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11. Juni 2018

#14
Taufe
Teil 1

von Lukas Gotter

11. Juni 2018
Lesedauer: 5 Minuten
Von Lukas Gotter


Taufe – Teil 1

Hallo, in den nächsten Wochen würde ich mich gerne mit Taufe beschäftigen. Ein Thema, das jeden, der Christ ist, irgendwie bewegt. Taufe ist der Grund für Kirchenspaltungen gewesen, für Konflikte zwischen Brüdern und Schwester, sowie Schwestern und Brüdern. Und Taufe ist tatsächlich ein vielschichtiger Begriff. Es gibt nicht alle Antworten, auf jede Frage. Und deswegen würde ich mich heute erstmal etwas um die Wortbedeutung kümmern. Und welchen Hintergrund Taufe hat. Vielleicht ist ja 'was Neues für dich dabei!

Taufe, also, stammt eigentlich aus dem Griechischen. Das Wort dafür ist βαπτισμα (Gesprochen: baptisma). Dafür gibt es 54 Belege im Neuen Testament. Es ist abgeleitet vom Verb βαπτίζω oder βάπτω (zusammen sind das ca. 115 Belege im Neuen Testament). Wikipedia übersetzt den Begriff mit ein- und austauchen. Aber: Wer ist schon Wikipedia?
Dieses Wort bezeichnete ursprünglich erst einmal ein sakrales Bad in den Kulturen und religiösen Bewegungen in und um Palästina. Es wurde wohl sogar teils auf leblose Gegenstände angewendet. Das überrascht schon sehr, finde ich. Die eigentliche Wortbedeutung lautet Ein- bzw. Untertauchen. Also geht schon, Wikipedia. Das Wort βαπτίζω (Für Grammatik-Nerds: Das ist das Intensivum) kommt verhältnismäßig selten in außerbiblischen oder hellenistischen Quellen vor. Es ist meistens ein Motiv des Badens, Waschens, jedoch kaum in ritueller bzw. religiöser Sicht.
In der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes, der Septuaginta (Wird meist mit LXX abgeschrieben… lies das mal mit lateinischen Zahlen. Dann merkst du sicherlich fix, dass es 70 heißt. Wenn du mehr drüber wissen willst, dann mach halt Wikipedia oder so!) wird βαπτίζω verwendet bzw. seine hebräische Entsprechung טָבַ֧ל (Tabal wird das gesprochen. Falls du mal angeben willst, dass du was auf Hebräisch sagen kannst…). So wird beispielsweise das Wort für das Eintauchen von Essen in Wein (Rt 2,14) genutzt. Wir Sachsen würden dazu: "Ditschn" sagen. Auch wenn man seinen Fuß in den Fluß taucht (Jos 3,15) kann man dieses Wort nutzen. Auch beim Aufwaschen verunreinigter Gefäße, kann man ruhig taufen sagen (Lv 11, 32). Jetzt sag mal einer, dass das nicht alltagsrelevant ist!
Außerdem kann das siebenmalige Untertauchen des Naämans eine Vorform der Taufe gewesen sein (2. Kön. 5,14). Der Junge Mann hatte eine Krankheit, die so ähnlich wie Neurodermitis war. Und es sollte sich 7mal im Jordan untertauchen lassen, mit dem Versprechen, dass er hinterher gesund ist. Und ohne Witz: Er dachte ähnlich, wie vielleicht du, dass das Schwachsinn ist.
Aber er hat es probiert, hat auf Gott vertraut – auch wenn's ihnm dumm schien – und es hat geklappt. Top Typ, dieser Gott!
Später wird das Wort für rituelle Tauchbäder der, ins Judentum übertretenden, Proselyten verwendet (Das steht im Buch Sirach 31,30. Eines der Apokryphen. Falls dir das nichts sagt, gilt auch da: Einfach mal googlen!). Ein Proselyt ist übrigens jemand, der aus einem anderen Volk zum Judentum hinzukommt.
Diese Taufe ist schon vor der christlichen Taufe entstanden und hat ihr den eigentlichen rituellen Sinn gegeben.
Im Neuen Testament sind Taufen, besonders die Johannestaufe und die Taufe mit dem Heiligen Geist, bekannt. Wobei je nach biblischer Tradition findet man mehrere Formen von Taufe. Dazu komme ich später auf jeden Fall mal!

