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08. November 2017

#41
Nicht länger
Sünder

von Sascha Gonzales

08. November 2017
Lesedauer: 4 Minuten
Von Sascha Gonzales


Nicht länger Sünder

Ich hatte vergangene Woche eine tolle und aufwirbelnde Unterhaltung mit einem sehr guten Freund. Alles fing damit an, dass er nebenbei und ohne böse Absicht in einer Unterhaltung mit einer weiteren anwesenden Person sagte: "Wir sind ja auch alle Sünder."

Ein sehr, sehr starker Eindruck des Richtigstellens machte sich in mir breit und schreite mich förmlich an: "Lass das nicht so stehen!" – und das tat ich nicht. Denn ich glaube nicht daran, dass wir uns noch so betiteln sollten. Und schon gar nicht andere noch dazu, wenn von "Wir sind.." gesprochen wird.

Zu allererst verstehe ich, woher dieser Irrtum kommt, wir seien immer noch "Sünder": Wir sündigen. Jap, absolut. Wir alle werden hin und wieder etwas tun, was als Sünde bezeichnet wird. Daran habe ich keine Zweifel. Ich wünsche mir und ich strebe zwar danach nicht zu sündigen, aber mal ehrlich, es kommt Gott wohl eher auf unsere Sehnsucht an als auf unseren Erfolg des sündenfreien Lebens. Kurz um: Wir sündigen, ich sündige. Macht uns das zu "Sündern"? Nein.

Gott hat uns alle betitelt und als sein Eigentum markiert.

Denn der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch nicht zu Sklaven, sodass ihr von neuem in Angst und Furcht leben müsstet; er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht, und durch ihn rufen wir, ´wenn wir beten`: »Abba, Vater!« – Römer 8, 15

Das ist die wichtigste Wahrheit, die wir für uns begreifen und leben können: Wir sind alle Kinder Gottes. Dieses Privileg haben wir dem Opfer Jesu zu verdanken, der für unsere Sünden gestorben ist. Der einzige makellose Mensch, der je lebte; der leibliche Sohn Gottes; der Retter der Welt opferte sein Leben für die in Sünde lebenden Menschen – also für UNS. Durch Jesus können wir in inniger Beziehung mit Gott leben. (Johannes 14, 6) Wenn wir verstehen, dass wir zu allererst "Kind Gottes" sind, können wir weiterschauen.

Eines der Argumente meines Freundes, warum wir uns als Sünder betiteln sollten, war, dass es uns demütiger machen würde. Uns davor bewahre arrogant zu werden. Doch stopp: Arroganz ist nicht die Folge von fehlender Demut, sondern die Folge von Unsicherheit und Angst vor Verletzung. Arroganz ist eine von uns erschaffene Mauer.
Gott möchte von uns, dass wir selbstsicher und standhaft sind. (Galater 5, 1 + Epheser 6, 14) Dass wir verstehen und erkennen, welche Berufung und welche Rolle, welche Identität und welche Gaben ER uns in die Wiege gelegt hat. (2. Petrus 1, 10) Womit ER uns gesegnet hat. Gott segnet uns nicht mit Talenten und Stärken, damit wir sie verstecken. (Matthäus 5, 14) Wir sollen sie erkennen und damit in Seinem Namen die Welt verändern; in Seinem Namen Reich Gottes bauen. Wozu sonst platziert Gott uns an Orte und Positionen, in Ämter und Verantwortungen. Arroganz ist keine Folge von fehlender Demut, es ist eine Folge von Unsicherheit und Angst vor Verletzung. Selbstsicherheit und Demut gehen absolut perfekt Hand in Hand.

Wir sind keine Sünder mehr. – Warum nicht?

Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Purpur, soll sie doch wie Wolle werden. – Jesaja 1, 18

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. – Römer 5, 8

Jesus hat uns durch Liebe freigesprochen. Wir sind nun nicht länger Sklaven, sondern frei. Wir sind nun nicht länger an die Gesetzlichkeit gebunden, sondern frei. Wir sind nun nicht länger von Gott getrennt, sondern können mit Ihm in einer tiefen Beziehung leben. Wir sind nun nicht länger verdammt, sondern erlöst. Wir sind sündende Erlöste – nicht erlöste Sünder.
Und es macht so viel mit dem Herzen eines Menschen, wenn er sich als "erlöstes Kind Gottes" betiteln darf und nicht von anderen Menschen hört, wir seien "alle Sünder". Hören wir auf – und das richtet sich ganz besonders an alle Leiter unter euch – unsere uns anvertrauten Schäfchen als "Sünder" zu betiteln. Wen wirst du durch diese Bezeichnung zu Gott führen? Wem wirst du durch diesen Titel zeigen, dass Gott ihn bedingungslos liebt und annimmt? Niemandem.
Ja, wir sündigen. Aber das kostet uns nicht unsere wahre, Gott-gegebene Identität: Kind Gottes, Erlöster, Geliebtes Kind.