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10. Januar 2019

#8
Hart aber fair

von Maximilian Stopp

10. Januar 2019
Lesedauer: 6 Minuten
Von Maximilian Stopp


Hart aber fair

Willkommen zur ersten Ausgabe von "Ebbe und Flut" im neuen Jahr und damit verbunden wünsche ich euch ein gutes Jahr 2019 und viel Freude beim Lesen der Kolumnen.

Sascha und Claire – zwei liebe Freunde und die Gründer von keineinsamerbaum – haben mir davon erzählt, dass Gott ihnen für das neue Jahr ein "geistliches Wort" auf's Herz gelegt hat und sie davon besonders herausgefordert und motiviert sind in dieser Sache zu wachsen. An Heiligabend habe ich mir nachmittags eine Predigt bei YouTube angehört und davor bewusst gebetet, dass Gott zu mir spricht und ich mir etwas mitnehmen kann. Die Predigt war spannend und auf einmal fiel ein Wort und mir war klar: Das ist mein Wort für 2019!
Ich kann das nicht beschreiben, aber es hat mich sehr bewegt und in mir gab es keinen Zweifel darüber. Ich glaube, so redet Gott oft zu uns. Jetzt wollt ihr sicherlich wissen, welches Wort mir da ins Herz gesprungen ist. Trommelwirbel. Konfettikanone. Es ist: "Gehorsamkeit". Wundert euch also nicht, wenn es in den nächsten Kolumnen immer mal um dieses Thema gehen wird – gerade auch in Bezug auf Nachfolge.

In der letzten Kolumne hatte ich euch davon erzählt, dass ich Bonhoeffers Buch "Nachfolge" bestellt habe und mich darauf freue. Es ist da und ich bin begeistert. Deshalb möchte ich heute nochmal ein paar grundlegende Dinge zum Thema Nachfolge schreiben und dir die Relevanz des Themas für dein Leben mit Jesus aufzeigen.

Zuerst einmal ein paar Fakten: Das Thema Nachfolge/Jüngerschaft wird im neuen Testament über 250-mal erwähnt und wir sind als Christen berufen, Nachfolger zu sein. Wir sind auch nicht als Nachfolger einer bestimmten Konfession, Glaubensrichtung oder Gemeinde berufen; ebenso wenig als Nachfolger einer Lehre, sondern zu Nachfolgern Jesu Christi. Er ist der Zielpunkt.
Ein positiver Aspekt der Nachfolge ist, dass sie höchst effizient ist. Nehmen wir an, es gäbe im Jahr 2019 nur noch einen überzeugten Christen und dieser nimmt sich immer ein ganzes Jahr Zeit nur einen anderen Menschen in die Nachfolge Jesu zu führen und diese tun es ihm gleich. Wie lange dauert es wohl, bis die gesamte Menschheit die frohe Botschaft gehört und angenommen hat? Ich beginne mal eine Rechnung:
Im Jahr 2019 starten wir mit einer Person. 2020 sind es schon zwei, 2021 schon vier […] und nach 34 Jahren sind es weit über 10 Milliarden Menschen. Diese Rechnung ist zugegeben etwas plump, aber der Kern der Sache kommt zur Geltung. Wenn du Christ bist, handelt es sich bei Nachfolge nicht um eine Option – nicht um ein 'nice-to-have', sondern um einen wesentlichen Bestandteil deines Glaubens.
Vielleicht waren da jetzt ein paar neue und interessante Informationen dabei; nun aber zum eigentlichen Thema.

Neben mir auf dem Schreibtisch liegt gerade ein weißes Blatt Papier und ich versuche ein Bild zu entwickeln, was es mit der Nachfolge so auf sich hat und dabei schwirren mir noch tausend Fragen im Kopf herum. Ich versuche dir die Dinge, die ich schon halbwegs verstanden habe, zu skizzieren. Es gibt da also Jesus und er ruft dich in die Nachfolge. Manchmal frage ich mich – und ich höre diese Frage auch oft in meinem Umfeld – was denn nun meine Berufung ist? Darauf gibt es eine klare Antwort. Deine erste Berufung ist es Jünger Jesu zu sein und neue Jünger zu machen – und diese Berufung hat jeder Christ.

