Menü

05. September 2019

#23
Radieschen wachsen langsam

von Maximilian Stopp

05. September 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Maximilian Stopp


Radieschen wachsen langsam

Herzlich willkommen und viel Freude mit einer neuen Ausgabe von 'Ebbe und Flut' – los geht’s.

Ich liebe Radieschen – gerade die kleinen, knackigen mit der entsprechenden Schärfe – aber um die kulinarische Seite soll es gar nicht gehen. Im Supermarkt bekommt man 15-20 Radieschen für ab und an 39 Cent – also wirklich günstig. Warum also haben wir uns gedacht: Wir pflanzen selbst Radieschen auf dem Balkon an; und weil nicht mehr viel Platz im Blumentopf war, hat es gerade mal für fünf Samen gereicht. Nach einigen Tagen die ersten grünen Blätter – tägliches Gießen, etwas Sonne und freundliche Worte – und siehe da: Es wuchs und wuchs und bald schaute – einem Eisberg gleich – ein kleiner Teil des Radieschens aus der Erde. Warten. Gießen. Doch irgendwann war es so weit und wir konnten das erste ernten.

Raus aus der Erde, unter den Wasserhahn und dann brüderlich geteilt. Wie hat es geschmeckt? Naja.. ziemlich genau wie ein Radieschen eben schmeckt.

Jetzt wisst ihr, wie das bei uns auf dem Balkon mit den Radieschen abging – aber sicher fragt ihr euch, weshalb ich euch das erzähle und was es mit dem Glauben und dem Leben als Christ zu tun hat.

Wenn ich früh aufgestanden bin – und manchmal habe ich auch auf dem Balkon geschlafen – dann ging früh am Morgen der erste Blick in den Blumentopf. Als das erste Blatt kam, war die Freude ziemlich groß. Wir haben zwar keine Flasche Sekt geöffnet oder drei Instagram Stories damit gefüllt – aber es war ein gutes Gefühl. Etwas wachsen zu sehen und einen gewissen Anteil an diesem Wachstum zu haben – auch wenn der sich fast ausschließlich auf regelmäßiges Gießen beschränkt hat. Einmal jedoch, als ein großes Gewitter aufzog, haben wir die Pflänzlein unter den Tisch gestellt, um sie zu schützen und als es zu heiß wurde in den Sommertagen, bekamen sie mehr Wasser und ein etwas schattigeres Plätzchen. Gewachsen sind sie dann doch irgendwie von alleine.

Vielleicht findet ihr mich jetzt etwas merkwürdig, aber diesen Prozess zu sehen und zu begleiten und dann auch die Ernte einzufahren – immerhin 5 knackig scharfe Radieschen – war mit viel Freude verbunden.

Jetzt aber mal ganz ungalant – ihr kennt das ja mittlerweile so – zum Glauben.

Wir können entweder in den Supermarkt rennen und uns für wenig Mühe und Geld alles besorgen, was wir brauchen oder aber – auch in Ergänzung – selbst etwas 'anbauen' und im übertragenen Sinne etwas Gestalten und uns um etwas mit Hingabe bemühen. Einige werden den Kopf schütteln – weil es völlig irrational scheint – aber dieser Prozess ist mit viel Freude verbunden. Zum anderen geht es manchmal darum Dinge und Menschen im Wachstum zu begleiten – und auch den eigenen Glauben zu hegen und zu pflegen und sich an den kleinen – manchmal winzigen – Fortschritten zu freuen und darüber dankbar zu sein.

Ich möchte es noch an zwei Beispielen konkret machen. Sich Predigten anzuhören ist eine feine Sache, egal ob im Gottesdienst oder daheim, aber manchmal ist es wie bei den 'Radieschen aus dem Supermarkt'. Ohne viel Mühe bekommt man ziemlich viel, man geht nach Hause, füllt den Kühlschrank und fertig. Manchmal ist es aber eben an der Reihe selbst der Gärtner zu sein und sich mit Leidenschaft um etwas zu kümmern. Einem Gedanken nachzugehen, im Gebet dranzubleiben und sein Herz zu schützen und mit guten Dingen zu füttern.

Eine andere Möglichkeit besteht darin sich um einen lieben Menschen in seiner direkten Umgebung zu bemühen – zugegeben: nicht gerade meine persönliche Stärke. Aber ab und an, wenn man Menschen regelmäßig 10 Minuten seiner Zeit schenkt, empathisch ist oder mal auf einen Döner einlädt.. dann bist du gewissermaßen 'Gärtner' – und was da heranwächst ist kostbar und der Prozess mit viel Freude verbunden.

Wie das Radieschen langsam wächst – so müssen wir uns auch in unserem Glaubensleben und bei dem Wachstum im Dienst an unseren Mitmenschen Zeit geben – und.. ich habe es bereits erwähnt.. das eigentliche Wachstum schenkt Gott.

Ahoi und frohes Gärtnern.