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12. September 2019

#19
Alltagsfrust und Gottes Liebe

von Raphael & Ramona Bellmann

12. September 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Alltagsfrust und Gottes Liebe

Wahrscheinlich kennt es jeder: Man sitzt im Wartezimmer, langweilt sich und mit der Zeit steigt auch der Frust. Und dann kommt jemand an die Reihe, der doch viel später kam als man selbst. Wie unfair! Oder an der Kasse macht jemand einen Fehler und dadurch steht man nur noch länger und unnötig herum. Wie anstrengend! Oder bei einer Kaffeeausgabe hat der Mensch vor einem den letzten Schluck bekommen, sodass man selbst leer ausgeht. Wie böse!
Wahrscheinlich fallen dir viele Situationen wie diese ein, in denen das Leben durch die Fehler und die Ungerechtigkeit anderer viel anstrengender wird, als es eh schon ist. Doch während man die Fehler und die Ungerechtigkeit anderer fokussiert und findet, scheint man selbst fehlerlos und die Gerechtigkeit in Person zu sein.

Doch warum sind wir so empfindlich, wenn es um unsere Zeit geht? Liegt unsere Zeit nicht in Gottes Hand und kann er damit nicht machen, was er will? Unsere Bedürfnisse werden schnell wichtiger eingestuft als die der anderen. Seien wir doch mal ehrlich. Ist die Quelle einer Vielzahl unserer Alltagsfrustrationen nicht einfach nur purer Egoismus? Warum freue ich mich nicht für denjenigen, der das letzte Stück Kuchen bekommen hat? Warum bin ich wichtiger als der andere?

Ich habe viel Frust im Straßenverkehr erlebt. Die einen fahren völlig unlogisch und unberechenbar, die anderen viel zu langsam oder zu schnell. Und dann fährt da auch noch ein LKW im Schneckentempo vor der Nase. Besser hätte es ja nicht werden können! ICH habe doch einen Termin. ICH muss doch hier langfahren. Fahrt doch am besten alle wie ICH oder lasst es sein! So ähnlich können die Gedanken sich entwickeln.
Eines Tages, als ich mal wieder gefrustet im Auto saß, weil ein LKW vor mir fuhr, kam mir plötzlich ein Gedanke. Warum rege ich mich überhaupt auf? Ich möchte doch, dass die Zutaten für mein Lieblingsessen im Supermarkt stehen. Ich möchte doch so gern online bestellen, weil ich zu faul bin, einen Fachhandel aufzusuchen. Ich lebe doch gern in einem Industrieland, das eine sichere Infrastruktur hat. Warum rege ich mich dann auf, wenn jemand vor mir fährt, der genau für diese Sachen arbeitet. Und wenn jemand vor mir fährt, der einfach so viel zu langsam fährt, hat der Fahrer dieses Wagens bestimmt auch einen Grund. Vielleicht ist er schon älter, vielleicht ein Fahranfänger, oder einfach ein Mensch, der sich unsicher fühlt. Da helfe ich nicht, wenn ich möglichst nah heranfahre, damit derjenige vor mir sieht, dass ich unzufrieden bin.

Der Alltagsfrust setzt viel Energie frei. Statt sie in Frustration und schlechte Laune zu investieren, könnte man sie doch einfach in Gebet investieren. Ich habe das mal ausprobiert. Statt mich über Menschen aufzuregen, die meiner Meinung nach nicht so handeln, wie sie sollten, habe ich für sie gebetet. Und Gott hat mir Liebe geschenkt. Plötzlich wurde alles viel leichter. Ich konnte die Sache aus einer anderen Perspektive betrachten. Gottes Liebe hat mich vor sinnlos frustrierten Momenten bewahrt. Natürlich habe ich da auch noch Übungsbedarf, aber man hat ja auch genug Übungsmomente im Leben.
Hast du auch schon Momente erlebt, in denen Gott dir einen neuen Blickwinkel für bestimmte Situationen geschenkt hat und du plötzlich Liebe statt Frust empfinden konntest?

So oft erleben wir Frust, obwohl es nicht sein müsste. Das Leben wird dadurch anstrengender, als es sein müsste. Die Welt wird dadurch unglücklicher als sie sein müsste. Wenn man sich aufregt, dass die Welt nicht so funktioniert, wie man es möchte und dass die Menschen nicht so handeln und denken, wie es nach eigenem Ermessen besser wäre, macht man sich das Leben unnötig schwer und stellt sich gleichzeitig als die Norm der Perfektion über alles andere. Das führt dazu, dass man von allem erschlagen wird. Erst wenn man anerkennt, dass die eigene Norm nicht unbedingt die Beste ist, kann man gelassen über allem stehen, ohne sich selbst darüber zu erheben.
Ich möchte dich einladen wachsam zu reflektieren, wann du frustriert wirst. Und dann diese Situation an Gott abzugeben und für die Personen oder vielleicht sogar Dinge zu beten, die dich frustrieren. Gottes Liebe kann da wirklich etwas verändern und uns frei machen, auch von sinnloser und störender Frustration.