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24. September 2018

#17
Evangelium
Teil 2:
Markus

von Lukas Gotter

24. September 2018
Lesedauer: 9 Minuten
Von Lukas Gotter


Evangelium – Teil 2: Markus

Hallo Freunde,

wie angekündigt geht es in den nächsten Wochen um die Evangelien und was sie mit uns zu tun haben. Wir starten mit Markus:

Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. – Markus 1, 1 (Lutherbibel)

So beginnt dieses Buch. Und das ist der einzige Vers des Evangeliums, wo klar wird, was Markus eigentlich will! Mit Evangelium ist hier eher die literarische Gattung gemeint, obwohl Markus "viel Evangelium" hat. Denn, auch das wird klar: Es geht um Jesus Christus. Der Sohn Gottes. Da lässt er nichts rankommen. Das wird sich im Zusammenhang mit dem Aufbau und den Fragen des Buches noch zeigen, dass das gar nicht so einfach zu verstehen ist. Aber hey: Was ist schon einfach?

Die nächsten vier Kolumnen sind immer relativ klar gegliedert. Es geht um den Verfasser, den Ort und die Zeit, in der es geschrieben wurde, wie das Buch aufgebaut ist, was es für theologische Themen in den Blick nimmt und ganz entscheidend ganz am Ende: Was hat das alles mit mir zu tun?

Also kommen wir zunächst mal zum Verfasser. Natürlich kann man den nicht mehr 100%ig nachverfolgen und sagen, dass genau dieser das war. Und doch können wir an der Stelle mal bei Papias schauen, was der so sagt. Warum, fragst du dich nicht umsonst!
Papias lebte wohl ab 70 nach Christus und hat 120 ein Werk veröffentlich, in dem er viel über Jesus geschrieben hat (Fünf Bücher der Darstellung der Herrnworte). U.a. von dort wissen wir auch, wer wohl als Autor welches der Evangelien gesehen wurde. Denn: So eine klare Überschrift, mit Autoren Angabe und so, gab es zu der Zeit damals nicht. Das Markus Evangelium wurde, glaubt man Papias, von (Johannes) Markus geschrieben, den wir im Neuen Testament als einen Gefährten von Paulus vorgestellt bekommen. Aber nicht nur das. Sondern viel mehr war er ein sehr enger Freund von Petrus, dem lautstarken Jünger von Jesus. Papias sagt sogar, dass das Markusevangelium wohl die Erinnerungen von Petrus gewesen sind. Da man davon ausgehen kann, dass Markus so "das Standardwerk" der Evangelien war, ist Petrus vielleicht auch deswegen so oft und an viele Stellen im Mittelpunkt. Aber das ist Spekulation.

Ort und Zeit: Einer der ersten Berichte.
Aufbau: Die Überschrift habe ich oben schon behandelt und danach zitiert Markus Jesaja 1 und Maleachi. Damit zieht er erstmal eine klare Verbindung zum Alten Testament. Heißt im Umkehrschluss: Wenn ich Markus verstehen will, sollte ich das Alte Testament kennen. Nicht nur die zitierten Verse.
Wichtig für das Markusevangelium ist es, dass es 3 große Teile hat. Das findest du so auch in jeder klassischen, theologischen Literatur. Teil 1 geht bis Kapitel 8, 27. Ich würde dem die Überschrift geben "Jesus ist mit seinen Jüngern in Galiläa unterwegs" und rein inhaltlich stellt sich die Frage: "Wer ist Jesus?" Ab Vers 8, 28 geht es um den Weg Jesu mit seinen Jüngern von dort nach Jerusalem. Hier kommt die Frage auf: "Was bedeutet es für Jesus, Messias zu sein?" Und in Kapitel 11 kommt Jesus in Jerusalem an (Stichwort Palmsonntag).
Hier stellt sich eher die Frage: "Wie wird Jesus messianischer König? Und was für einer ist er?" Ich gehe mal chronologisch die Teile durch.

