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08. November 2018

#5
Kürbiskuchen und der Gegenstand des Glaubens

von Maximilian Stopp

08. November 2018
Lesedauer: 4 Minuten
Von Maximilian Stopp


Kürbiskuchen und der Gegenstand des Glaubens

In dieser Kolumne möchte ich dir einen Einblick in meine aktuellen Gedanken geben. Die wirken gerade noch etwas abstrakt und es wird zeitweise philosophisch – aber keineswegs zum Selbstzweck, sondern um mich einer Frage anzunähern, die mir sehr wichtig erscheint. Es geht um den Glauben und welchen Zugang wir – jeder einzeln – dazu haben. Ich freue mich, dass du mich auf dieser kurzen Reise begleitest. Los geht's mit dem ersten Teil..

Niklas, mein neuer Mitbewohner, hat in kurzer Zeit viele Sympathiepunkte bei mir gesammelt. Das liegt natürlich vorrangig daran, dass er ein guter Typ ist, aber auch an dem Umstand, dass er echt guten Kürbiskuchen backen kann. Nun ist das beim Backen nun einmal so, dass es ein Rezept gibt. Wenn man das befolgt und den Kuchen nicht im Ofen vergisst, kann man darauf vertrauen, dass am Ende etwas Leckeres dabei herauskommt. Bei ihm funktioniert das.

Bekanntlich gibt es verschiedene Rezepte für den perfekten Kürbiskuchen. Kürbis sollte schon rein, da sind wir uns sicher schnell einig. Aber was noch? Äpfel? Nüsse? Zimt und Nelken? Oder nur Nelken? Schokolade? Oder doch lieber eine Himbeertorte backen?

Es gibt zahlreiche Rezepturen und ebenso viele Geschmäcker; und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Stimmt. Wenn ich nun allerdings "Niklas' Kürbiskuchen" mag und ihn daheim nachbacken möchte, dann muss ich mich an sein Rezept halten.
Tausche ich Nüsse gegen Äpfel, lasse den Zimt weg und überzieh den Kuchen zusätzlich mit Schokolade, dann erhalte ich mit etwas Glück auch einen richtig leckeren Kuchen. Aber mit "Niklas' Kürbiskuchen" hat das dann nichts mehr zu tun; mag der Kuchen noch so lecker sein.

Falls du dich fragst, warum ich dir das erzähle, dann folgt jetzt der erste Bezug zum Glauben. Es gibt viele unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen und man kann unterschiedliche Positionen vertreten; und sich auch kritisch damit auseinandersetzen und diskutieren. Wenn ich allerdings über das Christentum sprechen möchte, dann sollte ich das 'originale Rezept' kennen und betrachten und nicht die veränderten Rezepturen; weder die verwässerten noch die überwürzten.

Der erste Punkt ist somit: Welchen Namen gebe ich den Dingen und rede ich über das 'gute Rezept' oder die eigene Interpretation des Rezepts oder gar die schlechte Umsetzung. Ich mache es noch einmal an einem Beispielen konkret.

Bei einem Gespräch über den Glauben sagte mir jemand, dass er Christ ist und als ich dann nachgefragt habe, was das für ihn denn bedeutet, kam heraus, dass Jesus keine große Rolle spielt. Aber eben die Ideen und die Lehre des Christentums. Es tut mir leid, aber so ist das nicht gedacht. Christ ist man, wenn man an Jesus Christus als den gestorbenen und auferstanden Sohn Gottes glaubt und seine Vergebung und Gnade in Anspruch nimmt. Eine Himbeertorte ist kein Kürbiskuchen, auch nicht, wenn er gut schmeckt; und auch nicht, wenn es die beste Himbeertorte ist, die du je gegessen hast.

Jesus erhebt den Anspruch "Weg, Wahrheit und Leben zu sein". (Johannes 14, 6)

Ein weiterer Punkt ist mir um ein Vielfaches wichtiger und darf mit dem ersten Punkt nicht verwechselt werden. Ich gebrauche ein neues Bild. Es geht dabei um den Gegenstand des Glaubens. Klingt super sperrig, ich weiß. Was ich damit meine, möchte ich dir kurz erläutern: "Der Gegenstand des Glaubens ist keine Lehre und kein Lehrer, sondern die Existenz des Lehrers."

Wie Kierkegaard sagt, nimmt man zu einer Lehre immer ein intellektuelles Verhältnis ein. Das kann auch gar nicht anders sein. Ein Beispiel: Stell dir vor, du willst 10 Kilo abnehmen. Ein guter Freund gibt dir zahlreiche Tipps: Dreimal in der Woche Joggen, nur Salat essen, kein Alkohol, abends gegen 21 Uhr ins Bett. Weiterhin empfiehlt er alkoholfreies Hefeweizen von Erdinger und bunte Unterwäsche, weil diese zum Sport motiviert; insbesondere gelbe Socken. Was er dir rät, ist seine Lehre. Mit dieser kannst du dich intellektuell auseinandersetzen, einzelne Dinge nachlesen, andere Leute fragen und vielleicht entscheidest du dich einige Ratschläge umzusetzen, andere zu variieren und das mit den gelben Socken lässt du bleiben. So geht man mit einer Lehre um. Man hinterfragt sie und nähert sich damit intellektuell. Ein weitere Punkt ist, dass es entscheidend ist, wer dir etwas empfiehlt. Einem Freund, der selbst jedes Jahr 3 Kilo zu- statt abnimmt, nimmt man weniger ernst als einen Fitness- und Ernährungscoach, der selbst ein lebendes Beispiel dafür ist, dass seine Lehre funktioniert.

Der zweite Aspekt sagt, dass der Gegenstand des Glaubens auch kein Lehrer ist. Verständlich; denn jeder gute Lehrer wird seine Lehre höher bewerten als seine eigene Person. Sofort ist man wieder bei einem intellektuellen Zugang.

Der Gegenstand des christlichen Glaubens ist also die "Existenz des Lehrers".

Halten wir das an dieser Stelle mal so fest. Ziel ist es nicht, dich mit abstrakten Gedankengängen zu langweilen, sondern einen entscheidenden Punkt im Glauben an Jesus Christus herauszuarbeiten. Kurz gesagt: "Wenn wir das Christentum in eine Lehre verwandeln wollen, entziehen wir ihm alle Kraft." Wir lassen das mal so stehen und beim nächsten Mal geht es genau hier weiter. Danke, dass du dabei bist. Ahoi.