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03. Oktober 2019

#24
Fokus

von Maximilian Stopp

03. Oktober 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Maximilian Stopp


Fokus

Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Ebbe und Flut,
dem aufmerksamen Leser meiner Kolumnen ist es sicher nicht entgangen, dass die letzte Kolumne schon vier Wochen her ist und ich quasi einmal pausieren musste. Der Grund ist schnell erzählt: Ich habe den Jagdschein gemacht und war wie im Tunnel und habe es schlichtweg vergessen. Aber nun bin ich wieder zurück in Halle, zurück im Alltag und freue mich euch etwas aus meinem Leben mit Gott zu erzählen.

Um den Jagdschein erfolgreich zu bestehen, muss man neben allerhand Theorie auch praktisch eine Prüfung ablegen und dabei ist die Disziplin "Tontaubenschießen" besonders anspruchsvoll – unser Ausbilder meinte: "Bei der Prüfung stirbt jeder für sich allein." und meinte damit, dass es nichts bringt nach links und rechts zu blicken und sich mit anderen zu vergleichen oder immerzu auf gut gemeinte Ratschläge zu hören. Man muss einfach seine eigene Leistung abrufen und die Tauben vom Himmel holen. Der Gedanke wird später nochmal wichtig – also nicht vergessen.

Wenn ich tagsüber bei Instagram und anderen Social Media Plattformen vorbeischaue, dann gibt es jede Menge Stories, die mir allerhand Weisheiten, Tipps und Tricks und Kaufempfehlungen mitteilen. Früher habe ich selbst mal ein Produkt 'verkauft und beworben' – einen Wundersaft mit allerhand Vitaminen und die Werbung versprach, dass man dadurch fitter im Alltag wird und das Leben somit an Qualität gewinnt. Mit siebzehn oder achtzehn Jahren glaubte ich das so zum Teil, heute denke ich mir: Was für ein Mist. Die Leute versprachen, dass man finanziell unabhängig werden kann, in wenigen Monaten zum eigenen Firmenwagen – gute Freunde und Familie fanden das damals schon unsinnig, aber ließen mich nach einigen Gesprächen auch meine eigenen Fehler machen. Heute lese ich genau von solchen Produkten, Überzeugungen und lebensverändernden Versprechen – ja einer fragte heute sogar, ob ich denn den Sinn des Lebens kenne? Wenn nicht – er könne ihn mir erzählen – in seinen Workshops und Seminaren. Der Typ ernährt sich nach der Steinzeit-Methode, läuft den ganzen Tag Barfuß rum und geht im Winter in den See baden – alles richtig gute Dinge, aber das hat doch nichts mit dem Sinn des Lebens zu tun.

Auch in der Gemeinde und im christlichen Umfeld gibt es allerhand mutmachende Sprüche und Bilder, Kolumnen wie diese und zahlreiche Angebote von Seminaren und Workshops. Meine Freundin wollte gern bei einem Seelsorger-Seminar mitmachen und mit mir zusammen bald zu einem Paar- bzw. Eheseminar. Alles bestimmt wertvolle Sachen – aber ich habe darauf keine Lust. Was ich mir wünsche, ist Ruhe. Einfach mal Ruhe und Zeit für mich, gute Freunde und auch Gott. Kein Input, keine Weisheiten, keine Tipps und Tricks und auch keine 'Kolumnen'. Ich glaube es gibt immer solche und solche Zeiten. Mal ist man hungrig auf Input und manchmal muss man einfach mal Ruhe haben.

Vielleicht ist der Gedanke vom Anfang noch im Gedächtnis: "Jeder stirbt für sich allein." Ich möchte niemanden dazu drängen als Einzelgänger und völlig abgeschottet durch das Leben zu wandeln, aber es gibt eben Momente, da muss man das 'links und rechts' und das ganze drumherum mal abschalten. Da geht es nicht darum, wie viele Tauben dein Kollege vom Himmel geholt hat oder was der hinter dir für gute Ratschläge gibt. Es geht nur um dich und die 'Mission'. Ich habe beim Tontaubenschießen zwischen den einzelnen Schüssen die Augen geschlossen und gebetet. Das wünsche ich mir auch im Alltag mehr. Ganz am Ende ist es eine Sache, wo jeder für sich allein stirbt. Nochmal: Gemeinde ist wichtig, Input wunderbar und ohne gute Freunde und Familie wäre das Leben ziemlich doof, aber: Am Ende geht es nur um deine Beziehung zu Jesus und da merke ich immer mehr, dass ich mir da zu häufig 'reinreden' lasse und mich nur um mein 'links und rechts' kümmere und dabei den Fokus verliere: Jesus immer besser kennenzulernen. Ich wünsche dir und mir das richtige Mittelmaß und immer den richtigen Fokus.

Ahoi und bis zum nächsten mal.