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06. Mai 2020

#143
Die niemals aufgebende, kämpfende, leidenschaftliche und treue Natur meines Schöpfers

von Sascha Gonzales

06. Mai 2020
Lesedauer: 4 Minuten
Von Sascha Gonzales


Die niemals aufgebende, kämpfende, leidenschaftliche und treue Natur meines Schöpfers

Schön euch heute an diesem Mittwoch wieder schreiben zu dürfen. Ich habe die letzten Tage, ja, gar Wochen damit verbracht, von Gott beeindruckt zu sein. Zu merken, dass er lebt und auch heute noch genau so mächtig und herrlich wirkt, wie wir es in der Bibel lesen können.

Eine Erinnerungen, die mir dies immer wieder ins Bewusstsein ruft, ist meine allererste Freundin. Ohne ins Detail gehen zu wollen, rettete sie mir, glaube ich, ohne es zu ahnen, mit Gottes führender Hand das Leben.
Zu jener Zeit spielte ich beinahe den gesamten Tag World of Warcraft, hatte kaum bis gar keine Freunde, und hätte ich mich selbst reflektiert, wäre ich sicherlich zu dem Entschluss gekommen: Hier ist nichts mehr zu holen.

Ich war gerade vom Gymnasium geflogen und durfte mich in der AG Woche auf der Realschule wiederfinden. Und dort saß sie. Am ersten Tag bewunderte ich sie. Sie schien so zerbrechlich, wirkte ebenfalls verloren und unsicher und war trotzdem die schönste Person im Raum. Alles an ihr faszinierte mein 16-jähriges, Akne-geplagtes Ich. Den Jungen, der doch einfach nur angenommen werden wollte und nicht einmal das zu jener Zeit wusste.

Die Woche plätscherte dahin und ich war seit ewiger Zeit jeden Morgen motiviert in die Schule zu gehen, um sie zu sehen. So kam der Freitag und ich wusste, ich werde sie nicht ansprechen. Die Scham und Scheu war viel zu groß, viel zu überwältigend und ich fühlte mich wertlos im Vergleich zu ihr. So endete die AG Woche freitags um 13 Uhr, ich verabschiedete mich von meinen Klassenkameraden und machte mich zu Fuß auf den Heimweg.

Nach einigen Minuten bemerkte ich ein Mädchen vor mir gehen. Sie war etwa 100 Meter vor mir. Ihre Art zu gehen und ihre Ausstrahlung kamen mir bekannt vor und zu meiner Überraschung stellte ich nach kurzer Zeit fest: Es ist SIE und SIE geht den exakt gleichen Heimweg wie ich.
Ich bemühte mich ein wenig aufzuholen, immer noch ohne jeglichen Mut sie anzusprechen.
Bis auf die kurzen, flüchtigen Blicke und ein unpersönliches, eher desinteressiertes "Hallo im Klassenraum, waren wir uns fremd. Ich ging also weiter und dann sah ich sie durch ein kleines, hölzernes Tor gehen – in ein Haus am Ende meiner Straße.

Ich konnte es nicht fassen und war völlig baff: "Sie wohnt in meiner Straße.. – no way?!". Ich ging nach Hause, aß Mittag und verabschiedete mich in mein Zimmer. Aber ich spielte an diesem Nachmittag keine Computerspiele, schaute nicht Fern und lenkte mich nicht ab.. ich dachte nach.

Der Gedanken zu ihr hinüber zu gehen und sie kennenzulernen war zuerst überwältigend und schien unüberwindbar, doch nach einigen Minuten wich diese Angst immer mehr von mir. Ich weiß bis heute nicht, wie ich mich überwinden konnte, bei ihr zu klingeln und sie zu fragen, ob sie mit mir Spazierengehen würde. Ehrlich, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass sie tatsächlich "Ja" sagte und wir ein Paar wurden.
Es hielt zwar nur knappe 4 Monate und die Schuld dafür liegt zu 100 Prozent bei mir und meiner Unsicherheit, aber dieses Ereignis belebte etwas in mir, was lange tot war. Und es war bis heute der einschneidendste Wendepunkt meines Lebens.

Ich bin mir sicher, dass Gott seine Hände im Spiel hatte. Es war der Start eines anderen Lebens. Es war der Start eines Veränderungsprozesses, der noch Jahre, ja, beinahe ein Jahrzehnt brauchen sollte, bevor ich dann schlussendlich in SEINEN Armen lag und neu geboren war.
Meine Dankbarkeit für SEINE Rettung zu jener Zeit ist und bleibt tief in meinem Leben verankert und ich denke mir Freude und Erfüllung an diese Zeit zurück und bete, dass auch dieses Mädchen, meine erste Freundin, die Liebe und die niemals aufgebende, kämpfende, leidenschaftliche und treue Natur meines und ihres Schöpfers kennenlernen wird. Und vielleicht, ja, vielleicht, darf ich mich eines Tages bei ihr revanchieren und ihren Prozess starten.