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30. April 2020

#34
Zeit, Gedanken und Wir

von Raphael & Ramona Bellmann

30. April 2020
Lesedauer: 3 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Zeit, Gedanken und Wir

Es geht gerade wahrscheinlich vielen so, dass sie gerade viel allein sind und ihnen langsam die Kreativität abhandenkommt, was man nicht alles noch machen könnte. Es gibt im Internet ja ganz viele Tipps und Tricks, wie man die Zeit zu Hause sinnvoll nutzen kann, ja dass man sich selbst sogar optimieren kann.
Was am Anfang noch begeistert angegangen wurde, ist mittlerweile vermutlich etwas, was im Hinterkopf schlummert. Mit der Zeit kommen auch die Gedanken, sie fangen an zu kreisen, zu nerven, und der Ausweg ist die Ablenkung.

Große Streamingdienste haben ja in letzter Zeit nicht ohne Grund einen höheren Profit zu verrechnen. Und da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen.
Ablenkung ist so viel leichter, als sich mit sich selbst zu beschäftigen. Gut gemeinte Ratschläge, die man überall bekommt, dass man die Zeit nutzen kann um kreativ zu sein, produktiv zu sein und Dinge zu tun, die man sonst nie getan hätte, hinterlassen eher ein schlechtes Gewissen, als dass sie produktive Begeisterung auslösen. Mit dem schlechten Gewissen kommen schlechte Gedanken und die müssen weg, also ist Ablenkung wieder der einzige Zufluchtsort.

Ihr merkt, es ist ein Kreislauf. Eine Spirale der Gedanken und Verhaltensmuster.
Und was ich jetzt sagen werde, klingt bestimmt wie ein Ratschlag, den man mittlerweile an jeder Straßenecke im Internet findet: Lass deine Gedanken zu Gebeten werden. Dieser Ratschlag soll aber nicht dazu da sein, dich zu motivieren, um dich selbst zu optimieren und produktiv zu sein.
Was ich damit sagen möchte ist, dass es in Ordnung ist, wie es dir geht. Es ist okay, dass du in negative Gedankenstrudel gerätst. Es ist okay, dass du einfach keine Lust mehr hast, dauernd im Hinterkopf zu haben, dass du die Zeit besser nutzen solltest und du aus dir eine bessere Person machen musst als die, die du vorher warst. Und eins kann ich dir sagen: Du bist nicht allein.

Es gibt da jemanden, der hat Interesse an dir. So, wie du dich gerade fühlst und so, wie du gerade bist. Vielleicht bist du enttäuscht von dir, weil du nicht so agierst, wie es die anderen und die Medien wollen, oder du selbst es von dir erwartest. Aber Gott ist das nicht wichtig. Er ist nicht enttäuscht von dir. Du bist ihm wichtig! Du in deiner jetzigen inneren und äußeren Form.
Vielleicht hast du dich ja bereits innerlich verbarrikadiert und einen inneren Bunker geschaffen, der dich vor blöden Gedanken, Ansprüchen und was auch immer schützen soll. Ich möchte dich dazu ermutigen, Gott in diesen Bunker mitzunehmen. Du musst auch vorher nicht aufräumen und dich davor auch nicht duschen. Lass ihn in deine Gedankenwelt mit hinein, dann bist du auch nicht allein.
Du musst auch nicht krampfhaft versuchen, deine Gedanken zu einem Gebet zu formulieren oder schlechte Gedanken wegzudenken. Es reicht, Gott einfach nur sozusagen einzuladen und ihn mitzunehmen in dein Innerstes.
Ich durfte schon manchmal erleben, wie Gedankenspiralen, die ursprünglich nach unten gingen, nach oben gingen, einfach weil ich Gott gesagt hab, dass er etwas daraus machen soll. Es kam auch vor, dass ich trotzdem versucht habe, irgendwie die Gedanken zu einem Gebet zu formulieren und ich daran kläglich gescheitert bin, weil man manchmal halt nicht alles ausformulieren kann. Da hat es einfach gereicht, den inneren Fokus auf Gott zu legen und sich seiner Gegenwart bewusst zu sein, und die Gedankengänge haben sich verändert.
Du musst dich nicht erst optimieren, damit du als gut befunden wirst. Du bist bereits als sehr gut befunden worden. Und wenn du mal vergisst, wie toll du eigentlich gemacht wurdest, möchte derjenige, der dich gemacht hat, wieder daran erinnern.

Ich weiß nicht, ob es dir auch oft so geht, dass du in schlechte Gedankenspiralen rutschst und den Ausweg Ablenkung als Lösung ergreifst. Wenn ja, dann probiere doch einfach mal aus, Gott deine Gedanken zu geben. Nicht als schön formuliertes Gebet (was natürlich auch geht), sondern Gott als Mitdenker. Statt allein mit deinen Gedanken zu sein, kannst du bewusst in Gottes Gegenwart zusammen mit ihm den Gedanken Auslauf geben und gespannt sein, an welchen Punkten Veränderungen oder neue Gedanken aufkommen.