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21. März 2019

#13
Vollgestopft, aber nicht satt

von Maximilian Stopp

21. März 2019
Lesedauer: 4 Minuten
Von Maximilian Stopp


Vollgestopft, aber nicht satt

Willkommen zur nächsten Ausgabe von 'Ebbe und Flut' – heute heißt das Thema: Sehnsucht.

Die letzten Wochen hatte ich wirklich keine Lust auf den Gottesdienst in unserer Gemeinde. Auch vergangenen Sonntag habe ich mich mehr oder weniger überreden lassen, auch weil mein Kopf gesagt hat, dass es eigentlich gut ist.
Da saß ich nun und als die ersten Takte der Lobpreismusik gespielt wurden, wollte ich am liebsten wieder gehen. Irgendwie kam es mir vor als würde ich in einer Dauerschleife festhängen. Nach dem Motto: "Und sonntäglich grüßt der Pfarrer." Ich war innerlich richtig angespannt und fast schon aggressiv. Ich hatte die Schnauze voll. Ich habe versucht zu beten und auf einmal spielte die Band ein Lied und eine Zeile darin war: "Es gibt keinen Ort wo ich lieber wär', als in deinem liebenden Arm." Ich war richtig tief berührt und plötzlich ruhig, denn ich erkannte auf einmal, dass ich eine tiefe Sehnsucht nach Gott hatte und mein Frust in Wahrheit ein Mangel war. Genau das war mein Wunsch: Einfach in Gottes Arm sein.
Ich glaube, als Kind ist der Schoß des Vaters oder der Mutter der sicherste Ort der Welt. Nichts kann passieren. Man spürt diese Nähe, Liebe und Geborgenheit. Man darf weinen, erzählen, lachen und einfach sein.

Lasst mich ein paar Gedanken zum Thema 'Sehnsucht' verlieren. Ich werde dabei auf eine Predigt zurückgreifen, die ich die letzten Tage gehört habe. Der Mensch ist ein 'Sehnsuchtswesen' und manchmal ganz unterschwellig und zum Teil laut und aufdringlich stellen wir uns - durch die Sehnsucht motiviert - die Frage: "Da muss es doch noch mehr geben!?" Oftmals bringt es uns dazu in der Vergangenheit zu leben und in die Zukunft zu schauen. Wir trauern den 'guten alten Zeiten' hinterher oder flüchten uns in eine vielversprechende Zukunft, wo es diesen Mangel dann nicht mehr geben wird. Das klassische Beispiel ist die Sehnsucht nach einem liebevollen Partner. Du empfindest einen Mangel, blickst vielleicht zurück, wie glücklich du früher mit XY warst und flüchtest dich in eine Zukunftsvision, in der du mit deinem neuen Partner die Welt entdeckst, kuschelnd auf dem Sofa liegst oder eine Familie gründest. Dann bewirkt Sehnsucht Flucht aus dem Alltag und führt häufig dazu, dass du im Hier und Jetzt viele Sachen nicht wirklich auf die Reihe bringst. Natürlich sind Zukunftsträume und Trauer in einem gewissen Maße gesund und normal.

In Psalm 42 heißt es: "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott." Der Psalm geht natürlich noch weiter und wir lesen da von Tränen, schlaflosen Nächten und einer unruhigen Seele. Alles – Körper, Seele und Geist – ist davon betroffen. Diese Sehnsucht kann man auch als eine 'sehnliche (leidenschaftliche) Suche unserer Seele nach einem Gegenüber' verstehen. Sie entspringt unserer Seele, die einen Mangel verspürt, der viel tiefgreifender als ein Trieb oder ein rein körperliches Verlangen ist. Wir haben das Glück, dass wir bei Hungergefühlen zum Kühlschrank laufen können – oder zum Dönerimbiss des Vertrauens. Aber wie sieht es mit der Sehnsucht der Seele aus?

