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18. Juli 2019

#16
Vertrauen wie ein Baby

von Raphael & Ramona Bellmann

18. Juli 2019
Lesedauer: 4 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Vertrauen wie ein Baby

Vor ein paar Wochen haben Freunde von uns ein Baby bekommen. Was beim Beobachten des Babys unter anderem interessant ist, ist das Urvertrauen, das es den Eltern entgegenbringt. Das Baby hat keine Angst herunterzufallen und weiß, dass es gefüttert wird, wenn es schreit. Jedenfalls ist in der Hinsicht eine vertrauensvolle Hoffnung vorhanden. Das Vertrauen ist ja aber auch in der Regel gerechtfertigt, denn Eltern wollen überwiegend nur das Beste für ihre Kinder. Das sieht man auch in der Natur bei den Tieren. Es ist immer wieder schön anzusehen, wie junge Tiere vertrauensvoll in der Umgebung ihrer Eltern spielen. Da kommt mir meistens folgender Bibelvers in den Kopf:

Wenn also ihr, die ihr doch böse seid, das nötige Verständnis habt, um euren Kindern gute Dinge zu geben, wie viel mehr wird dann euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten. – Matthäus 7, 11 (Neue Genfer Übersetzung)

Wie gesagt fasziniert mich dieses Urvertrauen von Babys. Und dann sagt dieser Bibelvers, dass Gott noch viel krasser ist. Menschen sind von Grund auf Böse, das heißt, mein Vertrauen kann enttäuscht werden. Aber in der Bibel ist immer wieder die Zusage, dass man Gott von Grund auf vertrauen kann, dass er sogar der einzige ist, dem man wirklich vertrauen kann. Aber trotzdem fehlt so viel Vertrauen Gott gegenüber. Wo ist mein Urvertrauen? Wo ist dein Urvertrauen? (Ich maße mir jetzt mal an, von mir auf andere zu schließen und die allgemeine Vertrauenslosigkeit des Menschen als gegebenen Zustand vorauszusetzen.) Als Baby hast du dich voller Vertrauen tragen lassen. Lässt du dich jetzt voller Urvertrauen von deinem himmlischen Vater tragen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum der ein oder andere nicht so schnell vertraut, doch warum vertrauen wir Gott so wenig und warum trauen wir ihm so wenig zu? Wir kennen unsere tiefsten Abgründe und doch vertrauen wir uns selbst meist am meisten. Wir vertrauen auf unser Können und vergessen dabei, wer uns unsere Fähigkeiten überhaupt erst gegeben hat. Und dann kommt die Frage, wie es weiter geht im Leben, es kommen neue Herausforderungen und man fängt an, an seinen eigenen Fähigkeiten zu zweifeln. Beten ist dann meistens auch ganz schön, aber irgendwie dient es mehr der Selbstberuhigung und nicht dem Loslassen seiner eigenen Ängste. Es ist dann oftmals kein Akt des Vertrauens, sondern geht leider nach der Devise 'Opium des Volkes', wie Karl Marx es einmal kritisch ausdrückte.
Wo ist mein Urvertrauen, wo ist dein Urvertrauen in denjenigen, der alles erschaffen hat und in dessen Händen alles liegt - in denjenigen, der dich und mich mit allen Fähigkeiten und der Persönlichkeit erschaffen hat?

Ich war vor ca. zwei Wochen auf einem Camp als Mitarbeiter. Dort durfte ich mal wieder erfahren, wie Gott wirkt. Im Hinterkopf ist immer der Gedanke, was man alles besser machen könnte, was man selbst leisten muss, damit etwas passiert, damit sich die Kinder wohlfühlen, damit sie verstehen, was man sagen will. Und dann wird dafür gebetet und plötzlich tut sich was und man weiß nur, dass man es selbst nicht gewesen sein kann. Da verschwinden Schmerzen, innere Mauern brechen auf, die über Jahre hinweg aufgebaut wurden, Kinder können sich einfach vertrauensvoll und sorglos entspannen, die dieses Gefühl ansonsten im Leben nicht haben. Einfach so. Ohne dafür eine besondere Strategie gehabt zu haben, außer die, alles Gott abzugeben und sich selbst Gott hinzugeben und sich von ihm gebrauchen zu lassen.
Ich muss sagen, dass dieses Camp und Gottes Wirken dabei wieder etwas von meinem Urvertrauen geweckt hat, das ich so gern schlafen lasse. Gott hat mir mal wieder gezeigt, dass er alles in seiner Hand hat und ich ihn ruhig machen lassen kann, er mich dabei aber gern gebraucht. Aber dass die Veränderung nicht aus mir heraus und durch mich passiert, sondern aus Gott heraus und durch ihn, dass durfte ich nochmal erleben.
Theoretisch nickt man diese Wahrheit sehr gern ab und würde das immer wieder bestätigen. Aber die Praxis sieht leider oft anders aus.
Wo ist dein Urvertrauen geschädigt? Und warum? Fällt dir vielleicht speziell ein Bereich in deinem Leben ein, den du nicht aus deiner Hand, sozusagen deinem eigenen Machtbereich geben willst?

Ein Baby schreit, wenn es Hunger hat oder es irgendetwas als störend empfindet. Es macht nicht die Anstalten, selbst alles zu erledigen. Nein. Es muss gewickelt werden, gestillt werden, beruhigt werden, usw. Ein Baby vertraut darauf, dass die Eltern handeln und dabei das Beste für ihr Kind im Sinn haben. Wie der Bibelvers oben aussagt, hat Gott noch viel mehr das Beste für dich und mich im Sinn. Wir dürfen ihm voll und ganz vertrauen. In allen Bereichen unseres Lebens. Er lässt uns nicht fallen. Es gibt ja auch diesen netten Spruch, dass man nicht tiefer fallen kann als in Gottes Hand. Und das stimmt. Egal, wo man sich versteckt, Gott ist da. Wir dürfen uns vertrauensvoll nach ihm ausstrecken.

Ich weiß nicht, wie es gerade bei dir im Leben aussieht, und ob du vollstes Vertrauen in Gott genießt. Wenn das so ist, dann ist das super! Wenn nicht, dann möchte ich dich zu dem Abenteuer einladen, Gott zu vertrauen. Das Urvertrauen auszupacken, das man als Baby einmal hatte. Und falls dieses Vertrauen beschädigt ist, möchte ich dich dazu ermutigen, die Ursache zu ergründen und daran zu arbeiten, was dich hindert, Gott zu vertrauen. Du kannst darüber reden, beten, was auch immer nötig ist, die Wunden zu heilen, die dein Vertrauen behindern und verhindern. Auch ich möchte daran arbeiten. Es lohnt sich. Denn letztendlich ist Gott der einzige, der immer bleibt und dem man vollends sein Leben anvertrauen kann. Ich wünsche dir Gottes Segen bei deinem Weg ins Vertrauen!