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08. Oktober 2018

#18
Evangelium
Teil 3:
Matthäus

von Lukas Gotter

08. Oktober 2018
Lesedauer: 8 Minuten
Von Lukas Gotter


Evangelium – Teil 3: Matthäus

Hallo Freunde, heute geht's im 3. Teil um Matthäus. Matthäus wird, wie Markus auch, nicht als Autor genannt. Aber die frühsten Berichte über das Buch, sagen, dass der Zöllner Matthäus (Levi) der Autor dieses Buches ist. Er ist einer von Jesu 12 Jüngern. Und das ist gut zu wissen.
Nach Jesu Tod hat man die Geschichten um Jesus rund 30-40 Jahre mündlich weitergegeben. Matthäus hat diese mündlichen Geschichten gesammelt und ein unfassbar dichtes und gutes Buch daraus gemacht. Das heißt: Der Aufbau von Matthäus verfolgt einen Plan! Krass, ne?

Wie bei Markus auch, gibt der erste Vers bei Matthäus uns schon einen kleinen Einblick in seinen Plan:

Dies ist das Buch der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. – Matthäus 1,1 (Lutherbibel 2017)

Matthäus verbindet hier Jesus direkt mit dem Alten Testament. Und das muss man ein wenig kennen, um herauszufinden, was die Absicht von Matthäus ist. In den ersten 3 Kapiteln erfüllen sich einige Verheißung aus dem Alten Testament. Du kennst die vielleicht aus der Weihnachtsgeschichte: Fremde Völker kommen, um den Messias zu ehren (die Weisen aus dem Morgenland). Oder die Jungfrauengeburt. Oder das Jesus der "Immanu-El" ist. Das heißt übersetzt "Mit uns – Gott". (Kann man auch umdrehen.).

Und schon haben wir zwei der drei Hauptthemen von Matthäus aufgegriffen. 1.: Jesus ist der Messias und Nachkomme Davids. Und 2.: Er ist der Immanuel. Das 3. Thema von Matthäus lautet: Jesus ist ein neuer Mose. Man kann richtig viele Vergleiche zu Mose ziehen, wenn man das Matthäusbuch ansieht. Beide kommen aus Ägypten. Mose war 40 Jahre in der Wüste; Jesus 40 Tage. Mose setzt das Gesetz ein; Jesus erfüllt es. Ihre Berufung ist jeweils, aus der Sklaverei zu befreien, eine neue Lehre Gottes zu etablieren, uns von Sünden zu retten und beide beginnen einen neuen Bund, der zwischen Gott und den Menschen geschlossen wird. Hinzu kommt, dass das Matthäusevangelium aus fünf großen Teilen besteht, wie auch die Tora aus den sog. 5 Bücher Moses bestehen. Ich, und mit mir viele andere Theologen, gehen davon aus, dass das pure Absicht war und ein Schlüssel ist, das Matthäusevangelium neu und gut zu lesen.

2 Grundlegende Tipps gibt es noch von mir, damit du das Buch richtig gut lesen kannst. Und dann kommen wir zu den Details.
1. Lies dir mal alle Zitate aus dem Alten Testament durch, die Matthäus in sein Buch eingebaut hat und in welchem Zusammenhang sie stehen. Das ist unfassbar stark und bereichernd. Und 2. wird bei Matthäus ziemlich schnell klar, dass meistens die unbedeutenden Leute an Jesus glauben und weniger die religiöse Elite. Auch das öffnet den Blick für das große Ganze.

Ok. Zu den Details!

