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11. Juli 2019

#19
Manche Dinge
kann man sich
nicht aussuchen

von Maximilian Stopp

11. Juli 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Maximilian Stopp


Manche Dinge kann man sich nicht aussuchen

Die Sommerpause ist vorbei und somit geht es auch bei 'Ebbe und Flut' weiter – ich freue mich, dass du wieder mit dabei bist.

Heute hat man große Freiheiten. Du wählst dir deinen Lieblingsjoghurt, die Fliesen im Bad, das Urlaubsziel und sogar deine Freunde und deinen Partner. Eigentlich sollte man dann mit diesen getroffenen Entscheidungen gut leben können – schließlich hatte man ja selbst die Wahl. Bei Familie sieht das ganze etwas anders aus. Als beispielsweise mein Bruder geboren wurde, hat man ihn vorher nicht gefragt, ob ihm das so passt. Er war einfach da und musste alles so nehmen, wie es war. Zwei ältere Geschwister, Mutter, Vater, Großeltern, Tanten und Onkel – das volle Programm. Jeder mit Stärken und Schwächen; jeder mit einem ganz individuellen Charakter. Aber: Es funktioniert.

Früher war die Familie – viel mehr noch als heute in unserer Gesellschaft – Lebensmittelpunkt und Lebensgrundlage. Alle unter einem Dach, egal wie viel auf dem Tisch stand, jeder bekam etwas ab. Die Starken kümmerten sich um die Schwachen.

In der Apostelgeschichte kann man viel über die ersten Christen und die ersten Gemeinden lesen. Im zweiten Kapitel steht, dass alle, die an Jesus glaubten, fest zusammenhielten, alles miteinander teilten – ja sogar ihren Besitz verkauften und den Erlös je nach Not untereinander aufteilten. Weiterhin versammelten sie sich täglich in ihren Häusern, um miteinander zu essen und das Abendmahl zu feiern – und das alles mit überschwänglicher Freude. Klingt ziemlich krass und vieles dabei klingt.. nach Familie. Einander helfen und füreinander einstehen, gemeinsam essen und Gott loben. Das ist natürlich ein Idealbild – die Realität sieht häufig ganz anders aus. Was ich aber sagen will, ist folgendes: Wie sich Jesus Gemeinde und Familie vorstellt, ist in vielen Punkten sehr ähnlich.

Wie erleben wir Familie und Gemeinde heute? Ich werde jetzt keine Statistiken zu Scheidungsraten, Gewalt in Familien, etc. bemühen, aber ich glaube, dass viele von euch bestätigen können, dass da einiges nicht so nach Gottes Ratschlägen und Vorstellungen läuft. Ebenso wenig in unseren Gemeinden.

Mal ein ehrlicher Blick in mein Herz. Wenn ich so einige Leute am Sonntag in der Gemeinde sehe oder mit ihnen rede, dann passt mir vieles nicht. Ich bin genervt. Empfinde den einen als naiv, den anderen als zu ungebildet, den anderen als Schwätzer. Das war jetzt nur meine Sicht auf die anderen und ich könnte es keinem verübeln, wenn solche Gedanken auch über mich existieren. Ich bin schließlich auch ein ziemlicher Chaot. Das war jetzt nur das 'Nebeneinander – her – leben'. Jetzt geht es aber um 'Miteinander – als – Familie – leben'. Sich täglich sehen, miteinander essen, ehrliches Interesse am Gegenüber. Zuhören. Mitfühlen. Gemeinsam beten. Wenn ich das so schreibe, lese und realisiere, würde ich mir am liebsten meine Schuhe anziehen, den Rucksack packen und mich allein irgendwo im Wald verstecken. Wenn ich dann noch meinen Besitz teilen soll, großzügig abgeben; da wird es ganz haarig.

Aber genau darum geht es. Kirche ist nicht das alte Gebäude; nicht der fromme Mann im schwarzen Talar und nicht das freundliche Gesicht zum Frauenfrühstück. Kirche – das sind du und ich und die ganzen anderen Menschen, mit ihren Stärken und Schwächen. Lass es mich nochmal drastisch formulieren: Kirche ist auch der Typ, der dir jeden Sonntag schon auf 10 Meter Entfernung so richtig auf den Keks geht. Das ist dein Bruder. Das ist mein Bruder.

Wir brauchen nicht immer neuen Input und den ganzen Hafer, der uns vom 'wahren Leben' fernhält, sondern ein echtes Interesse am Nächsten. Dazu braucht es Zeit und manchmal auch Geld; aber vor allem braucht es einen Blick hin zu Jesus. Er ist es, der uns seine Liebe gezeigt hat, indem er für uns auf diese Welt kam. Er hat sich Zeit genommen für die Schwachen, hat mit seinen Nächsten gegessen und sich um ihre Ängste und Sorgen bemüht. Mehr noch: Er ist für unsere Schuld ans Kreuz gegangen. Wir dürfen den Spieß nicht umdrehen. Jeder, der sich vornimmt ab jetzt ein 'guter Christ' zu sein, wird ziemlich schnell auf die Nase fallen. So funktioniert das nicht. Zuerst auf Jesus schauen und 'begreifen' was er für mich und dich getan hat – das macht uns zu Christen und wird uns helfen Gemeinde nach seinem Willen zu leben. Gemeinsam mit Menschen, die wir uns eben nicht ausgesucht haben, die aber zu unserer Familie gehören, weil sie Christus ebenso wie wir als ihren Retter angenommen haben.

PS: Wer jetzt sagt: "Ich kann aber doch nicht mit jedem bester Freund sein." Stimmt. Jesus sagt: Du sollst ihnen Bruder und Schwester sein. Freunde kommen und gehen manchmal. Ein Bruder bleibt dein Bruder - dein Leben lang.