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10. Juli 2019

#108
Geschenkte Erleichterung (Gnade)

von Sascha Gonzales

10. Juli 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Geschenkte Erleichterung (Gnade)

Diese Kolumne war für mich in der Vergangenheit immer eine Art Tagebuch und genau dies möchte ich auch in Zukunft nicht missen. Wenn wir an ein Tagebuch denken, dann denken wir vor allem an intime, private und ehrliche Gedanken und Worte. Wir schreiben für gewöhnliche keine Lügen in unsere Tagebücher – warum sollten wir auch, denn wir kennen die Wahrheit ja sowieso. Mir geht es zumindest so. Und obwohl ich hier sicherlich nicht alles bis ins kleinste Details erzählen und schildern möchte, kann ich doch nicht drumherum kommen, mein Herz für euch auszuschütten. Zumindest den Teil, der unabdinglich ist, damit ihr mich und mein Leben kennenlernen könnt.

Die heutige Ausgabe trägt den Titel "Geschenkte Erleichterung (Gnade)" und sie könnte ebenso den Untertitel "Gott ist treu!" tragen.

Als ich im September 2017 anfing für meine Gemeinde zu arbeiten, war mir nicht im Ansatz klar, wie frustrierend und ermüdend es sein könnte; wie viele 'graue Haare' es mir bereiten würde; wie viele Momente es geben würde, an denen ich die Verbitterung auf der Zunge spüren konnte und mich bewusst dagegen entscheiden musste.

Es fällt mir schwer dieses Thema öffentlich darzulegen und ich werde auch nicht auf die Details oder Ursachen dieser Probleme eingehen. Mir geht es nicht darum, irgendwem hier die Schuld zu geben oder mit irgendjemandem abzurechnen. Ich kann ehrlich behaupten, ich mag jeden Menschen in meiner Gemeinde und in der Leitung. Ich möchte vielmehr darüber reden, was Gott mir ganz persönlich direkt am Anfang meiner Anstellung sagte: "Ich will, dass du es 2 Jahre machst. Mach es treu, lerne, diene und sein frustriert –– aber nicht verbittert."
An diese Worte erinnerte ich mich bei jeder dieser Gelegenheiten und hielt an ihnen fest, wie an einer Rettungsboje mitten auf offener See. Ich klammerte mich an den Gedanken: "Du machst das hier, weil Gott es will. Du bist treu und bleibst es auch!"

Ich wusste am Anfang nicht, was Gott von mir wollte. Für mich gab es keinen augenscheinlichen Grund frustriert zu sein –– oder gar verbittert. Lernen und dienen klang für mich schon eher nach einer naheliegenden Aufgabe. Und auch die Treue schien mir gar keine Frage zu sein. "Treu? Logisch!"

Mir ist heute eine Nachricht wichtig. Nicht der Frust, oder die Gründe dafür. Mir geht es um etwas anderes.
Als es dann dieses Jahr im Mai langsam gen Ende der 24 Monate ging, spürte ich Furcht in mir. Ich hatte mich einfach an diesen Job gewöhnt. An die gewisse Sicherheit, die er mir gab. "Ich hab ja noch gar keinen neuen Plan in Aussicht?!?!" dämmerte es mir und so kam mir die logische Idee, ich könne es ja noch "etwas länger machen". "Vielleicht noch bis Anfang des nächsten Jahres?" –– aber mir war schon lange klar, dass ich mich bereits innerlich verabschiedet hatte und die Gemeindeleitung den Wert in meiner Arbeit nicht mehr sah. Dementsprechend kam der Tag, an dem Gott für Klarheit sorgte.

Ich spielte Gitarre auf einer Hochzeit und unser Pastor war ebenfalls dort. Nach der Zeremonie kamen wir ziemlich zügig zum Punkt: "Wir würden es gerne noch bis September machen und dann lassen!" ––– eine einvernehmliche Trennung.
Ich spürte sofort Gottes Hand auf dieser Entscheidung – hatte ich doch selbst noch probiert, diese 24 Monate hinauszuzögern, weil ich keine andere Option für greifbar hielt (oder vor der greifbaren Möglichkeit Angst hatte). Ich kann euch nicht beschreiben, wie glücklich und voller Euphorie ich war. Ich fühlte mich schwebend und wusste, Gott hat etwas anderes vor: "LET'S GO!"

Ich denke, dass ich Gott nicht vertraut habe und doch traut er mir den nächsten Schritt zu. Er sagte mir von Anfang an: "2 Jahre." und diese sind nun um. Ich war treu, habe viel gelernt, habe meinen Dienst geleistet und einen Haufen Energie hineingesteckt. Ich war frustriert und kann erhobenen Hauptes sagen, niemals verbittert gewesen zu sein. Ich hab meinen Teil erfüllt und Gott hat seinen Teil erfüllt und ich bin so endlos gespannt, was auf mich und meine Familie zukommt. Vielleicht ist es eine Zeit der Ruhe, eine Auszeit oder doch ein neues Kapitel. Vielleicht in Halle, vielleicht woanders. Vielleicht als Teil der Gemeinde, vielleicht nicht. Eines ist aber sicher: Ich bleibe Ihm treu (und flexibel im Leben).