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11. April 2019

#11
Reagieren wie
ein Vogel

von Raphael & Ramona Bellmann

11. April 2019
Lesedauer: 4 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Reagieren wie ein Vogel

Wer schon mal Vögel hatte oder hat, der weiß, dass Vögel sehr gern auf alles in ihrer Umwelt reagieren. Und das oftmals auch so, dass man es nicht überhören kann. Was von Zeit zu Zeit auch mal sehr nervig sein kann, ist aber auch eine bemerkenswerte Eigenschaft. Vögel sind sehr interessierte und aufmerksame Tiere, denen so gut wie nichts entgeht, was um sie herum passiert. Wenn sie etwas hören, dann antworten sie darauf, wenn sie etwas sehen, was sie interessiert, dann schauen sie genauer nach und beobachten das ganz genau und schnattern dabei beglückt vor sich hin. Sie kommentieren alles, sie ignorieren nicht einfach ihr Umfeld. Sie gehen sogar auf die kleinsten Geräusche und Bewegungen ein. Dieses aktive Reagieren ist wirklich beeindruckend.
Und während ich die Vögel beobachte, kommt in mir die Frage auf, wie ich denn auf Gott reagiere. Bin ich auch so aufmerksam wie ein Vogel? Bin ich interessiert an Gott, seinem Wesen und seinem Willen? Will ich ihn und sein Wort, seinen Willen immer mehr erforschen und dann aber auch darauf reagieren und es nicht einfach ignorieren? Merke ich auf, wenn ich seine Stimme in meinem Inneren wahrnehme? Beobachte ich Gottes Wirken in meinem Umfeld und auch in mir?
Diese Fragen möchte ich gern an dich weitergeben. Wie reagierst du auf Gott?

Ich muss gestehen, dass ich sehr oft nicht so aufmerksam und aktiv wie ein Vogel auf Gott reagiere. Da mache und denke ich Dinge, von denen ich weiß, dass er es sich anders wünscht und es auch anders sieht. Oder ich lehne mich lieber faul zurück, statt seiner Aufforderung nachzugehen, etwas in meinem Leben zu verändern.
Oft ist es so, dass man denkt, Gott würde nur durch krasse Erfahrungen oder Events reden und das erwartet man dann auch. Doch dabei wird man taub für ein leises Flüstern und blind für ein kaum merkbares Handeln Gottes und ignorant, wenn Gott in ganz alltäglichen Dingen reden möchte. Wir erwarten oft einen Sturm, wenn Gott aber im Säuseln steckt. Vor allem wenn es uns schlecht geht, erwarten wir, dass Gott schnell und möglichst sichtbar eingreift und die Situation, in der wir uns befinden, verändert und vergessen gern dabei, dass Gott uns verändern möchte. Sei es beim Bibellesen, Gebet oder auch durch einen guten Rat eines guten Freundes.
Ähnlich ging es dem Propheten Elia. Nachdem er wirklich eine krasse Geschichte mit Gott erlebt hat und ein Erfolgserlebnis in seiner Karriere hatte, wurde er verfolgt. Er sollte umgebracht werden und er war wegen der Situation so niedergeschlagen, dass er selbst am liebsten sterben wollte. Also ging er erstmal in eine Höhle, aber Gott redete zu ihm:

Da sprach er (Gott): Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR ging vorüber. Da kam ein Wind, groß und stark, der die Berge zerriss und die Felsen zerschmetterte vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht in dem Wind. Und nach dem Wind ein Erdbeben; der HERR aber war nicht in dem Erdbeben. Und nach dem Erdbeben ein Feuer, der HERR aber war nicht in dem Feuer. Und nach dem Feuer der Ton eines leisen Wehens. Und es geschah, als Elia das hörte, verhüllte er sein Gesicht mit seinem Mantel, ging hinaus und stellte sich in den Eingang der Höhle. Und siehe, eine Stimme geschah zu ihm: Was tust du hier, Elia? – 1. Könige 19, 11-13 (Elberfelder Bibel)

Wir warten, wie gesagt, sehr oft auf ein mächtiges Eingreifen Gottes, oder auf ein krasses Zeichen, was wir wie machen sollen. Und dabei verpassen wir vielleicht das sanfte Anklopfen, die leise Stimme oder den kleinen Wink Gottes mit einem kleinen Zaunpfahl. Da hilft es, so aufmerksam zu sein wie ein Vogel und dementsprechend zu reagieren. Kennst du das auch, dass du etwas Großes erwartet hast, und dann hat Gott plötzlich in etwas Kleinem gehandelt? Wartest du vielleicht auf ein deutliches Zeichen oder auf einen 'Sturm' und überhörst dabei das leise Anklopfen?

Wenn ich zum Beispiel unterwegs bin und ich sehe einen Bettler und spüre plötzlich den Drang, ihm etwas zu Essen zu kaufen und mich vielleicht sogar neben ihn zu setzen und ihm zuzuhören, dann würde ich aufmerksam reagieren, indem ich das auch mache. Oder ich sehe eine Person und habe plötzlich das Bedürfnis, ihr wertschätzende Worte zu sagen, dann sollte ich das auch tun und nicht irgendwelche Ausreden finden, warum ich das gerade nicht kann. Natürlich geht die Welt nicht unter, wenn wir solchen Eingebungen nicht folgen, aber uns selbst und vielleicht auch der anderen Person entgeht damit eventuell ein Erlebnis, aus dem Gott etwas Besonderes machen wollte. Wenn ich Bibel lese oder eine Predigt höre und mir dadurch plötzlich klar wird, an welchen Stellen im Leben ich vielleicht nicht so lebe, wie Gott es will, dann wäre eine angemessene Reaktion, dass ich versuche Veränderung in bestimmte Lebensgewohnheiten zu bringen. Vielleicht kennst du solche Momente auch.
Das können so kleine Situationen im Alltag sein, in denen Gott etwas mit uns machen will. Wir müssen nur zuhören und reflektiert reagieren. Und natürlich hilft Gott uns auch sehr gern dabei und hilft uns immer wieder liebevoll auf, falls wir es mal wieder nicht schaffen.

Durch das Beobachten unserer Vögel ist mir wichtig geworden, dass ich auch so aufmerksam, interessiert und auf alles reagierend sein will, was Gott angeht. Ich möchte wieder sensibler für Gottes Reden und Wirken sein.
Ich möchte dich dazu ermutigen, so aufmerksam zu sein und so zu reagieren wie ein Vogel. Immer wenn du einen Vogel siehst, kannst du dich selbst fragen, ob du aufmerksam und bereit bist, auf Gottes Reden zu regieren, oder ob du eher in der Verfassung bist, in der du das leise Reden Gottes schnell überhörst oder ignorierst.
Natürlich hinkt jeder Vergleich, doch ich denke, dass Gott in unserem Leben noch mehr wirken und bewirken kann, wenn wir ihm mit der Aufmerksamkeit und dem neugierigen Interesse und Beobachten eines Vogels begegnen.
Sei gesegnet und bis zum nächsten Mal.