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25. September 2019

#119
Selbst in der Hand?

von Sascha Gonzales

25. September 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Selbst in der Hand?

Ich hab mich letztens im Spiegel angeschaut und gedacht "Warum habe ich eigentlich einen Bart? Niemand zwingt mich einen zu tragen? Ich könnte ihn mir abrasieren und das würde komisch aussehen." – diese Freiheit habe ich. Ich hab mein Leben selbst in der Hand.....
Das mag vielleicht banal klingen, aber ich habe das noch nie so deutlich gespürt, wie in diesem einen Moment vor dem Spiegel. Ich sah meine Haut im Gesicht, die Falten, die eine Geschichte erzählen. Meine Frisur, meine müden Augen, meine Brille, mein Blick – das alles habe ich doch in der Hand, oder nicht?

Ich frage mich manchmal, ob auch die kleinen Entscheidungen, also z.B. die Form meiner Brille, viel mehr Einfluss in meinem Leben haben als ich vielleicht denke.. Was würden Menschen von mir halten, wenn meine Brille eckig und schwarz wäre? Wie würden sie mit mir umgehen, wenn ich lange Haare hätte und bunte Klamotten trüge? Wie wäre es, wenn ich erst gar keine Brille tragen würde?! Kontaktlinsen? Wäre ich dann beliebter? Erfolgreicher? Gar ein anderer Mensch?

Es fühlt sich für mich so an, als wäre ein meines eigenen Glückes Schmied.. aber das glaube ich nicht – ganz und gar nicht. Ich glaube, dass Gott mein Leben und meine Entscheidungen in der Hand hält. So paradox das auch klingen mag, ich glaube an die Freiheit, die Gott uns gegeben hat. Ich glaube fest, an den freien Willen, der mich im Endeffekt auch dazu befähigt, auszusehen, wie ich aussehe. Zu tun, was ich tue. Und trotzdem kommt es mir so vor, als gäbe es eine führende Hand auf diesen Dingen.

Genauso verwirrt, wie diese Kolumne erscheinen mag, so verwirrt bin ich über diese paradoxe Situation. Und ich bin mir sicher, dass wir alle irgendwo unsere Fragen haben, auf die wir keine Antwort finden, weil sie über unseren Verstand hinaus geht. Und ich bin überaus dankbar dafür, dass ich auch diese Frage nicht verstehen muss (– vielleicht sogar gar nicht verstehen soll).
Gott steht über meiner Verwirrtheit und ich erkenne, dass ich mein Leben in der Hand habe. Und ich erkenne, dass vieles von meinen Entscheidungen abhängt. Nicht nur für mich, sondern auch für andere.. Und ich erkenne eben auch, dass alles irgendwie gelenkt ist. (Oder?)

Ich weiß, du hältst mein Leben in deiner Hand, Gott. Und ich bin froh darüber und fühle mich gesegnet.