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27. November 2019

#128
Die Geburt, der Esel und das Kreuz

von Sascha Gonzales

27. November 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Die Geburt, der Esel und das Kreuz

Ich hatte euch vor einigen Wochen über die Wärmestube der Stadtmission berichtet. Marie und ich waren dort zur Andacht eingeladen worden, ein kleiner geistlicher Input mit anschließendem Gebet.
Wie es sich nun ergeben hat, darf ich am 4. Dezember das erste Mal die Andacht leiten und mir brennt immer noch die Frage dieser Frau im Kopf.

Sie zündet jeden Tag in der Kapelle des benachbarten Elisabeth Krankenhauses eine Kerze für ihren verstorbenen Freund und sich an, betet zu Gott für Heilung und.. augenscheinlich passiert nichts. Ich weiß nicht genau, was ihre Krankheit ist, allerdings stellte sie mir die Frage, warum Gott denn nichts macht? Und darauf habe ich keine Antwort.. aber ich habe einige Gedanken.

Einer der Gründe, warum ich Jesus so sehr liebe, ist, dass er beinahe nie die Erwartungen der Menschen erfüllt. Das wird schon zu seiner Geburt, die wir bald feiern dürfen, ganz deutlich: Der Messias wird in einer Krippe, in einem Stall geboren. Der König, der Retter, der 'Held der Geschichte' kommt in Armut und Elend zur Welt.
Und genau dieser König reitet auf einem Esel, ohne Prunk und Reichtum, in Jerusalem ein und wird später genau dort wie ein gewöhnlicher Verbrecher am Kreuz hingerichtet. Das hatte wohl niemand vom Messias erwartet. Menschen, und da schließe ich mich zu 100 Prozent mit ein, haben Erwartungen an alles mögliche. An ihre Partner, an Freunde, an DHL und ja, auch an Gebete. "Gott ist kein Wunschautomat" war einer der ersten Sätze, der sich bei mir als frischer Christ eingeprägt hatte und genau das hat sich im Laufe der Jahre immer und immer wieder bestätigt. Nicht nur, als ich tiefer in die Bibel eintauchte und die Geschichten und Zeugnisse kennenlernte, sondern auch in meinem eigenen Leben. Ich wurde immer und immer wieder enttäuscht und hielt das nur sehr selten für einen Triumph. Und genau so ging es dem Volk zur Zeit Jesu mit ihrem Messias.
Er predigte nicht, was sie hören wollten. Er tat nicht, was sie sehen wollten. Er starb nicht, wie er in ihren Augen hätte sterben sollen und ja, er wurde nicht einmal so geboren, wie sie es von ihm wollten. Er heilte Menschen am Sabbath, sagte das Gesetz sei in der Liebe zueinander erfüllt und legte sich mit den Gewohnheiten und Obrigkeiten der Gesellschaft an. Kurzum: Er macht es so, wie es genau richtig war.

Zurück zu dieser Frau. Ich glaube, die Antwort auf ihre Gebete ist eine Antwort, die sie nicht hören will und die sie nicht von anderen bekommen wird: Buße. Wir täuschen uns, wenn wir denken, dass Buße ein 'alter Schuh' ist. Buße ist der wichtigste Schritt zur Wiederherstellung. Wir erkennen an, dass wir falsch lagen, getäuscht und auf dem Irrweg waren. Wir bekennen, dass unsere Entscheidungen bis dato im Leben nicht zu unserem Besten dienten und nicht Jesus verherrlichen. Und ich glaube, genau das ist die Antwort auf viele dieser Fragen: "Warum tut Gott nichts?""Warum kehrst du nicht um?"

Ich werde nicht darüber sprechen, das habe ich versprochen. Aber ich werde über ENTtäuschung predigen. Über die Geburt, den Esel und das Kreuz. Und beten, dass es Gott ist, der über die Buße spricht.