Religionsgeschichtlich ist Wasser das am meisten verbreitete Medium, mit dem getauft wird. Wobei tatsächlich auch Öl oder gar Blut für eine Art Taufe genommen werden konnte. Die Taufe hat verschiedenste Anwendung gefunden: im Mandäismus (googeln!) können durch stellvertretende Taufe auch Tote nachträglich getauft werden (so auch bei Mormonen). Bei manchen findet die Taufe auch wiederholt statt und ist bedeutsam für die Beseitigung religiöser Unreinheit. An der Stelle sind als Beispiel die Essener zu nennen. Die kennst du vielleicht nicht. Aber das waren Juden, die sich ganz bewusst von "der Welt" zurückgezogen haben und in einer kleinen Siedlung am Toten Meer gelebt haben. In Qumran. Das Nest hast du bestimmt eher schon mal gehört, denn dort wurden Alte Schriftrollen gefunden, die als älteste Funde der biblischen Texte gelten. Eine Jesaja-Rolle sogar auf das Jahr 50 VOR Christus. Der Dank gilt an der Stelle den Essenern. Die lasen natürlich viel die jüdische Bibel. Und sie tauften sich regelmäßig, manchmal täglich oder mindestens wöchentlich, um sich von ihrer Sünde "freizuwaschen".

Im Christentum werden bei der Kindertaufe Paten als Zeugen eingesetzt. Im Hinduismus, wie Islam, finden rituelle Selbstwaschungen statt. Das wird im Christentum und Judentum einem Geistlichen überlassen (Pfarrer, Priester; Rabbi). Hier gilt die Taufe auch als Mitgliedschaft zur Gemeinde. Im Judentum werden nur Proselyten getauft. Im christlichen Kontext unterscheiden sich dabei Erwachsenen- (u.a. Baptisten, Pfingstkirchen) und Kindertaufe (Katholizismus, Orthodoxie, Protestantismus).

Ok. Soweit zur Theorie und einigen Infos. Ich hoffe, es sind nicht zu viele für dich gewesen, denn ich würde gerne zwei/drei Bibeltexte noch kurz beleuchten.
In 1. Kor. 1,16 und Apg. 16, 15 und 31-33 ist die Rede davon, dass sich das ganze Haus hat taufen lassen. Mancher Bibelausleger schließt daraus, dass auch Kleinkinder getauft wurden. Jedoch sind Kinder nicht explizit genannt und so lässt sich dieser Rückschluss nicht zu. Es muss also offen bleiben, ob Kinder getauft wurden. Die Möglichkeit besteht für beide Optionen. Deswegen ist der alte Spruch aus baptistischen Kreisen: "Was steht in der Bibel über Kindertaufe? Antwort: Nichts!" einfach falsch. Sondern diese Frage kann nur offengelassen werden.
Außerdem wird die Taufe mit dem Heiligen Geist nur in der Apg. getrennt gesehen von der Wassertaufe. In Texten von Paulus und Johannes gehen Taufe und Ausgießung des Heiligen Geistes stets einher. Das hat verschiedene theologische Ansätze zur Folge. Nun gibt es katholische Theologen, die sich da in der Firmung bestätigt fühlen. Und es gibt pfingstlerische Gruppen, die in der Geisttaufe einen Zuspruch nach der "Wassertaufe" sehen. Beide nutzen die Bibel als "Beweismittel". Am Ende muss man sagen, dass die Bewertung der entsprechenden Bibelstellen (wie Apg. 2, 38f; 8, 14-17; 19, 1-7) viel mit der entsprechenden Perspektive zu tun haben: Sind das nur historische bzw. sachliche Ausnahmeerscheinungen oder Regelfälle? Welches Taufverständnis möchte ich in die Bibel "hineinlesen"? Welches habe ich? Was hat der andere? Und was hat das alles mit den Illuminaten zu tun?
Auch wenn letztere Frage vor allem den Hintergrund von Galileo bzw. Switch Reloaded naheliegt (oder katholischen Verschwörungstheoretikern… Stichwort "Da Vinci"), bleibt mir vor allem zu sagen: Die Bibel enthält keine umfassende und eigene, eindeutige Tauftheologie und Lehre. Es steht nichts drin, über Zeitpunkt, Ort und über einen gewissen Reifegrad, den man auf der "Glaubensskala erreicht haben muss", um sich am Ende nun doch endlich taufen zu lassen. Außer den einen: Glauben!
Ich finde, dass es nicht besonders gut tut, "sein" Taufverständnis ohne Weiteres verteidigen zu wollen, sondern dass wir auch dort eine gewisse Freiheit haben sollten. Jeder sollte sich auf "seine" Praxis festlegen, ohne mit dem Finger auf den anderen zu zeigen. Sicherlich lässt uns die Bibel einigen Interpretationsspielraum. Aber dann sollten wir ihr diesen Raum auch geben. Ich würde mich freuen, wenn ich euren Blick weiten konnte und freue mich auf die kommenden Ausgaben von "In die Tiefe". Und keine Angst: Solch eine Informationsflut bekommst du beim nächsten Mal nicht! *zwinker*

Segenregen, Lukas.