Das Thema Nachfolge ist so komplex und zum Teil auch gegensätzlich zu unserem heutigen Bild vom 'Christ sein', dass es zwingend notwendig ist, die Dinge klar zu differenzieren.
Beginnen wir mit einer Bibelstelle, in der Jesus Levi begegnet und sagt:

Jesus sagte zu ihm: »Folge mir nach!« Da stand Levi auf und folgte Jesus. – Markus 2,14b - NGÜ

Auf den gleichen Ruf ließen die beiden Fischer Simon und Andreas ihre Netze zurück und folgten ihm nach. Die Reaktion der Gerufenen auf den Ruf ist gehorsames Tun und geht weit über ein gesprochenes Bekenntnis des Glaubens hinaus. Das Gegenüber von Ruf und Tat ist völlig unvermittelt. Warum interessieren wir uns dann für psychologische Begründungen dieser frommen Entscheidungen? Es gibt nur den einen Grund: Jesus selbst. Er ruft in Autorität und der Gerufene folgt im Gehorsam. Der Blick wird auf Jesus gerichtet, nicht auf die Jünger. Keine Lobhudelei für die Entscheidung der Nachfolger. Nichts.
Es gibt ja die Fernsehsendung "Hart aber fair" und genau so möchte ich es hier formulieren: Der einzige Weg zum Glauben, ist Gehorsam gegenüber dem Ruf Jesu.

Klingt schon wieder ziemlich krass, aber es wird noch besser. Levi wird gerufen und er folgt. Das Folgen hat in sich selbst keinen Wert. Mich haut das gerade um – geht es dir auch so? Das Folgen ist in sich allein inhaltslos. Wie oft reden wir von Plänen und Lebensentwürfen, von Moral und dem Sinn einer Handlung. Wir wägen ab und stellen uns die Frage, ob sich der ganze Aufwand denn auch lohnt. Levi ist gehorsam. Levi folgt und bindet sich damit an Jesus und lernt ihn kennen. Nochmal 'hart aber fair' – diesmal direkt von Bonhoeffer für uns:

"Ein Christentum ohne den lebendigen Jesus Christus bleibt notwendig ein Christentum ohne Nachfolge, und ein Christentum ohne Nachfolge ist immer ein Christentum ohne Jesus Christus; es ist Idee, Mythos." – Bonhoeffer

Wenn 'Hart aber fair' so hart aber fair wäre, würde ich es öfter gucken. Diese Aussagen haben Pfeffer.

Ich schließe für diese Woche mit einem Beispiel, das die Aussagen noch einmal zusammenfasst und ganz am Ende bemühe ich noch einmal die Sendung.

Folgende Situation: Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs und wir befinden uns in dieser Geschichte schon im 14. Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Seine Jünger haben also schon eine ganze Menge mit Jesus erlebt. Nach der "Speisung der 5000" stiegen die Jünger in ein Boot und fuhren auf die andere Seite des Sees.
Jesus blieb allein zurück und betete und als das Boot schon weit auf dem See war – noch dazu gab es ein großes Unwetter – kam Jesus ihnen entgegen. Er lief auf dem Wasser.

Als sie ihn auf dem Wasser gehen sahen, wurden sie von Furcht gepackt. »Es ist ein Gespenst!«, riefen sie und schrien vor Angst. Aber Jesus sprach sie sofort an. »Erschreckt nicht!«, rief er. »Ich bin´s. Ihr braucht euch nicht zu fürchten.« Da sagte Petrus: »Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!« - »Komm!«, sagte Jesus. Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser auf Jesus zu. – Matthäus 14, 26-29 - NGÜ

Jesus ruft Petrus auf das Wasser. Petrus folgt und er läuft auf dem Wasser. Dieses 'auf dem Wasser laufen' ist in sich völlig inhaltslos. Ja, bestimmt eine coole Sache, aber nicht 'heilsentscheidend'. Aber es ist zwingend notwendig und zwar aus einem einzigen Grund: Allein der Ruf Jesu rechtfertigt das Verhalten Petrus'.
Es gibt einen weiteren Satz von Bonhoeffer:

"Nur der Glaubende ist gehorsam, und nur der Gehorsame glaubt." – Bonhoeffer

Den ersten Teil verstehen wir leicht. Es ist das Prinzip: Ein gesunder Baum, bringt gesunde Frucht. Nicht falsch verstehen: Wir sind allein aus Glauben gerettet. Aber 'Glaube ist nur in der Tat des Gehorsams Glaube'. Gehorsam ist also sowohl Folge des Glaubens, als auch Voraussetzung des Glaubens. Zurück zu Petrus: Er ist gehorsam (aus Glauben) und durch sein Gehorsam wächst sein Glauben. Das Wachstum des Glaubens ist einziger Inhalt des 'auf dem Wasser Laufens'. Hier knüpfe ich demnächst an.

Das Buch "Nachfolge" ist wärmstens zu empfehlen. Ahoi und bis zur nächsten Ausgabe von "Ebbe und Flut". Sei gesegnet – auch mit Erkenntnis über das Thema Nachfolge.

PS: Ich freue mich über eure Gedanken, Feedback und Anregungen.