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07. Februar 2019

#10
Wenn der Pool
nun aber ein Loch hat..

von Maximilian Stopp

07. Februar 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Maximilian Stopp


Wenn der Pool nun aber ein Loch hat..

Meine Kolumne 'Ebbe und Flut' wird zweistellig und ich bedanke mich bei euch, dass ihr weiterhin mit am Start seid. Irgendwie ist es doch schön und wertvoll das Leben gemeinsam zu bestreiten und Erfahrungen zu teilen. Im Rahmen der Kolumne ist das zwar erstmal relativ einseitig, denn ich schreibe und ihr lest, aber ich freue mich über Feedback, ermutigende Worte und Gespräche, die sich ergeben.

Im Moment fällt es mir schwer eine Kolumne zu schreiben, die voll ist mit tiefgreifenden Erkenntnissen oder Ermutigungen. Zu viele Dinge beschäftigen mich und deshalb möchte ich dir diesmal Fragen stellen, statt Ansätze von Antworten zu liefern.

Wenn man das Bild des Meeres und der Gezeiten einmal im Maßstab verkleinert, dann sind wir ganz schnell bei einem Swimming-Pool. Das ist etwas sehr Feines: Gerade, wenn es im Sommer mal so richtig heiß ist. Wir haben im Garten auch so eine kleine Blechbüchse und nutzen sie eher als Erfrischung, als zum ausgiebigen Schwimmen. Aber, was man unbedingt braucht, ist Wasser. Zu Beginn des letzten Sommers habe ich den Pool gründlich gereinigt und dann das Wasser eingelassen und es hat Stunden gedauert, ehe das Becken komplett gefüllt war – und das Ding hat einen Durchmesser von gerade mal 4m.

Als ich vor zwei Wochen von der "Ebbe" geschrieben habe, saß ich quasi auf dem Boden des Pools, die Sonne stand hoch am Himmel und, wenn überhaupt, war da lediglich noch eine kleine Pfütze im Becken. Am Montag darauf quälte ich mich dann zum Hauskreis. Ich hatte wirklich keine Lust; weder auf Gespräche, noch Gebet oder Lobpreis. Wir waren dann in einer kleinen und sehr intimen Runde und ohne, dass ich es heute noch genau beschreiben oder erklären kann, war es doch ein sehr friedlicher und guter Abend. Ich merkte, wie mein Pool gefüllt wurde – aktiv von außerhalb. Tropfen um Tropfen, Eimer um Eimer füllte sich das Becken und ich hatte zumindest an den Füßen eine wohltuende Erfrischung. Es tat gut und ich war wirklich dankbar über die Freundschaft und den Austausch und auch das Gebet.

Das Problem an dem Pool ist aber folgendes: Unten ist ein Loch und das Wasser läuft heraus und es kann ja nicht der Sinn des Lebens sein, oben mehr reinzuschütten, als unten herausläuft. Oder doch? Ist unser Leben nicht durch seine Imperfektion eben genau so ein Pool, der unten ein Loch hat?

Ich frage dich: Was sind deine undichten Stellen und Löcher, wo dir das 'lebendige Wasser' entweicht?

Wie füllen wir unseren Pool? Mühsam von eigener Hand? Mit dem Zahnputzbecher zum Dorfbach, ausleeren und schnell zurück? Haben wir irgendwo einen Eimer herumliegen? Oder gibt es gute Freunde und Familie, die immer mal 'Wasser nachschütten'? Ist es nicht ein mühevoller Kampf und erinnert nicht genau dieses Bild an die Arbeit des Sisyphos, der unentwegt den Stein auf den Berg rollt, dieser hinunterrollt und dann beginnt das Spiel von vorn?

Wenn wir in diesem Bild bleiben, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ich wähle die schon skizzierte Lösung und schütte oben mehr nach, als unten herausfließt oder ich stopfe die Löcher?

Camus hat in seinem Werk "Der Mythos des Sisyphos" geschrieben: "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen!"

Vielleicht besteht das Absurde des Lebens eben genau darin: Im immer-währenden Nachschütten.

Ich vermag im Moment keinen anderen Abschluss zu schreiben, als diese Fragen unbeantwortet im Raum stehen zu lassen. Ich freue mich auf philosophisch-theologische Anregungen und Gespräche. Ich werde auch weiter darüber nachdenken und dann in zwei Wochen vielleicht einige Ansätze zu den Fragen liefern können.

Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit und reichlich Segen.