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27. September 2018

#2
Zweifel sind Realität

von Maximilian Stopp

27. September 2018
Lesedauer: 3 Minuten
Von Maximilian Stopp


Zweifel sind Realität

Ich freu mich, dass du mit an Bord bist und die zweite Ausgabe meiner Kolumne zumindest angefangen hast, zu lesen. Über das Feedback, das mich erreicht hat, habe ich mich gefreut und ich ermutige euch – gern auch per Kommentar oder Email – eure Meinungen und Erfahrungen zu den Themen weiterhin zu teilen. Damals wie heute liegt mir viel daran, dass möglichst alle Menschen in meinem Umfeld denken, dass ich nicht ganz doof bin. Zuweilen definiere ich mich darüber und vielleicht war das auch ein Motivator immer viel zu lesen und die Welt verstehen zu wollen.
Ich kann mich erinnern als sonntags nach dem Tatort noch Sabine Christiansen und später Anne Will und Günther Jauch in der Flimmerkiste liefen und ich die Diskussionen - wenn man sie denn so nennen mag - neugierig verfolgte. Ich weiß nicht warum, aber es hat ziemlich lange gedauert, bis mir aufgefallen ist, wie sinnfrei diese Sendungen über lange Strecken waren. Ähnlich verhält es sich bei aktuellen Formaten: Die Talk-Gäste unterteilen sich in zwei Lager und profilieren sich, unterwerfen sich bisweilen dem Zeitgeist und dem klatschfreudigen Publikum, erbetteln sich Sympathien beim Zuschauer und gehen mit abgedroschenen Parolen auf Wählerfang. Es wird eine Stunde gestritten und vermeintlich um Wahrheit gerungen. Aber kein einziges Mal habe ich es erlebt, dass jemand aufgestanden ist und gesagt hat: "Ich bin heute mit Meinung A in die Sendung gekommen, aber nachdem Sie mir so überzeugend ihre Meinung B geschildert haben, komme ich zu dem Schluss, dass ich falsch lag und gebe Ihnen recht." Das passierte nie. Niemals.
Aber warum nicht? Haben diese Menschen keine Zweifel an der absoluten Richtigkeit ihrer Meinung? Das glaube ich nicht. Ist es blanker Stolz, der die Leute davon abhält, öffentlich zu bekennen, dass Sie sich geirrt haben? Vielleicht. Aber ist es auch nicht viel mehr ein: "Ich will nicht glauben, dass ich falsch lag"? Ich glaube schon.
Auch in Gesprächen, die ich führe, fällt mir auf, dass es selten vorkommt, dass man seine Meinung öffentlich ändert. Ich tue das selten und auch andere können sich nur sehr sporadisch dazu durchringen. Deshalb reduziere ich in letzter Zeit auch WG-Party-Küchengespräche über "Gott und die Welt" und das alles nach 3 bis 4 Bier. Zumindest habe ich nicht mehr die naive Illusion, dass mein Gegenüber, das jahrelang mehr oder weniger gut ohne Gott zurechtgekommen ist, genau heute Abend seine Meinung ändert, mir auf die Schulter klopft und sagt: "Danke Max, jetzt leuchtet mir das alles ein! Wie kann ich mich bekehren?" So funktioniert das nicht. Zumindest nicht bei mir.
Ich selbst und auch andere Menschen brauchen – und zwar regelmäßig – die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Ich kann hundertmal Predigten über Gnade hören – sogar gute Predigten; das soll es ja vereinzelt noch geben – und ermutigende Bibelverse geschickt bekommen. Es verpufft. Was mir hilft, ist, wenn Gott wirklich eingreift und ich von seiner Liebe und auch Weisheit überflutet werde. Der Moment, wo du wirklich spürst, dass du aus Gnade gerettet und wirklich geliebt bist. Diese kurzen Augenblicke, wo du dein letztes Hemd für Jesus geben würdest – und zwar aus voller Freude, Überzeugung und Liebe, weil du überfließt; weil dein Herz seine Liebe, die er Badewannen-weise über dir ausschüttet, nicht fassen kann. Aber mal ehrlich: Wie oft hast du diese Momente und wie groß ist deine Sehnsucht danach?
Zweifel und Durststrecken gehören zum Leben dazu und warum sollte unser Glaubensleben von diesen Zeiten der geistlichen Ebbe ausgeschlossen sein. Nein, das wäre nicht logisch. Wenn ich die Bibel lese, dann kommt es mir manchmal verrückt vor, dass ich das, was in der Bibel steht, glaube. Ja, oftmals glaube ich es nicht einmal. Jungfrauengeburt, ein Gott, der selbst Mensch wird und für unsere Sünden stirbt – freiwillig und aus lauter Liebe – und dann aufersteht, in den Himmel auffährt, uns seinen Geist schenkt und uns zur Nachfolge aufruft. Mal ehrlich: klingt schon krass; ist es auch.
Diese Dinge stehen im Glaubensbekenntnis, das Sonntag für Sonntag Millionen von Christen beten. Aber glauben Sie das? Also ich meine so richtig? Wie viele Christen singen Woche für Woche "Ich gebe dir mein Herz und alles, was ich bin; um deinetwillen, Herr, leg ich alles vor dich hin"? Unsere Bekenntnisse und Lobpreislieder sind radikal. Aber sind es nur Lippenbekenntnisse oder ist es unsere tiefe Überzeugung? Das Fundament auf dem wir unser Leben bauen? Die eine Wahrheit?
Im letzten Teil habe ich davon geschrieben, dass wir auf der Erde nicht wirklich viel Zeit haben. Warum sollte ich dann mein Leben nach Jesus ausrichten? Das ergibt doch nur Sinn, wenn ich eine feste Überzeugung, einen starken Glauben habe.
Lasst uns mal ein Szenario kreieren: Wer in deinem Umfeld hat deine ausdrückliche Erlaubnis in dein Leben sprechen zu dürfen? Wer darf dir ehrlich sagen, dass deine Lebenspläne auf Sand gebaut sind und du dein Leben an die Wand fahren wirst, wenn du genau so weiter machst?! Also ich lasse mir das nicht von jedem x-beliebigen Typen sagen. Aber es gibt Menschen, denen ich so stark vertraue, dass ich meine Pläne zumindest überdenke oder gar ändere. Es geht um Vertrauen. Um echten Glauben daran, dass Sie es gut mit mir meinen und die Situation kennen.

Ich denke bei dem Thema an Markus 9. Als ein Vater Jesus bittet seinen Sohn von einem unreinen Geist zu befreien, wenn er es denn könne; und darauf antwortet ihm Jesus: "Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Darauf sagt der Vater: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben!". Genauso geht es mir manchmal. Ich glaube und dennoch ist mein Glaube durchdrungen von Zweifeln und deshalb bete ich dafür, dass Jesus meine Glauben stärkt. Ich will in seinem Namen Berge versetzen. Ich will das wirklich. Lass uns da dranbleiben.

Das war heute alles etwas viel, aber wir sind ja auch gerade noch in der Phase uns kennenzulernen. Ich nehme mir jetzt zwei Wochen Zeit und ordne meine Gedanken. In zwei Wochen heißt der Titel dann "Zweifeln erlaubt". Bis dahin.. Ahoi.