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18. April 2019

#15
Er hat es vollbracht

von Maximilian Stopp

18. April 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Maximilian Stopp


Er hat es vollbracht

Herzlich willkommen, heute möchte ich mit euch über eine Sache sprechen, die mir extrem wichtig ist und wo ich selbst immer wieder merke, dass ich da völlig am Ziel vorbei lebe. Im Grunde geht es darum, dass ich häufig zurückfalle in Religiosität und damit verbunden: Ein völlig falsches Gottesbild.
Ich wollte joggen gehen, habe mir dazu eine Predigt angemacht und nach einem Kilometer ging gar nichts mehr. Knöchel, Schienbein.. blöd. Ich bin dann nach Hause gelaufen und habe auf die Predigt (2. Samuel 7) gehört. Man muss dazu sagen: Es war sehr 'bescheidenes' Wetter und so sah es auch in mir aus, als ich da durch den Regen nach Hause lief.

Es ging darum, dass König David am Ende seines erfolgreichen Lebens einen Tempel für Gott bauen wollte, aber Gott lässt ihn deutlich wissen: "Nicht du, nicht jetzt." Es geht jetzt zu weit eine 45-Minuten-Predigt wiederzugeben, aber kurz der Kerngedanke. David regierte über das Volk Israel, das nach vielen Jahrhunderten endlich in Frieden lebte. Ihm ging es blendend und er wohnte in einem prächtigen Palast, aber die heilige Bundeslade hatte keinen solchen Platz. David wollte das ändern und einen Tempel für Gott bauen. Eigentlich ein gutes Vorhaben, aber es wird schnell ersichtlich, dass da noch ganz andere Motive mitschwingen. Genau um diese geht es mir. Davids Gedanke war: "Ich baue dir einen Tempel.. und dann: segne mich!" Deshalb greift Gott auch ein.

Nehmen wir diesen Gedanken mal mit in mein und vielleicht dein Leben. Die Vorstellung: "Zuerst muss ich etwas tun und dann bin ich würdig, Gutes von Gott zu empfangen." ist der größte Irrtum. Es stellt die Kernbotschaft des Christentums auf den Kopf. Ich will das endlich tief in meinem Herz wissen: "Ich bin genug und ich bin geliebt." Du darfst das auch wissen und dir an deinen Spiegel schreiben: "Ich bin geliebt." Es ist das Prinzip der unendlichen Gnade, das wir scheinbar nie so richtig begreifen können. David war auch gerade dabei das zu vergessen bzw. etwas zu verwechseln.

In der Antike war es üblich, dass ein König nach siegreichen Schlachten einen Tempel für seinen Gott baut, dann kommt der Priester, klatscht in die Hände und sagt: "WEIL du das alles für deinen Gott getan hast, sollst du gesegnet sein." Mal ganz ehrlich: Dieses Wort 'weil' hat die gleiche Bedeutung wie: 'Wenn.. dann..'. Es ist an Bedingungen geknüpft. Regeln. Forderungen. Und ganz viel 'du musst'. Dieser Gedanke hat aber rein gar nichts mit dem Kern des Christentums zu tun. Das erklärt Gott auch David, indem er ihm deutlich macht: "Ich habe dich von den Schafherden geholt; ich habe dich zum König gemacht; ich habe deine Feinde besiegt; [..] und ich werde es sein, der dich in Zukunft versorgt und deinen Nachkommen einen ewigen Thron errichtet." – und das alles, obwohl sich David den ein oder anderen Fehltritt erlaubt hat, wenn man Mord und Ehebruch denn so nennen will.

Gott ist treu, er ist gnädig und er ist anders. Das unterscheidet das Christentum von allen Religionen dieser Welt. Gott sei Dank. Stell dir eine Beziehung vor, die auf dem Prinzip 'Wenn.. dann..' gebaut ist. Kinder werden nur noch geliebt, wenn sie mindestens eine 2 in Mathe haben; Liebe und Sex gibt es nur, wenn der Gehaltszettel stimmt; liebevolle Pflege nur, wenn das Testament nochmal geändert wird. Leistungsdruck statt Liebe. Es wäre eine traurige Welt. Eine Welt, die nur noch Platz für die vermeintlich Starken hat.

Mein Vater hat mir ein Bild geschickt: 'Fridays for Future' und darauf zu sehen ein Kreuz und der Spruch: "Karfreitag. Seit damals bis heute. Danke, Jesus!" David konnte das noch nicht wissen, aber wir wissen es doch. Alles ist vollbracht. Nicht durch dich, mich oder deinen Pastor, sondern durch Jesus Christus, den Erlöser und Retter. Morgen ist Karfreitag. 'Karfreitag for Future' quasi.

Manchmal stelle ich mir vor, wie Gott im Himmel sitzt und auf uns hinunterschaut. Bedingt durch meinen begrenzten Horizont sehe ich ihn dort sitzen: Irgendwas zwischen Kopfschütteln, Zorn, Nägel kauen und sich wundernd: "Warum begreifen die da unten das denn nicht? Ich habe doch alles getan. Es hat mich alles gekostet. Warum um alles in der Welt machen die es sich so schwer? Genügt denn meine Gnade nicht?"

Gott hat bestimmt ganz andere Gedanken, aber so stell ich mir das nun mal vor. Mein Gebet ist es, dass wir endlich aus Gnade leben und damit verbunden in einer Freiheit, die wir erst erfahren, wenn wir das 'Wenn.. dann..' aus unseren Köpfen und unserem Handeln verbannen. So tickt Gott nicht. Im Gegenteil. Gott spricht dir zu: "Es ist vollbracht. Ich habe es vollbracht. Nimm meine ausgestreckte Hand. Greif zu!"

David gehorcht. Er begreift, dass Gott FÜR ihn ist. Er schreibt den Psalm 96. Vielleicht findest auch du 2-3 Minuten, um dir den Psalm durchzulesen und Gott 'Danke' zu sagen.

Er hat es vollbracht.