Jetzt gibt es ja auch den Wortteil 'Sucht' in Sehnsucht – und das ist nicht unberechtigt, denn wenn wir einen Mangel empfinden, dann wollen wir diesen Mangel beseitigen. Das Muster ist immer gleich: Als Ausgangspunkt steht ein Mangel unserer Seele. Du trinkst ein Bier und es geht dir etwas besser, daran gewöhnst du dich und mit der Zeit trinkst du zwei, dann drei, .. und irgendwann bist du abhängig.
Entschuldigt bitte, das war sehr plakativ. Aber im Grunde läuft das genau in dieser Art und Weise ab und ist übertragbar auf Schokolade, Sex, Sport, Anerkennung, Macht, Geld. Es gibt Leute, die bauen sich das fünfte Haus und sparen auf das sechste. Ich kenne keinen Vogel, der sich sagt: "Ach.. jetzt habe ich das Nest zwar fertig und alles passt, aber hier liegen noch Stöcke rum und deshalb bau ich noch fünf weitere.. damit bin ich dann die geilste Amsel im Walde und endlich glücklich." Deshalb gibt es außer Hauskatzen auch keine übergewichtigen Tiere. Die laufen nämlich nicht zum Kühlschrank in der Erwartung, dass dessen Inhalt sie dauerhaft glücklich macht. Klingt hart, ist aber in vielen Fällen so. Ich spreche aus Erfahrung. Sucht ist also eine Abhängigkeit von einer Sache, mit der du deine Seele sättigen willst. Aber eine Seele füttert man eben nicht mit Schokolade, Sex, Alkohol oder Sport. Vom Wesen her sind diese Dinge einfach nicht geeignet, um die Seele satt zu machen. Ein Schnaps hilft vielleicht beim Verdauen, aber wenn du richtig Durst hast, ist Wasser dann doch die bessere Wahl.

Liebeskummer und Trauer entstehen meist durch die Trennung von einem geliebten Menschen. Bleiben wir bei der Liebe. Gott hat Mann und Frau füreinander geschaffen; und den Menschen für eine Beziehung mit Ihm. Diese Parallele finde ich spannend. Ebenso, wie wir Sehnsucht nach einem menschlichen Gegenüber spüren, empfinden wir auch Sehnsucht nach Gott. Wenn du kein Christ bist und dir Gott hier etwas zu 'eng' gefasst erscheint, dann kannst du meine Gedanken vielleicht besser nachvollziehen, wenn du stattdessen sehnsüchtig auf der Suche nach 'dem Sinn des Lebens' bist, den wir als Christen eben in letzter Konsequenz in einer liebevollen Beziehung zu Gott sehen, die uns allein durch Jesus möglich wurde. Durch den Schöpfungsakt verankert Gott diese Sehnsucht nach einer Beziehung mit ihm tief in unserer Seele. Am Sonntag im Gottesdienst habe ich das spüren dürfen.

Nach der Taufe wurde Jesus vom Teufel 'versucht'. Nimm einmal das Wort 'verlaufen'. Dieses Wort beschreibt beispielsweise eine Wanderung, bei der du am Ende nicht im angestrebten Wirtshaus ankommst, sondern irgendwo in der Pampa. Ziemlich frustrierend, besonders wenn man sich auf ein kühles Bier gefreut hat. Aber was der eigentliche Punkt ist: Du merkst ziemlich schnell und eindeutig: Blöd gelaufen. Auch beim Elfmeterschießen macht der Ausruf des Kommentator "verschossen" ziemlich schnell deutlich, dass das Runde nicht im Eckigen untergebracht wurde. Der Teufel wollte also, dass Jesu Suche 'fehlschlägt'. Jesus fastete 40 Tage und hatte Hunger (Mangel) und der Teufel versuchte ihn, indem er ihn aufforderte, Steine in Brot zu verwandeln und diesen Mangel somit zu beseitigen. Aber Jesus ließ sich nicht fehlleiten, sondern richtete seine Sehnsucht an Gott und am Ende lesen wir, dass Engel herabstiegen und ihm dienten – sicher auch mit leckerem Essen. Niemand hätte davon erfahren; ebenso wenig wie andere davon erfahren, wenn wir heimlich unseren Süchten nachgeben. Da geht es zum einen um Disziplin, aber vor allem um Kraft, die Gott schenken kann. Die weiteren Versuchungen und Jesu Handeln könnt ihr bei Lukas 4 nachlesen.

Ich komme zum Ende: In Jeremia 29,13-14 steht geschrieben, dass wir Gott von Herzen suchen werden und er sich finden lässt. Genau da schließt sich der Kreis: Sehnsucht = Suche, die leidenschaftlich und motiviert ist durch einen Mangel nach Beziehung mit Gott. Diese Sehnsucht kann durch nichts (Besitz, Anerkennung, Party) und niemanden (Partnerschaft, Freunde und Familie) dauerhaft befriedigt werden und führt bei dem Versuch immer in eine Abhängigkeit. Klingt krass, ist aber so. In Johannes 10,10 steht die Lösung:

Der Dieb [Teufel] kommt nur, um die Schafe zu stehlen und zu schlachten und um Verderben zu bringen. Ich [Jesus] aber bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben in ganzer Fülle. – Johannes 10, 10

Verstehst du? Jesus kennt deine Sehnsucht, beseitigt den Mangel und schenkt dir wahres Leben – im Überfluss. Danke dafür. Amen.