Nachdem er von Johannes dem Täufer, Jesu Taufe und seiner Wüstenzeit berichtet, kommt der Programm Vers, die zentrale Botschaft des Evangeliums:

Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! – Markus 1, 15 (Lutherbibel)

Das Sagt Jesus den Leuten aus Galiläa. Das ist seine Message. Und er spricht eine Einladung zum Leben unter Gottes Herrschaft aus. Du fragst, wie das geht? Indem man Jesus nachfolgt. So könnte man das runterbrechen.
Und dann, nach seiner Programmankündigung, sozusagen, das erste, was er so richtig macht, wo er in Erscheinung tritt – noch vor allen Wundern, Gleichnissen, Auferstehung(en) und Anschuldigungen – da beruft Jesus im Markusevangelium seine ersten Jünger. Und für mich wird sofort deutlich, dass Jesus alles weitere, was danach kommt, immer in Beziehung mit anderen Menschen setzt. Jesus setzt sich, seine Göttlichkeit, seine Taten und seine vollkommene Liebe immer in Beziehung mit Menschen. Er stellt diese Verbindung zwischen Gott ("Du bist mein geliebter Sohn", Markus 1, 10) und den Menschen her. Durch sich selbst. Durch seine Person.
Und sofort danach wird das Evangelium alltagsnah und praktisch. Jesus geht mit den Jüngern nach Kapernaum, einem kleinen Dorf am See Genezareth. Sprich: Er geht nicht in die Großstädte, dieser Zeit, sondern in die Provinz. Sucht das Kleine. Geheime. Unbekannte und Abgeschiedene.
Sein erstes Wunder in diesem Buch ist die Heilung der Schwiegermutter von Petrus, was die Hauptquelle dafür ist, dass jener verheiratet gewesen sein muss. Ob Petrus die Heilung seiner Schwiegermutter hinterher nicht bereut hat, weil er für lange Zeit nicht mehr zu Hause lebte, ist nicht überliefert. (Achtung: WITZ!).
Und bis Kapitel 8, 27 hält Jesus sich dort auf. Dort finden wir lauter Geschichten Jesu Vollmacht. Wir finden Heilungen, er vertreibt dunkle Mächte, er vergibt sogar Sünden. Und das hat verschiedene Folgen. Manche sind Feuer und Flamme für ihn, geben alles auf und folgen ihm nach. Andere lehnen ihn strikt ab. Und andere bleiben eher fragend zurück. Diese Reaktion sind damals wie heute eigentlich gleichgeblieben und ein gutes Korrektiv für alles "Schwarz-weiß malen".
In Kapitel 4 erzählt Jesus viele tolle Gleichnisse. Und wenn du dich manchmal fragst, warum Jesus in Gleichnissen redet und was sie für einen Sinn haben: In Kapitel 4 erklärt er ziemlich viel. Nicht alles. Aber manches.
Am Schluss des ersten Teiles geht es um die Frage, wer denn Jesus sei. Er redet mit seinen Jüngern drüber und obwohl sie eigentlich vieles Gutes sagen (mal ganz objektiv betrachtet), sind sie verwirrt, was Jesus auf ihre Frage sagt und wie er reagiert. Diese Frage ist, besonders nachdem man mitbekommen hat, wer Jesus eigentlich ist, aber ganz wichtig für den 2. Teil: Was für ein Messias ist Jesus? Ein poltischer, wie ihn Petrus sieht? Oder ein geistlicher Messias.
Jetzt kommen wir zum sehr kurzen zweiten Teil. Denn genau zu dem Thema gibt es 3 Gespräche. Und am Schluss wird deutlich: Jesus hat eine enorme geistliche und geschichtliche Dimension. Wieso? Nun, jetzt kommt eine meiner absoluten Lieblingsstorys im Markusevangelium. Die "Verklärung" aus dem Berg. Du findest sie in Kapitel 9, Vers 2-13. Darfst du JETZT gerne lesen.
Was hier klar wird: Jesus steht in einer Tradition mit dem Volk Gottes am Sinai, mit Mose und Elia. Jesus ist der Sohn Gottes, die Herrlichkeit Gottes in Fleisch und Blut (wieder: "Das ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören!", 9, 7) Wenig später setzt Jesus dem die Krone auf. In 10, 45 sagt er:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. – Markus 10, 45 (Lutherbibel)

