auch offenbart. Ich habe es noch nie erlebt, dass Gott nicht zu mir gesprochen hat, wenn ich wirklich mit vollem Herzen und Bewusstsein danach gesucht und Ausschau gehalten habe. Meine Begegnungen und Erfahrungen mit Gott sind – und ich lehne mich jetzt mal kurz aus dem Fenster – zu 100% persönlich und in einer engen Beziehung mit ihm.

Wie kommt es nun, dass wir Menschen 'Wissen' so hoch erachten und oftmals die (eigene) 'Erfahrung' vernachlässigen? Ich habe letztens in einem, wie ich finde, sehr gutem Buch eine Passage gelesen, die ich hier mit euch teilen möchte:

"Es ist lächerlich einem Menschen zuzuhören, der über die Wiedergeburt spricht, ohne selbst wiedergeboren zu sein. [..] Dennoch hat die Theologie ohne Erfahrung in der heutigen Gemeinde wesentlich mehr Schaden angerichtet. Die Pharisäer waren für Theorien bekannt, die keine Auswirkungen auf ihr Leben hatten." – Bill Johnson aus "Gott ist gut", Seite 36-37

Es ist nichts Neues, dass Menschen die Theologie – somit das Wissen über Gott – höher hängen als die eigene Erfahrung.
Einer der Gründe, warum dies so eintritt, ist meiner Meinung nach, die eigene Kontrollwut und Unsicherheit.
Wissen erlaubt mir die Kontrolle zu behalten. Gott lässt sich berechenbar einordnen und vor allem verstehen – aber Gott ist nicht zu verstehen und vor allem nicht berechenbar. Und genau diese Eigenschaften gefallen den meisten Menschen nicht, weil sie somit keine Kontrolle darüber ausüben können. Es ist die Angst in ihnen, die sie dazu bringt, dass sie ihre Kontrolle nicht abgeben können. So wie die Pharisäer sich durch Wissen und religiöse, gesetzliche Lehre über andere erhaben fühlten, so nutzen oft Menschen ihr Wissen und ihren Intellekt um falsche Sicherheit zu 'gewinnen'.

Aber Sascha, warum erzählst du uns das? Als ich Anfang 20 war, war ich genau so ein Mensch. Ich wollte überlegen sein, hatte aber keinerlei Interesse an Erfahrungen. Mein Verstand und mein Intellekt sollten mir dazu dienen, erhaben zu wirken und ich machte damit andere um mich herum kleiner. Ich demütigte Menschen, kontrollierte und manipulierte sie, verletzte sie und schloss unbewusst, sowie bewusst, Menschen aus meinem Leben aus, die nicht hinein passten und sich nicht von mir kleinmachen ließen. Und das alles getrieben durch meine Angst und die daraus folgende Unsicherheit.
Erst als ich Gott erlaubte, sich meiner anzunehmen und ich ihn wirklich mit eigenen 'Augen' erkennen durfte; als ich eine ehrliche, persönliche und intime Beziehung mit ihm einging, erst da wurde ich nicht nur von meiner Unsicherheit, sondern auch von meiner 'Sucht' nach Kontrolle befreit.

'Wissen' und ebenfalls unser Verstand sind wunderbare Werkzeuge, aber ohne die (eigene) Erfahrung zu suchen, ist das Werkzeug unnütz. Du kannst kein Buch darüber lesen, wie man nachfolgt und Jesus ähnlicher wird und dann erwarten, dass du es voll drauf hast, ohne wirklich persönlich die Erfahrung und die Begegnung mit Ihm gemacht zu haben – ohne dass du anfängst, den Weg zu gehen. Du wirst einzig mit deinem Intellekt nicht das Ewige Leben finden. Du wirst mit bloßem Wissen alleine nicht wiedergeboren. Dein Lippenbekenntnis für Jesus, ist nichts weiter als Schall und Rauch, wenn du nicht wirklich aus ganzem Herzen meinst, was du dort sagst, weil du erkennst und aus eigener Erfahrung weißt, wer Jesus war, ist und bleibt. Wahre Erkenntnis, eine enge Beziehung zu Jesus Christus und das aktive Gehen des Weges (Einleuten des Prozesses) machen deinen Glauben lebendig und fruchtbar.
'Wissen' hilft dir nur auf deinem Weg, wenn du den Weg schon gehst.