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19. Februar 2020

#137
Kein einsamer Baum mehr

von Sascha Gonzales

19. Februar 2020
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Kein einsamer Baum mehr

Schon seit Anbeginn dieses Projektes stelle ich mir die Frage: Warum gab mir Gott diesen Namen? Warum blieb gerade so ein komplizierter, ausgefallener Name, der auf den ersten Blick nichts mit Jesus oder meinem christlichen Glauben zu tun hat, über mehrere Jahre in meinen Gedanken?

Es ist bereits einige Wochen her – es war spät geworden und ich saß noch am Schreibtisch, hörte einen Podcast und arbeitete an irgendeiner Grafik für eine Kolumne. Meine Augen wurden müde und ich beschloss ins Bett zu gehen, doch ich konnte nicht einschlafen. Ich musste die ganze Zeit an Raphael denken.
Ja, das mag jetzt wirklich komisch klingen, aber so war es. Raphael ist einer der intensivsten Menschen, die ich kenne. Er ist gar nicht besonders laut oder auffallend – eher das Gegenteil. Aber seine Ruhe und fühlbare Besonnenheit, sein Intellekt und seine Demut erfassen mich wirklich jedes Mal, wenn ich mich mit ihm unterhalte oder ihn auch nur kurz sehe.

Meine Gedanken kreisten sich in dieser Nacht aber nicht um ihn als Person, sondern um eine wichtige, große Frage, die ich mir seit mittlerweile 2 Jahren stelle. Ich fragte mich, was Raphael wohl davon halten würde. Und so stellte ich mir vor, wie ich ein Gespräch mit ihm hätte und er mir den nötigen Denkanstoß gäbe, den ich dringend brauchte.

Im gleichen Zusammenhang kam aus dem Nichts eine Erkenntnis zu der Frage, die ich bereits am Anfang dieses Beitrags geschildert habe: Warum gab mir Gott diesen Namen für diese Organisation?
Plötzlich schien es ganz logisch; die Antwort war einfach da. Als wäre sie immer da gewesen. Einfach so, verbunden mit Raphaels Stimme der Weisheit in meinem Kopf. "DU warst der einsame Baum und hast nun gelernt, dass du es nicht mehr bist und nicht mehr sein sollst.".

Als ich Anfang 2017 mit keineinsamerbaum anfing, war es für mich eine unglaubliche Überwindung, meinen Glauben an Jesus Christus öffentlich zu machen. Diese Hürde wirkt so riesig, so surreal. Ich traute mich kaum, Beiträge auf Facebook zu posten – aus Angst, meine alten Freunde, mit denen ich seit mehreren Jahren nicht gesprochen hatte, könnten irgendwie komisch von mir denken.
Im Jetzt wirken diese Gedanken so lächerlich und peinlich, aber doch hatte ich genau diese Vorstellungen. Es waren die Reaktionen, die ich erwartete und nichts davon wurde wahr. Und selbst wenn es in den letzten Jahren ab und an fragende und zweifelnde Kommentare gab, waren diese doch nie lauter als das Knistern des Feuers für Jesus in meinem Herzen.
Und so lernte ich, meinen Glauben offen und ehrlich zu leben und zu teilen. Doch diese Lektion war es nicht, die Gott mir durch diese Arbeit schenken wollte. Es war das Erkennen, dass es einen Leib, bestehend aus verschiedenen Gliedern, braucht – ein Team, welches Gott mir über die vergangenen drei Jahre an die Seite stellte. Nicht mehr alles selbst machen zu wollen. Die Erkenntnis, dass nicht ich alles ausfüllen soll und kann, sondern andere ihren Teil und ihre Gaben dazugeben, damit es wirklich gut wird.

Dieser Gedanke, diese Erkenntnis war es, die mich wach hielt. Noch bis weit in die Nacht, denn ich bin keineinsamerbaum mehr, sondern umgeben von anderen Bäumen. Ein Leib, ein Wald.