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23. Mai 2019

#14
Leben als Lobpreis

von Raphael & Ramona Bellmann

23. Mai 2019
Lesedauer: 4 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Leben als Lobpreis

Letztens war ich früh morgens spazieren und war auf einer großen Wiese zwischen Feldern und Wäldern. Ich blieb stehen und lauschte. Unzählige Vögel zwitscherten ihr Morgenkonzert und es erfüllte die ganze Morgenstille. Ich war sehr beeindruckt von dieser Schönheit und Unbeschwertheit, die in diesem Gezwitscher lag und ich dachte mir, dass dieses Morgenkonzert der Vögel ein unglaublich schöner Lobpreis für Gott sein muss. Die Vögel, sie sind einfach, sie leben einfach das, was Gott für sie gedacht hatte. Und das tun sie nicht, weil sie denken, sie müssten dies und das erfüllen, um etwas zu gelten, zu erreichen oder um nützlich zu sein. Sie sind einfach und leben als Gottes Geschöpfe das, was der Schöpfer in sie hineingelegt hat. Was für ein Lobpreis daraus entsteht, durfte ich an jenem Morgen erfahren.

Gleichzeitig stellte sich mir die Frage, wie ich durch mein Leben das zum Ausdruck bringe, was Gott in mich hineingelegt hat. Nutze ich das zum Lobpreis? Wie oft wünschte ich mir, so frei sein zu können wie ein Vogel, der zwitschernd in den Himmel steigt. Aber oft habe ich das Gefühl, ich müsste bestimmte Dinge tun, um 'wirklichen' Lobpreis zu machen. Zum Beispiel bestimmte Lieder spielen und singen oder ehrenamtlich bei Aktionen mitmachen, die mir eigentlich nicht wirklich liegen.
Natürlich kann man auch daran wachsen und das zum Lobpreis für Gott nutzen. Ich möchte nicht sagen, dass jeder immer nur noch das machen soll, worauf er Lust hat. Das Leben in Gemeinschaft und der gemeinschaftliche Lobpreis braucht einen festgelegten Rahmen, in dem man als Gemeinschaft – als Einheit – vor Gott treten kann. Es geht mir eher um den privaten Lobpreis, das private geistliche Leben. Darum, wie ich das als Lobpreis nutzen kann, was Gott in mich hineingelegt hat.

Kennst du diesen persönlichen Druck, etwas 'leisten' zu müssen, um privat einen 'guten' Lobpreis für Gott abzuliefern?
Vielleicht hast du ja den Druck, unbedingt ein Lobpreislied singen zu müssen, weil man das halt so macht, obwohl du gerade lieber ein Bild malen möchtest, etc.
Wir unterscheiden oftmals zwischen Arbeit, geistlichem Leben und Hobby. Und meistens fühlen wir uns nur frei, wenn wir das Hobby ausleben. Ansonsten, sogar im geistlichen Bereich, kann der Druck im Hinterkopf sein, dass man ja nützlich und effektiv sein muss. Kennst du das? Nervt es dich nicht auch manchmal? Es entsteht leicht das Gefühl, oder vielleicht sogar der Zustand, dass man auch geistlich nur noch funktioniert, statt wirklich zu sein und als Geschöpf in Freiheit Gemeinschaft mit seinem Schöpfer zu haben. Es kann sein, dass wir Gott bitten, dass er uns gebraucht und wir schon vorsorglich viele Dinge leisten, damit er uns irgendwie gebrauchen kann. Oft liegt der Fokus dann sogar nur noch auf dem, was man macht, statt auf dem, für den man etwas macht - Gott.
Diese Überlegungen kamen mir, als ich die Vögel am Morgen gehört habe. Als ich wieder Zuhause war, las ich passend dazu etwas von Oswald Chambers:

"Allzu oft behindern wir den Einfluss, den Gott durch uns ausüben will, durch unsere bewusste Anstrengung, konsequent und nützlich zu sein." – Oswald Chambers