Aus den ersten drei Kapiteln habe ich schon einiges erzählt. Die letzten drei Kapitel erzählen die bedeutenden Oster-Geschehnisse. Dazwischen also die 5 Teile, die wir uns jetzt mal genauer ansehen. Jeder dieser Teile endet mit einer großen Rede von Jesus. 5 Teile, 5 Reden. Kann man sich ganz gut merken. Teil 1 (4-7) handelt davon, dass Jesus das Reich Gottes ankündigt. Dazu ein Mini-Exkurs. Dieser Begriff war den meisten Leuten nicht geläufig. Im Alten Testament findest du ihn exakt null Mal, so wie Jesus ihn benutzt hat. Und auch Paulus nutzt ihn in seinen Briefen gar nicht mal so viel. Das bedeutet: Jesus hat den Begriff des Reiches Gottes, der Königsherrschaft Gottes in allen Lebensbereichen, neu geprägt. Sicherlich konnten die etablierten und gebildeten Juden mit diesen Worten einiges anfangen, da der Messias ja ein König sein würde und jeder König ein Reich hat, das er regiert. Aber vielen war das nicht so eindeutig vor Augen. Und so nutzt Jesus in seiner Verkündigung diese vermeintliche Lücke, die aber die Verheißungen aus dem Alten Testament, meiner Meinung nach, so richtig auf die Spitze treiben. Gerade weil Jesus vom Reich Gottes spricht, muss er der Messias sein. Finde ich zumindest.
Dieses Reich ist definiert durch die Rettungsaktion Gottes für die Welt. Es tritt dem Böse entgegen, es stellt die Herrschaft Gottes wieder her und am Ende entsteht eine neue, geistliche Familie. Alles geschieht durch den einen König, den Messias (ein hebräischer Begriff, der auf griechisch Christus heißt). Jesus, als Messias, stellt in diesen Kapiteln die Welt auf den Kopf, in dem er neue, ethische Maßstäbe setzt. Er macht klar, dass er die Tora weder abschaffen, noch vernichten möchte, sondern er erfüllt die Tora. Und schließlich verändert er unsere Herzen und schenkt uns den Blick der dreifachen Liebe: Auf uns selbst, auf den nächsten und auf Gott. Das alles ist Thema in der weltbekannten Bergpredigt (5-7).
Mahatma Gandhi war ein riesen Fan von ihr:

Wenn da nur die Bergpredigt und meine eigene Interpretation dazu wären, würde ich nicht zögern zu sagen: ›O ja, ich bin ein Christ‹ [..]. Leider ist aber viel, was unter dem Namen Christentum läuft, eine Negation der Bergpredigt. – Mahatma Gandhi

Ein starker Satz, der deutlich macht, wie grundsätzlich und unfassbar reich bestückt die Bergpredigt ist. Wenn man sie genau studiert und untersucht und schaut, wie man sie in seinem eigenen Leben und der Welt umsetzen kann, ich sag mal so, dann hast du dein Leben lang zu tun. 100%. Auf die einzelnen Teile jetzt einzugehen, wäre etwas zu lang. Aber vielleicht liest du sie dir in Ruhe durch. Das kann man sich mal so gönnen! :)

Danach (8-10) erzählt Matthäus, wie Jesus das Reich Gottes ins Leben der Menschen bringt. Ich finde es begeisternd, dass Jesus nicht nur warme Worte und mitreißende Reden schwingt, sondern handelt. Jesus bringt das Reich Gottes dorthin, wo es dringend benötigt wird. Und dadurch bleibt es eben nicht nur blinde Theorie, sondern wird gelebte Praxis. Die Frage ist immer auch für dich und dein Leben: Lebst du theoretisch mit Jesus und findest ihn sympathisch? Oder darf Jesus in dein Leben hinein.
Erstmal ganz unabhängig davon, wie genau das immer aussieht. Ich finde es für mich den größten Schatz, dass ich Jesus in meinem Leben habe. Weil ich von ihm her entscheiden darf, wie ich leben möchte, was gut für mich ist und welche Prinzipien sich bewährt haben. Jesus gibt uns da eine Menge mit. In diesem Kapitel sieht das konkret so aus, dass er 9 Menschen mit verschiedenen Gebrechen heilt und ebenfalls deutlich macht, dass selbst Stürme ihm gehorchen müssen. Und er koppelt das immer wieder mit der konkreten Einladung, ihm nachzufolgen (wie zum Beispiel an Matthäus selbst in 9,9-9,13). Dieser Teil endet mit der Aussendung der 12 Jünger und dem Auftrag, dass sie in die Dörfer gehen sollen. Jesus hält eine lange Rede, von der konsequenten und radikalen Art des Evangeliums. Und er macht klar: Das Evangelium wird entweder abgelehnt oder ihm wird zugestimmt. Einen Mittelweg predigt er in dieser Form nicht. Das ist schon sehr scharf und krass. Aber Jesus meint das so. Und das fordert mich auch immer wieder raus, mich zu positionieren. Für ihn? Oder gegen ihn?

