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08. Januar 2020

#131
Dreißig

von Sascha Gonzales

08. Januar 2020
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Dreißig

Was soll ich sagen? Ich bin dreißig. Immer wenn das neue Jahr sich mit Raketen und Böllern einläutet, schlägt auch für mich ein neues Lebensjahr an.

In den vergangenen Jahren, auf dem immer näher kommenden Weg zur so aufgebauschten Zahl 30, kamen mir mehr und mehr die Gedanken daran, wer (und was) ich in diesem so glorreichen Moment sein möchte.
Und zugegeben, wenn ich zurück auf die Ideen blicke, die ich mit – sagen wir – 26 von mir mit 30 hatte, sind es nicht viele Übereinstimmungen. Nicht einmal vor 4 Jahren konnte ich mir vorstellen, wer (und was) ich mit 30 sein würde.

Als ich Ende 2016 (also mit 26) endgültig meine professionelle Musikkarriere und meine damit verbundenen Vorstellungen an den Nagel hing, durchlebte ich genau das, was viele mit 30 beschreiben: Ein Loch und viele, überwältigende Fragen. "Was mache ich nun?""Wo soll das hinführen?"
"Wer bin ich eigentlich?" – "Bin ich genug?".
Ich stellte mir lange Zeit vor, dass ich bis ins höchste Alter noch auf Bühnen stehen werde, meine Zeit mit Songwriting und Kreativität verbringen würde. Und nun, nur 4 Jahre später fühlt sich dieser Gedanke, und diese damals wirklich realistische Vorstellung, irgendwie blöde an. Sehr weit weg und utopisch.

Aber dieses Loch, welches viele erwarten oder vielleicht sogar erleben, ist für mich keine Realität. Ich merke zwar den Unterschied – ob man es glaubt oder nicht – aber ich fühle mich sehr gut mit mir und sehr wohl in meiner Identität, auf meinem Weg und mit meinem Gott.

Noch vor knapp 14 Jahren, mit 16, hätte ich das nie für möglich gehalten. Ich habe mich, meine Person und meine Entscheidungen gehasst und abgelehnt. Alles, worüber ich von anderen definiert wurde, war ungenügend. Meine Schulnoten, mein Aussehen, mein Verhalten, meine Interessen. All das war nicht genug für die Gesellschaft und die Menschen in meinem Umfeld – jedenfalls fühlte es sich so an.
Und nun, nach all diesen Jahren kann ich wirklich sagen: Ich liebe mich. Meine große Nase, meine unperfekte Haut, meine undefinierten Muskeln, meine oftmals müden Augen, meine teilweise raue, aufrüttelnde Art, meine permanentes Nachdenken, meine Über-analysieren, meine soziale Schwäche, meine überwältigende Leidenschaft, meine Standhaftigkeit, meinen Glauben, mein Vertrauen, meine Zuversicht, meine Begeisterungsfähigkeit, und ja, wirklich alle meine anderen Fehler und Schwächen.

Und das ist meine Erkenntnis des Dreißig-werdens. Für diesen vermeintlichen Meilenstein im Leben eines jeden Menschen: Ich liebe mich und nehme mich an. Und der Weg dahin waren viele Jahre der Aufarbeitung, des Leids, des Suchens, des Gefunden-werdens und Scheiterns. Und am Ende.. da war und ist es Jesus, der mich genau hier hin gebracht hat und für den ich weiterhin meine Jahre und meine Leidenschaft geben möchte, für den ich weiterhin leben und lieben will. Auf die nächsten 30.