Diese Zeilen sind echt treffend. Die Vögel am Morgen wollen nicht beeindrucken und wollen nichts leisten. Sie leben, wie gesagt, das aus, was Gott in sie hineingelegt hat. Und daraus entsteht ein so toller Lobpreis, über den Gott sich freut.
Natürlich weiß so ein Vogel nicht, was er da macht und er singt nicht, weil er bewusst seinen Schöpfer ehren will. Aber wir Menschen sind als Gottes Ebenbilder geschaffen. Gott hat uns ihm ähnlich gemacht. Wir haben einen Körper, mit dem können wir bewusst denken, planen, lieben, wahrnehmen, fühlen, etwas erschaffen und darin kreativ sein, und vieles mehr. Aber vor allem können wir genau mit diesen Dingen bewusst in Beziehung zu unserem Schöpfer treten.

Was hat Gott in dich hineingelegt? Was sind deine Gaben? Was kannst du gut, worin kannst du dich entfalten? Woran hast du Freude? Ich möchte dich dazu ermutigen, dir diese Fragen zu stellen, diese Dinge vielleicht sogar erst herauszufinden und sie dann zu leben. Mit Fokus auf Gott, zum Lobpreis ihm zur Ehre. Du malst gern? Dann male ihm ein Bild. Du bist musikalisch? Dann spiel ein Lied für ihn, vielleicht kreierst du sogar eine eigene Melodie. Du organisierst gern? Dann organisiere etwas, zum Beispiel ein schönes gemeinsames Essen, einen Ausflug, irgendetwas, was dir und anderen Freude macht, um gemeinsam Gott zu loben und das Leben, das er schenkt, zu genießen. Oder koche oder gestalte etwas, was auch immer dir liegt. Mit dem Fokus auf Gott. Verherrliche deinen Schöpfer, indem du das lebst, was er geschaffen und in dich hineingelegt hat. Nimm ihn mit hinein, zeige ihm alles. Er freut sich und ist stolz. In 1. Korinther 10, 31 steht, dass man bei allem, was man tut, sich so verhalten soll, dass Gott dadurch geehrt wird. Das ist natürlich eine schöne Ermutigung, dass man auch wirklich alles zur Ehre Gottes nutzen soll, aber auch ein Aufruf zur Reflexion seines eigenen Handelns. Es ist wichtig, dass man in aller Freiheit, die man hat, überlegt, ob das, was man tut, auch in Einklang mit Gottes Willen ist.

Wenn wir als Gottes Ebenbild unser ganzes Leben auf Gott fokussieren und unser Leben zu einem Lobpreis für Gott machen, dann wird er automatisch unser Leben gebrauchen. Und wir werden wahrscheinlich noch nicht mal bemerken, dass er uns gebraucht, wenn wir einfach das leben, was er in uns hineingelegt hat.
Ich traue mich manchmal nicht, mich richtig zu entfalten oder mein Potential auszuschöpfen. Aber meine Angst hindert mich ja gleichzeitig daran, so zu leben, wie Gott es sich gedacht hat. Vielleicht kennst du das und ich hoffe, dass dir diese Gedanken helfen können, dich bewusst als Ebenbild Gottes zu entdecken und dich darin als ein lebendiger Lobpreis für deinen Schöpfer zu entfalten, ohne dich persönlich einsperren zu müssen. Ich will gemeinsam mit meinem Schöpfer herausfinden, wie er mich sieht, was er alles in mich hineingelegt hat und das dann auch entfalten. Und ich glaube, dass es befreiend ist, mit Fokus auf Gott seine Idee für mich zu leben, sodass ich, wie ein Vogel fröhlich zwitschernd, immer weiter aufsteige und das Lied singe, das mein Schöpfer in mich hineingelegt hat. Dazu möchte ich auch dich ermutigen und einladen.
In diesem Sinne, sei gesegnet!