Und genau das spielt auch im Mittelteil (11-13) eine zentrale Rolle. Es gibt Leute, die sich, neben den beiden gerade genannten Reaktion, einfach fragen: Ist Jesus der Messias? Und erleben Jesus, wie er sagt:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. – Matthäus 11, 28 (Lutherbibel)

Jesus spricht die Einladung aus, Ihm und seinem Königreich zu folgen. In Kapitel 13 endet dieser Teil mit Gleichnis-Geschichten.

In Teil 4, den größten dieser Mittelteile, wird deutlich, dass es unterschiedliche Erwartungen an den Messias gibt. In diesen Kapiteln versorgt Jesus jeweils eine größere Menschenmenge mit Fischen und Broten. Das Besondere war, das die Gruppe einmal aus Juden und einmal aus Nicht-Juden bestand. All diese Menschen sind begeistert von Jesus. Und es erinnert wieder mal an Mose, der dem Volk Israel in der Wüste Nahrung zukommen lässt. Der jüdischen Gelehrten-Elite passt das aber weniger in den Kram. Sie hängen sich an den alttestamentlichen Aussagen (Psalm 2 und Daniel 2), dass der Messias ein triumphaler Herrscher ist, der die Heiden besiegt. Genau diese Aussage trifft mit den Erlebnissen rund um Jesus zusammen. Und es gibt plötzlich Diskussionen unter den Jüngern und Menschen, die rund um Jesus waren. Als er mit seinen Jüngern zusammen ist, fragt er sie sinngemäß: "Für wen halten mich die Leute?" und Petrus antwortet: "Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!" Aber die Vorstellung von Petrus ist eher eine politische als eine geistliche (siehe meinen Artikel zum Markusevangelium). Hier, an dieser Stelle beschreibt Jesus sich als Messias nach dem Vorbild von Jesaja 53. Dort wird deutlich, dass der Messias sterben und auferstehen wird. Er ist dort ein leidender Diener (Führwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen [..]). Jesus nutzt diese Gespräche rund um die Frage, wie und wer und wann und wo der Messias denn sei, genau dazu, sein Leiden und Sterben anzukündigen. Er macht dadurch deutlich: Er ist es! Er ist der Retter dieser Welt, auf den viele Menschen gewartet haben. Und Jesus macht in diesen Kapiteln durch viele kleine Predigten deutlich, wie das Reich Gottes ist, denn es stellt alles auf den Kopf: Ehre deinen nächsten, indem du ihm ein Diener wirst. Fordere keine Rache ein, sondern vergebe. Und: Echten Reichtum wirst du erst haben, wenn du ihn verschenkst. Das sind manchmal platte Worthülsen, die ich gefühlt schon zu oft gehört habe. Aber die ich bei mir eigentlich als Selbstverständlichkeit sehen würde, und doch immer wieder merke, dass ich meine Grenzen habe und gegen diese Prinzipien handle.

