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15. November 2017

#42
Zu viele
Emotionen?

von Sascha Gonzales

15. November 2017
Lesedauer: 4 Minuten
Von Sascha Gonzales


Zu viele Emotionen?

Ich beschäftige mich gerade mit einigen interessanten Figuren in unserer christlichen Welt. Ich will gar nicht genauer darauf eingehen, um wen es sich handelt, sondern eher das schildern, womit sich diese Menschen beschäftigen; was sie herumtreibt.

Im Großen und Ganzen fing alles damit an, dass ich mir eine sehr kritische Dokumentation über Bethel anschaute und da eine dieser Figuren vorkam. Für ihn ist und war diese "charismatische Bewegung" komplett dämonisch und fernab von dem, was die Bibel für ihn an Theologie bereithält. Sein "schlagfertigstes" Argument war die Tatsache, dass gerade in Gemeinden wie Hillsong oder Bethel alles über Emotionen verkauft würde. Sei es die "überaus aufgebauschten Salbungen", die "perfekte Lichtshow" während des Lobpreises, oder eben die Musik selbst. Beinahe alles um die Predigt herum "würde dafür benutzt werden, um zu manipulieren". "Um bei den Menschen im Raum und vor den Bildschirmen eine bestimmte Emotion zu erzeugen, die es der "Irrlehre" erlaube glaubwürdig zu erscheinen und aufgenommen zu werden." Okay.

Ich habe viel über diese Argumentation nachgedacht und finde sie tatsächlich nicht komplett falsch – auch wenn ich mit den meisten Punkten dieser Personen nicht mitgehe. Sei es zum Beispiel die, meiner Meinung nach, irrtümliche Behauptung, dass Gott nicht mit uns spreche, oder der Heilige Geist nicht in und durch uns wirke. Das und viele andere ihrer Punkte habe ich anders erlebt und erlebe es auch jetzt anders.
Ich möchte heute bei der Frage bleiben: "Verkaufen wir in unseren modernen Gemeinden zu viel über Emotionen und verbuddeln dabei die wahre Begegnung mit Gott?" Reduzieren wir die Beziehung zu Gott zu einer emotionalen Angelegenheit?

Die Tatsache, dass ich gerade bei Hillsong mittlerweile nicht mehr unterscheiden kann, ob es noch Lobpreis ist, oder ein unbedeutendes Radio-Lied, lässt mich an dieser Stelle schon mal kurz stocken. Die Metaphern sind für mich größtenteils so schwammig, dass da kaum noch etwas herüberkommt, wenn man nicht genau weiß, wovon sie singen.
Als wir Anfang des Jahres in Hillsong L.A. waren und mich das ganze eher an eine sonntägige Afterparty-Party erinnerte als an einen Gottesdienst, hatte ich tatsächlich Bauchschmerzen. Wurde dort doch so so viel über die "Show", das Hip-sein und die Aufmachung "verkauft". Ist das per se schlecht, wenn Hillsong diese Linie gehen will, oder sogar von Gott den Auftrag dazu hat? Wenn dies der Fall ist, dann "nein", immer weiter so! Nur sprang mir an diesem Morgen nichts mehr in den Sinn als Römer 12,2.

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. – Römer 12, 2

Wenn unsere Gottesdienste und unser Leben sich immer mehr dem anpassen, was die Welt anlockt, liegen wir dann nicht daneben? Die Welt, und auch der Verführer, verkaufen uns ihre Versuchungen über Emotionen. Über Sehnsüchte, Eifersucht, Egoismus, Selbstglorifizierung. Alles ausgelöst durch eine fehlende, innige Beziehung mit Jesus. Alles genährt durch ein fehlendes Fundament in Gott. Haben wir es verlernt den Menschen genau diese Beziehung nahezulegen, weil wir ihnen Gott als Emotion verkaufen? Haben die Menschen auf Erden deswegen auch vergessen, was wahre Liebe ist? Haben sie vergessen, dass Liebe von Gott kommt?
Ich glaube, dass Gott durch unsere Emotionen wirken kann und Einfluss auf sie hat - absolut. Aber so viele Menschen sind enttäuscht von Gott, weil er - in ihren Augen - in ihrem Alltag, außerhalb der Gottesdienste und der Gemeinde, nicht wirkt. Weil er nicht mit ihnen kommunizieren würde; nicht spürbar für sie ist.

Ich habe bislang noch keine Antwort auf diese Frage(n). Aber ich lasse euch hier wissen, wenn ich eine finde, die ich mit euch teilen möchte. Oder wenn ich erkenne, dass ich keine Antwort darauf finden soll. Falls ihr eine habt, immer raus damit.