Und ich glaube, jetzt waren die Jünger noch verwirrter. Okay, Jesus ist der Messias. Aber nicht so einer, wie wir dachten. Und okay, Jesus hat Macht, steht sogar über Mose und Elia, ist von Gott auserwählt, tut tolle Dinge, aber er muss sterben? Hä? Aufschluss gibt Teil 3: "Wie wird Jesus messianischer König?"
Jesu könglicher Einzug in Jesualem ist kein politischer. Viele der Leute damals sehnten sich danach, dass der Messias sich auf den Thron von Pontius Pilatus setz und zum politischen Messias wird. Jesus aber beansprucht seine Autorität, seinen Thron über den Tempel. Das macht er deutlich durch die Tempelreinigung. Und da gilt die Gleichung: Gibt es keine Händler, die Tiere am Tempel verkaufen, gibt es keine oder kaum Opfer mehr. Das rituelle Leben am Tempel muss – mindestens kurzzeitig – eingestellt werden. Und als Karfreitag der Vorhang vor dem Allerheiligsten zerreißt, setzt Jesus dem nur noch die Krone auf. Und was macht Jesus noch? Er verurteilt die geistlichen Leiter der damaligen Zeit. Die haben nun allen Grund seine Ermordung zu fordern, obwohl Jesus nichts Kriminelles gemacht hat. Aber etwas Geistliches. Er rückte Dinge gerade, die unter jüdischer Flagge falsch liefen. Deswegen ist aber, übrigens, nicht der Opferkult, die jüdischen Gesetze und Gebote oder die Rituale falsch. Geh mal davon aus, dass Jesus sehr oft im Tempel war, die Feiertage in der Regel gehalten halt und durchaus "religiös" gelebt hat.
Was er auch sagt: Er wird sterben und wiederkommen. Er kündigt an, dass sein Volk leiden wird und dass die volle Herrschaft Gottes eines Tages einmal regieren wird. Ich bin gespannt!

Aber das wars noch nicht mit den Änderungen, die er vornimmt. Das Passahmahl wird zum Abendmahl. Eine wunderbare Sache, die ich jedes Mal, wenn wir es feiern, genieße. Eine Parallele zu den anderen beiden Teilen ist, dass statt Gottes Stimme aus dem Himmel und bei der Verklärung, dieses Mal nur Dunkelheit kommt. Die einzige Stimme, die man hörte, ist von Jesus: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Übrigens ist das ein Zitat aus Psalm 22.
Der erste, der nun begreift, dass er Gottes Sohn gewesen ist – da wo seine Jünger und alle seine Befürworter längst weg waren – war ein römischer Hauptmann, der das ganze Szenario versteht und auf den Punkt bringt: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen! Er ist einer der wenigen Zeugen des Todes Jesu.
Aber er lebt. Markus 16, 1-8 erzählt den Schluss von Markus. Und dort wird von der Auferstehung berichtet. Und am Ende ist – wie immer – wieder Verwirrung angesagt.

Das Ende ab Markus 16, 9ff ist in den ältesten, vollständig erhaltenen Handschriften nicht mit überliefert. Deswegen steht dieser Teil bei dir, eventuell in Klammern. Deswegen ist der gut zu lesen und auch nicht falsch. Er deckt sich ja mit anderen Berichten, wie dem von Matthäus oder Lukas, und auch inhaltlich finden wir dort viele Dinge, die auch bei Paulus teilweise bestätigt werden. Aber der Teil ist nicht im Original dabei gewesen. Nimmt man diese Verse des Buches weg, dann ist der Schluss abrupt: Markus betont die erschütternde Aussage, dass der Gekreuzigte und Auferstandene Jesus der Messias ist. Und dieser Schluss, die fehlende Auflösung, die Verwirrung, die gemacht wird, zwingt dir an dieser Stelle zwei gute Frage auf. 1. Wirst du davonlaufen, wie die Jünger? Und hast du Angst vor der Macht Jesu? Oder 2. Kannst du Jesus, den Gekreuzigten, als König annehmen?

Segen-Regen, Lukas!

PS: Zum Nachschauen und reflektieren: Das Bibelprojekt – Markus