In Teil 5 (21-25) wird diese ganze Szenerie immer weiter auf die Spitze getrieben, denn Jesus ist in diesen Kapiteln schon in Jerusalem angekommen. Jesus kommt zu Palmsonntag in Jerusalem hereingeritten und die Leute winken ihm zu. Sie sind begeistert von ihm. Aber Jesus ist nicht gekommen, um sich feiern zu lassen, sondern um die Welt zu verändern. Und das macht er, indem er in den Tempel geht und Stände umwirft und Händler verjagt. Er wühlt die Menge so sehr auf, dass der Opferkult unterbrochen werden muss. Seine Taten sprechen hier lauter, als seine Worte.
Jesus beansprucht die Autorität über den Tempel. Denn der Tempel wurde von den Entscheidungsträgern der jüdischen Bevölkerung verunreinigt. Er sagt ihnen ins Gesicht, dass sie Heuchler sind. Das alles sorgt nicht nur für den Grund der Anklage von Jesus, sondern die jüdische Elite ist extrem beleidigt und entschließt Jesus töten zu lassen. Abgeschlossen wird dieser Part mit einer langen Rede über 3 Kapitel. Jesus kritisiert die Pharisäer und Schriftgelehrten. Er erneuert seine Kritik, die ihn schon zur Tempelreinigung trieben und macht nochmal deutlich, dass diese Leute Heuchler sind. Und dann gibt er einen Ausblick auf das, was kommt. Er kündigt seinen Tod, das Ende des Tempels und von Jerusalem an. Aber Jesus sagt auch: Er wird auferstehen und eines Tages sein Reich auf Erden anbrechen lassen.

Jetzt kommt es langsam immer mehr zum Höhepunkt des Buches (Kapitel 26/27). Jesus feiert mit seinen Jüngern das Passahmahl – ein Erinnerungsmahl an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten (Stichwort Mose). Es geht dabei um die Rettung aus der Sklaverei und die Rettung durch den Tod des Passalamms. Jesus nimmt diese Symbolik auf und gibt der Sache eine neue Bedeutung: Rettung von dem Bösen & der Sünde durch den Tod von Jesus.
In der Folge wird Jesus im Garten Gethsemane gefangen genommen und vor den Rat der jüdischen Leiter, den "Sanhedrin", gestellt. Dort wird er verklagt als Gotteslästerer. Und sie machen deutlich, dass sie in Jesus nicht den Messias sehen.
Falscher könnte die Anschuldigung kaum sein. Allerdings erleben sie in Pilatus einen "Mittelsmann", der Jesus zwar für unschuldig erachtet, aber trotzdem seine Kreuzigung veranlasst.
Jesus wird gekreuzigt. Jesus stirbt. Und damit erfüllt sich die prophetische Verheißung im Alten Testament. Jesus ist der dienende Messias. In diesem Teil kommen sehr viele Bezüge zum Alten Testament und Jesus stellt klar: Anstatt sie zu verurteilen (die, die ihm Böses wollen), wird er für sie verurteilt. Das ist ein krasser Anspruch, der jedem Menschen gilt.
Auch du und ich verurteilen Jesus, weil wir ihm nicht dienen, nicht in Beziehung mit ihm leben, andere Prioritäten setzen. Aber Anstatt, dass Jesus uns dafür fertig macht, stirbt er für uns, nimmt unser Urteil auf sich und spricht uns dadurch frei.

Jesu Leiche wird ins Grab gelegt. Die Überraschung drei Tage später: Es ist leer. Jesus begegnet seinen Jüngern. Und Jesus lebt. Wow!

Das Buch endet mit dem sog. Missionsbefehl (Matthäus 28,18-20). Hier wird deutlich, dass Jesus der König der Welt ist, daher lasst euch auf ihn hin taufen. Er gibt den Auftrag, allen Nationen die "Gute Nachricht", das Evangelium, zu erzählen und ermahnt in dem Zusammenhang seine Jünger, sich an seine Lehre zu halten. Und er lädt jeden Menschen ein, Teil des Königreichs zu werden. Schließlich endet das Buch wieder mit Immanu-El, also "Mit uns – Gott":

[..] Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. – Matthäus 28, 20 (Lutherbibel)

Kannst du das glauben? Ich finde diesen Gedanke viel zu hoch und zu weit, um ihn zu begreifen. Aber damit wird klar: Jesus ist wahrlich Gottes Sohn. Und er will bei dir, er will bei mir sein. Immer. Überall. Und das finde ich unschlagbar!

Segen-Regen, Lukas.

PS: Zum Nachschauen und reflektieren:
Das Bibelprojekt: Matthäus – Teil 1
und
Das Bibelprojekt: Matthäus – Teil 2