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28. Februar 2019

#9
Mit der Ruh
einer Kuh

von Raphael & Ramona Bellmann

28. Februar 2019
Lesedauer: 4 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Mit der Ruh einer Kuh

Bei Spaziergängen in ländlichen Gegenden faszinieren mich Kühe immer besonders. Diese Tiere strahlen so eine Ruhe und Gelassenheit aus. In stressigen Lernphasen bin ich manchmal zu einer Kuhweide gegangen, um den Kühen zuzuschauen und mich von ihrer Ruhe anstecken zu lassen.
Wie schon angeklungen, möchte ich heute ein paar Gedanken zur Ruhe weitergeben, die mir beim Betrachten der Kühe gekommen sind.

Du kennst es sicher, der Tag ist voll von Terminen, du musst eine Arbeit fertig kriegen, du musst noch Dinge einkaufen und dann ist der Haushalt auch noch da. Aber vielleicht sind da ja noch ganz andere, existenziellere Sorgen, die dich plagen.
Manchmal ist es ja hilfreich einen Spaziergang zu machen, um frische Luft zu schnappen und den Kopf mal etwas frei zu bekommen. Und dann steht da: eine Kuh. Und sie schaut dich an. Und kaut auf ihrem schonmal verdauten Essen rum. Ganz ruhig und gemütlich. Vielleicht mag dir in solch einer Situation der Gedanke kommen: "Du hast es gut, kannst den ganzen Tag wiederkäuen und hast keine Sorgen." Auch wenn eine Kuh höchstwahrscheinlich nicht solche Sorgen hat wie wir, denke ich, dass wir von so einer Kuh einiges lernen können – im übertragenen Sinne.

Die Kuh lebt ihre Existenz aus dem Empfangen heraus. Das Gras wächst nach, der Bauer kommt und bringt Futter und Wasser, sie wird versorgt. Wir sollten unsere Existenz auch aus dem Empfangen heraus leben, und zwar im Vertrauen auf die Versorgung von Gott. Jesus hat uns dazu aufgefordert, ihm auch in unseren existenziellen Fragen zu vertrauen:

Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? – Matthäus 6,26 (Lutherbibel 2017)

Hier geht es auch um das Prinzip, Gott zu vertrauen. Natürlich sollen wir auch verantwortungsbewusst sein und alle möglichen Sicherheiten, die uns unser Sozialstaat bietet (Versicherungen etc.), in Anspruch nehmen und für unsere Verpflegung sorgen, doch soll unsere Hauptsicherheit in Gott liegen, denn er ist alles, was wirklich bleibt. Auch wenn alle Sicherheiten flöten gehen - Gott bleibt immer. Und er tut heute noch Wunder, auch im Versorgungsbereich. Wenn das nicht mal ein Grund ist, um sich einen Moment lang entspannt zurückzulehnen.
Gott hat nicht umsonst den Sabbat geboten, also einen Tag, der ihm gewidmet ist, an dem man die Arbeit ruhen lässt, um sich auf Gott auszurichten und anzuerkennen, dass er derjenige ist, der alles in den Händen hält und der versorgt. Ein Tag, an dem man ruhen darf und soll.

Ich habe mal einen Vortrag gehört, wo es auch um das Ruhen ging. Und da wurde deutlich gemacht, dass Entspannen und Erholen nicht gleich rumgammeln ist, sondern dass effektive Entspannung gelernt werden und bewusst gelebt werden muss. Was tust du an einem freien Tag? Was tust du, um dich zu entspannen? Entspannst du reflektiert, oder lenkst du dich eher ab, um der Realität zu entfliehen?
Sich von der Realität abzulenken führt zu keiner Erholung, denn dann schaut man nur kurz gezwungenermaßen von seinen ganzen Aufgaben und Problemen weg und am nächsten Tag geht man unverändert wieder in die Realität zurück. Vielleicht kennst du auch den Gedanken, dass man erst dann ruhen darf, wenn alle Aufgaben erledigt sind, ich kenne das jedenfalls. Doch wer nicht ruhen kann, der hat ein Vertrauensproblem! Wenn wir nicht innehalten und Dinge auch mal ungetan lassen, dann versuchen wir selbst Gott zu sein und selbst die Kontrolle über alles zu behalten. Doch am Sabbat sollen wir lernen, im Vertrauen auf Gott zu leben. Und dazu sollen wir uns auf ihn fokussieren. Und das können wir auch, wenn wir einfach mal machen, was uns Freude macht. Das kann natürlich auch mal ein Film sein, aber auch hier ist es hilfreich zu reflektieren, ob man ihn wegen der Ablenkung anschaut, oder um sich darüber zu freuen. Am Sabbat, an unserem freien Tag, haben wir die Möglichkeit, die Zeit zu nutzen und alles erlebte zu reflektieren und unser Denken und alles ganz bewusst auf Gott auszurichten. Dann kann aus einem Ruhen wirkliche Erholung entstehen.

Gammelst du lieber, oder nimmst du dir an einem freien Tag bewusst Zeit für die eben genannten Dinge? Ich muss gestehen, dass es mir wirklich schwer fällt, nicht die ganze Zeit zu gammeln und mich abzulenken. Das ist irgendwie einfacher. Aber auch unbefriedigender. Und da kommt wieder die Kuh ins Spiel: Gerade wohnen wir noch auf dem Land, also habe ich öfter mal eine Kuh vor Augen. Die Kühe fressen und dann ruhen sie sich aus, aber sie kauen das, was sie gefressen haben, einfach nochmal durch. Mein Ziel ist es, meine freie Zeit wirklich zu nutzen und mich nicht von der Realität abzulenken. Ich möchte die Zeit nutzen, um mich bewusst auf Gott zu fokussieren und das Erlebte und auch das, was ich in der Bibel gelesen habe oder in einer Predigt oder einem Vortrag gehört habe, zu reflektieren. Und auch einfach mal um mit einem guten Buch voranzukommen. Wenn ich also eine Kuh sehe, dann kann ich mich daran erinnern, dass ich bei Gott und auch gerade seinetwegen zur Ruhe kommen kann und soll, und dass ich alles, was ich über die Zeit in mich hineingefressen habe, mit Gott zusammen wiederkäuen, also reflektieren kann.

Falls du auch die Möglichkeit hast Kühe zu betrachten, dann kann dir so eine Kuh auch eine Erinnerung sein, dein Leben in Vertrauen auf Gott zu führen und wirklich zur Ruhe und Erholung zu kommen und nicht Fake-Entspannung mittels Realitätsflucht zu betreiben. Und wenn keine Kühe in deiner Nähe sind, dann hilft vielleicht ein Blick auf eine Milchpackung (weil da oft Kühe abgedruckt sind), um dich daran zu erinnern, sich vertrauensvoll auf Gott auszurichten, in ihm zu ruhen, sein Wort zu studieren und Zeit zu nehmen, all das zu verarbeiten und zu reflektieren.

Ich hoffe, dass du irgendwo eine Kuh siehst und dich an Gottes Allmacht und Liebe erinnerst, die dir zur Ruhe verhelfen kann. In diesem Sinne Gottes Segen dir und bis zum nächsten Mal.