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07. August 2019

#112
Etwas aus dem alten Leben

von Sascha Gonzales

07. August 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Etwas aus dem alten Leben

Viele von euch mögen es nicht wissen, aber ich bin nicht als 'aktiver' Christ aufgewachsen. Wir sind sonntags des Öfteren in die Kirche gegangen, ich bin konfirmiert, getauft und auch immer noch Mitglied der Landeskirche –– aber all das hatte für mich nie wirklich einen spirituellen Hintergrund. "Man macht das halt so." dort wo ich herkomme.
Seit ich 2014 anfing mich mit Jesus anzufreunden und ihn näher kennenzulernen, erkenne ich nach und nach die wahre Bedeutung von Nachfolge und vom 'Christ-sein'. Mir wäre es früher nie in den Sinn gekommen, dass man für andere Menschen beten können; dass man eine echte Beziehung mit Gott haben oder ein völlig veränderter Mensch sein könnte –– alles nur aus Gnade und Hingabe. Aus der Liebe Gottes zu uns.

Ich lebte mein Leben wie die meisten Menschen: Normal. Ich musste mit 15 vom Gymnasium auf die Realschule, weil ich unglaublich uninteressiert und faul war und 12 Stunden am Tag World of Warcraft spielte. Dort auf der Realschule schaffte ich gerade so den erweiterten Abschluss, weil ich ebenfalls keinerlei Lust verspürte gut zu sein, und so ging auf die Fachoberschule, nur um festzustellen, dass es mich irgendwie doch interessiert. Dann war ich ganz gut und konnte wieder auf's richtige Gymnasium, um mein Abi zu machen. Vollkommen darin aufgehend, immer in allem der Beste sein zu wollen, hatte ich das beste Abi der Schule und machte damit.... gar nichts – jedenfalls in den Augen meiner Oma! Ich lernte Gitarre spielen, schrieb Songs, konnte irgendwie ganz gut singen und ging auf Tour, nahm Alben auf und verbrachte all meine Zeit damit, Karriere zu machen. Alles zwischendrin gefüllt mit Beziehungen zu Frauen, die aufgrund meiner Arroganz und Unreife nicht funktionierten, und jeder Menge Alkohol. Wir gingen jeden Freitag in Uelzen in eine Bar und betranken uns bis in die Morgenstunden..
Und ihr werdet es kaum glauben: Ich hatte damals einen Haufen Freunde. Und jetzt? Beinahe keinen mehr.
Das liegt zum einen an mir und meinem Fokus, aber auch an etwas anderem.. glaube ich.

Am Wochenende war ich auf dem Geburtstag eines alten Freundes. Er wurde 30 und unsere Truppe von früher, die ich das letzte Mal vor 4 Jahren zusammen auf meiner Hochzeit gesehen hatte, war vollzählig. NEUN Stunden war ich auf diesem Geburtstag. Und 9 Stunden sind für mich irre lang. Die Chemie zwischen uns war nach wenigen Minuten wieder wie früher.. es war einfach ganz simpel. Nur eben ohne Alkohol!
Aber warum erzähle ich euch das? –– Weil mir etwas aufgefallen ist:

Seit ich Christ bin, habe ich nie wieder so einen Haufen von Männern so gern gehabt, wie diese dort. Und ich glaube, ich habe auch erkannt, warum das so ist: Jeder darf einfach so sein, wie er ist. Den gesamten Abend über, selbst in tiefen Gesprächen, ging es nie darum, jemandem etwas überzwängen zu müssen; ihn verändern zu wollen. Niemand musste irgendwie sein, damit er reinpasst. Und DAS hat mir gefehlt.

Ich habe keinerlei Ahnung, in welchen Gemeinden oder christlichen Kreisen ihr euch bewegt, aber ich, für meinen Teil, spüre immer einen gewissen Hauch von Angestrengtheit, von Druck, von.. einer Box. Es fühlt sich nie wirklich ganz und gar frei an. Das fängt oftmals mit den Klamotten an, oder diesem ständigen 'Nett-sein' und 'Jeden mögen müssen, denn das ist ja christlich!'.

Ich liebe die Werte und das Vorbild Christi von ganzem Herzen. Und ich möchte euch nicht wieder so leben wie früher. Aber ich sehne mich nach dieser Entspanntheit, nach dieser Freiheit im Sein. Ich möchte im Laufe der nächsten Zeit erkunden, warum ich es dort fand und ich mich hier, wo doch Jesus eigentlich die Freiheit schenkt, so oft in einer Box finde, die mir nicht gefällt.

Ich werde euch von meinen Erkenntnissen berichten, wenn es welche gibt. Auf bald.