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30. Mai 2019

#18
Schon gewusst?

von Maximilian Stopp

30. Mai 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Maximilian Stopp


Schon gewusst?

Moin,

ich sitze in meiner neuen Wohnung, im Ofen brutzelt das Mittagessen und ich hab richtig Bock diese neue Ausgabe von 'Ebbe und Flut' zu schreiben - los geht's.

Wenn ich meinen Kopf bemühe und einmal gut 500 Jahre zurückblicke in die Geschichte der Menschheit, dann stolpert man automatisch über die großen Ereignisse und Errungenschaften: Gutenberg erfindet den modernen Buchdruck, Kolumbus entdeckt Amerika, Luther reformiert die Kirche. Später wird die Dampfmaschine erfunden, Züge und Autos dienen der schnelleren Fortbewegung. Irgendwann fliegt der Mensch – erst von A nach B und später bis zum Mond. Heute besitze ich ein iPhone, das weit mehr Rechenleistung besitzt, als die damaligen Computer dieser Apollo-Mondlandungsmission – noch dazu passt das iPhone in meine Hosentasche und ich muss nicht extra große Hallen dafür anmieten. Das Wissen der Menschheit wächst rasend schnell. Wir leben in einem Informationszeitalter und spätestens mit der Erfindung des Internets sind uns Informationen und mit ein bisschen Mühe auch das Wissen, das vielleicht eine Ebene über bloßen Informationen einzuordnen ist, jederzeit zugänglich.

Es gibt zu allen möglichen Themen tausende Bücher und Ratgeber, Tutorials und Blogs. Eigentlich müssten wir alle hochgradig gebildet sein, es gibt nur noch sportlich-fitte Typen, die sich zudem gesund ernähren. Weiterhin sind wir alle super erfolgreich, sexy und das Bankkonto läuft über. Ihr merkt es selbst: weit gefehlt. Schön wär's, aber: Pusteblume.

Die Realität sieht ganz anders aus. Weil Wissen allein eben mal so rein gar nichts bringt. Noch ein abschließendes Beispiel: Du weißt, dass dein BMI mit 35 deutlich zu hoch ist und nun begibst du dich auf die Suche nach Diäten, liest viel über gesunde Ernährung, gelenkschonende Sportarten und Übungen, die du auch von daheim machen kannst. Du kaufst vielleicht sogar neue Sportklamotten, weil du gelesen hast, dass du dadurch motivierter bist und so richtig loslegen kannst. Alles schön und gut; aber wenn du das Schlankmacher-Rezept nur weißt und nicht kochst; wenn deine neuen Sportschuhe nur im Schrank stehen, dann bleibst du dick. Punkt. Aus. Darüber gibt es nichts zu diskutieren. Andersherum wirst du auch schnell Erfolge haben, wenn du loslegst.

Wer das erworbene Wissen nicht anwendet, gleicht einem Bauern, der pflügt, aber zu säen vergisst. Genau das ist meiner Meinung nach auch das Problem im geistlichen Leben: Wir hören eine Predigt im Internet, lesen schlaue Christen-Bücher, fahren zu Konferenzen oder besuchen einen Gottesdienst und kommen nach Hause mit allerhand Informationen und Wissen. Und dann? Sei mal ganz ehrlich. Was ist dann? Mir kommt es so vor, als wären wir eine Gruppe von Leuten, die – nehmen wir nochmal das plakative Beispiel – abnehmen will; und dazu treffen wir uns; doch statt zusammen Sport zu machen, erzählen wir uns nur, wie es gehen könnte, welches schlaue Buch es ganz neu zu dem Thema gibt, etc. Wenn du sagst: "Maximilian, ich habe damit kein Problem." Gut. Aber ich merke, dass es mir oft so geht. Und es nervt mich.

Wir müssen das Wissen anwenden! Klingt banal, ist aber der alles entscheidende Schritt. Noch ein Beispiel: Wir wollten mal einen einbetonierten Pfeiler ausgraben und haben da wirklich lange herumgewerkelt. Erfolg: Eher mäßig. Dann kam der Nachbar und sagt, dass wir ein großes Brett unten anbinden und den Pfeiler damit heraushebeln. Es dauerte nicht lange, da war das Ding draußen. Hebelgesetz in der Schule: Bringt absolut nichts, solang es nur Theorie bleibt. Aber wenn du das Wissen anwendest, dann läuft das Ganze wie geschmiert. Das nennt man dann Weisheit. Habe ich gehört.

Mir geht es darum, dass wir das Leben auf die Reihe bekommen. Nicht Selbstoptimierung, sondern Jesus ähnlicher werden. Dazu braucht es mehr als Wissen. Es braucht: Machen! Nicht labern und belabern lassen, sondern machen! Keine Ausreden, sondern Machen! Es fehlt uns nicht an Wissen, sondern an Willen und Disziplin. Wenn ich 'uns' sage, meine ich in erster Linie mich und du kannst selbst prüfen, ob du dich vielleicht auch angesprochen fühlst.

Mein großer Wunsch ist es mehr ein 'Macher' zu werden und nicht nur ein 'Wisser'. Ich würde mich auch freuen, wenn wir durch Beziehungen, Gemeinde, Freundschaften und Partnerschaften mehr und mehr dahinkommen, uns im konkreten Tun zu unterstützen. Echte Beziehung leben. Ermutigen. Korrigieren.

Wenn ich die Kolumnen schreibe, dann klingt es immer so, als ob ich ein 'Heiliger' wäre und einen Appell an dich richte. Wer mich kennt, weiß: Das bin ich nicht. Ich habe aber den großen Wunsch, dass wir mehr und mehr Jesus ähnlicher werden. Ankommen bei Ihm: Dem Weg, der Wahrheit und dem Leben.

Sei behütet! Ahoi