Menü

30. Oktober 2019

#124
Emotionsgeladen

von Sascha Gonzales

30. Oktober 2019
Lesedauer: 4 Minuten
Von Sascha Gonzales


Emotionsgeladen

Zu allererst möchte ich eines festhalten: Emotionen sind von Gott und wir lernen ja in seinem Wort..

Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut [..] – 1. Timotheus 4, 4 (Lutherbibel)

Nun, wo wir das aus dem Weg geräumt haben, möchte ich mich heute der Überemotionalisierung unserer Welt widmen – und mich auch gleich selbst mit in die Kritik nehmen.

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Wenn mich etwas begeistert oder ich z.B. mit anderen Volleyball spiele, dann bin ich bin voll dabei! Und mit 'voll' meine ich, VOLL dabei. Ich schreie rum, feuere meine Mannschaft an, fordere High-Fives ein, animiere zu mehr Engagement, necke den Gegner gekonnt mit 'witzigen' Sprüche, die manchmal auch gemein werden können. Kurzum: Ich bin sehr emotionsgeladen, gerate dadurch ab und zu außer Kontrolle und bin sehr leicht dafür empfänglich, mich von Emotionen leiten zu lassen. Und damit passe ich wie die Faust auf's Auge in diese heutige Zeit, die uns von Emotion zu Emotion schicken möchte, damit wir die Geschichte und das vielleicht dazugehörige Produkt möglichst schnell und oft konsumieren. Sei es ein neues Album, ein neuer Film, ein Getränk oder tatsächlich manchmal auch die neue Predigt auf YouTube..

Wir werden an jeder Ecke dazu aufgefordert, mitzufühlen und zu konsumieren, was verkauft wird. Und viele Gemeinden dieser Welt machen da scheinbar bei Jesus keinen Halt. Das Licht, die Musik, die Deko, hervorgehobener Individualismus, Raum für Selbstverwirklichung, inszenierte Predigten, gestylte Social Media Beiträge und so weiter und so fort. Und auch wir hier bei keineinsamerbaum sind nicht frei von Emotionen und auch nicht frei von Marketing. Und das müssen wir, und auch die Gemeinde der Zukunft nicht sein. Aber Sascha, das was du gerade beschrieben hast, ist doch nicht wirklich positiv oder?

Wie viele von euch sicher wissen, Emotionen kommen und gehen wie der Wind. Sie haben kaum Beständigkeit, weswegen es uns in der Bibel auch nicht geraten wird, ihnen zu folgen, sondern dem, der immer der Gleiche ist: Gestern, heute und morgen – Gott. Aber warum?

Emotionen sind nicht nur kurzlebig, sondern manchmal auch irreführend. Wie viele Menschen denken, sie hätten eine Gottesbegegnung nur dann, wenn sie es fühlen? Gott sei nur da, wenn sie es spüren? Aber das stimmt nicht. Genau so wenig, sind wir nur von Gott geliebt, wenn wir es merken. Emotionen sind meistens an Bedingungen geknüpft – Gottes Liebe nicht. Sie ist bedingungslos und beständig. Ich vermute manchmal fast, viele Christen kennen Gott gar nicht richtig, sondern nur den emotionalen Schein, der uns allen gezielt verkauft wird.
Mir ist es wichtig, zu erwähnen, dass ich denke, dass die Gemeinden dies nicht mit böser Absicht tun, aber sich über die Gefahren und ihren Anteil daran nicht bewusst sind. Es ist schön, wenn Menschen gerne kommen und gerne bleiben. Und es ist noch schöner, wenn Menschen sich wohl fühlen und engagieren und Leidenschaft mitbringen. Und wir Menschen lieben eben den Konsum und das Entertainment – und da geht es mir gar nicht anders! Wir müssen uns allerdings trotzdem darüber im Klaren sein, dass es um Gott geht und die eben genannten Sachen durch Ihn kommen sollten.

Zurück zum Start: Emotionen sind nicht schlecht. Sie kommen direkt von Gott würde ich sogar behaupten. Wir sollen sie fühlen, spüren, ja gar gebrauchen. Aber sie sollen uns nicht kontrollieren und manipulieren.
Auch ich bin, und das habe ich ja schon erwähnt, sehr oft, sehr stark von meinen Emotionen geleitet und ich möchte doch so viel lieber von meinem Glauben geleitet sein. Mein Glaube an Jesus ist nicht abhängig von meiner Stimmung, meinem Gefühl oder meiner Wahrnehmung. Die Wahrheit ist..

Laßt uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. – 1. Johannes 4, 19 (Lutherbibel)

Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. – Matthäus 7, 8 (Lutherbibel)

In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade [..] – Epheser 1, 7 (Lutherbibel)

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. – Psalm 139, 14 (Lutherbibel)

Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. – Römer 8, 16 (Lutherbibel)

All das und noch viel mehr kann ich gerne mal vergessen, wenn ich mich auf mein Gefühl verlasse. Wie oft fühlte ich mich früher ungeliebt, verlassen und vergessen. Aber all das bin ich nicht und war es auch nie. Ich plädiere dafür, dass wir unsere Gute Nachricht, die wir von Gott bekommen haben, nicht unter einem Haufen von Emotionen verbuddeln, nur weil es so einfach ist. Gott braucht nicht unbedingt perfekten Lobpreis, Gott braucht nicht unbedingt perfektes Licht, er braucht in erster Linie dich und mich – mit unseren Schwächen, Makeln und Fehlern. Ja, ich würde sogar behaupten, er gebraucht unsere Sünden zum Besten für uns, wenn wir ihn lassen! Und wenn du es auf dem Herzen hast, dass es in deiner Gemeinde schön aussieht und gut klingt, dann tu das zu Gottes Wohlgefallen, aber nicht als Marketing Strategie..