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02. Mai 2018

#63
Das Problem
ist das Glas

von Sascha Gonzales

02. Mai 2018
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Das Problem ist das Glas

Ich möchte heute ein Bild mit euch teilen, welches ich vergangene Weihnachten auf's Herz bekam. Ich bin mir nicht genau sicher, warum diese Kolumne bis heute nicht dran war, aber nun ist sie es: Ich höre in letzter Zeit irgendwie häufig die Redewendung, dass "unser Glas hier halb voll ist.""Lass uns mal nicht so negativ sein und schau mal, unser Glas ist halb voll und nicht halb leer." – Und das stimmt auch. Es geht uns – rein materiell – hervorragend. Wir leben in friedlichen Zeiten, weit weg von Gründen, die andere Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat bringen. Nicht schlecht. Wo liegt nun also das Problem?

Gerade an Weihnachten, wenn ich so viele unbekannte Menschen bei uns im Gottesdienst beobachte, wie sonst nie. Gerade zur Weihnachtszeit, wenn man mal wieder an lang vergessene Menschen denkt – oder vor Langeweile zwischen Essen 1 und Essen 2a die Zeit "sinnvoll" nutzt und auf Facebook und Instagram die Profile und "Leben" von "guten, alten Freunden" stalkt. Sehen sie nicht alle so glücklich, friedlich und erfüllt aus? Ja. Sie scheinen wirklich erfüllt zu sein von ihrem Leben. Also, nochmal, wo liegt nun das Problem?

Das Problem liegt nicht darin, dass wir nicht sehen, dass das Glas halbvoll ist – nein. Unsere Gläser sind sogar richtig gut gefüllt. Das Problem ist ein anderes. Das Problem ist das Glas.

Hier liegt der Hund begraben. Besser kann ich es euch nicht darstellen. Hier ist das, was ich vielerorts wahrnehme. Wir erkennen nicht, dass unser Glas erst mit Gott so richtig groß wird. So richtig "durstlöschend". Unsere Gläser bleiben klein. Wenn ich nur das kleine Glas kenne, dann sehe ich mein Leben als erfüllt an. So ging es mir auch. Jahre, Jahrzehnte. Aber ich ahnte, da ist noch mehr. Ich wunderte mich gleichermaßen, warum ich immer durstig war, obwohl ich aus einem – für mein damaliges Empfinden – vollen Glas trankt.
Erst jetzt erkenne ich, dass alles, was ich vorher hatte, ein mickriger, kleiner Shot war. Ich lebte von Shot zu Shot – wortwörtlich zeitweise. Nichts davon war durstlöschend. Nichts nachhaltig. Ich war ermüdet und ausgelaugt vom ständigen Neu-auffüllen dieses mickrigen Glases – war es doch immer wieder so schnell leer.
Hier kommt die "Gute Nachricht" – das Evangelium, wenn man so will: Gott ist mit uns – Emmanuel. Mein Glas war mickrig – und doch ist Gott an mir drangeblieben. ER war es, der mich erkennen lies, dass mein Glas doch so viel größer sein kann und soll. Ich blickte weit, weit, weit über meinen eigenen Tellerrand - um mal ein anderes Beispiel zu bedienen. Und dort war so viel mehr. Gott will uns voll einschenken (Psalm 23, 5) – und er bringt sogar Sein gigantisches Glas für dich mit!

Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. – Johannes 4, 13-14 (Lutherbibel)