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01. November 2019

#2
Gerechtigkeit, Gnade und Wir
Teil 1

von Raphael Bellmann

01. November 2018
Lesedauer: 5 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Gerechtigkeit, Gnade und Wir – Teil 1

Hallo, ich bin's wieder, der Raphael. Ich hatte letztens ein Gespräch und möchte euch gern ein bisschen mit in das Thema hineinnehmen:
Im Gespräch hatten ein Freund und ich uns darüber ausgetauscht, wie schwer es doch oftmals ist, so zu leben, wie Gott es möchte. Wir versuchen es, fallen dann aber an irgendeiner Stelle wieder, weil eine Versuchung dann doch wieder zu stark war, oder wir einfach frustriert und ohne nachzudenken irgendetwas gemacht haben. Und dieses ständige Hinfallen, obwohl man doch laufen möchte, ist entmutigend und lässt einen auch gern mal daran zweifeln, dass man es irgendwie schafft, so zu leben, wie Gott es will. Außerdem fällt es dann immer schwerer, Gnade wirklich anzunehmen. Dass Gott uns durch Jesus alles vergeben und uns gerecht gemacht hat, wird immer schwerer zu glauben.

Wir sind zwar Gottes Kinder, aber manchmal fühlt es sich nicht so an, als wenn wir wirklich an die Hand genommen werden, oder durch Lebenssituationen getragen werden. Das ist echt frustrierend und anstrengend. Auch wenn man schon erwachsen geworden ist, möchte man als Kind Gottes gern gemütlich und geborgen auf dem Schoß seines liebevollen Vaters sitzen und man sehnt sich auch als erwachsener Mensch nach einer starken Hand, die einen festhält und stützt.
Und dann steht man plötzlich da, mitten im Leben. Von allen Seiten stürmt es und prasselt auf einen ein, sodass man sich kaum mehr orientieren kann. Es ist, als ob Gott einen von seinem Schoß heruntergesetzt hat, denn die Geborgenheit und das Gefühl getragen zu sein, scheinen verschwunden zu sein.

Doch dann, während wir darüber geredet haben, ist uns aufgefallen, dass wir ja eigentlich Männer nach dem Herzen Gottes sein wollten und es auch wollen. Und Gott will ja auch, dass seine Kinder Männer und Frauen nach seinem Herzen werden. Und Gott hilft gerne dabei. Genau deshalb ist das gefühlte Heruntersetzen von seinem Schoß kein Liebesentzug oder Verlassen, sondern ein Vertrauensbeweis Gottes. Er als unser Vater, nimmt uns, seine Kinder, als Männer und Frauen wahr und nimmt auch unseren Wunsch ernst, geistlich erwachsen zu werden. Also stellt er uns ab und zu auch mal auf den Boden, damit wir Schritte alleine gehen können, und das traut er uns auch zu (sonst würde er uns ja nicht auch mal Dinge zumuten).
Wir können dann mit unseren Lauferfahrungen unterschiedlich umgehen. Wir können schockiert, grummelig und ängstlich in der Ecke sitzen, weil wir vielleicht bei dem Versuch zu laufen hingefallen sind, oder wir können diese 'geistliche Wüstenzeit', also die Zeit, in der wir nicht mehr gefühlt auf dem Schoß unseres Vaters sitzen, dankbar annehmen - nämlich als Vertrauenserweis unseres Vaters, dass er uns zutraut, dass wir wissen, wer er ist und wer wir sind und deshalb auch wissen, was wir seiner Meinung nach machen sollten. Wir enttäuschen Gott nicht, wenn wir mal fallen, immerhin kennt er uns. Wir enttäuschen ihn, wenn wir nicht zu ihm laufen, wenn wir hingefallen sind.
Wenn wir in einer 'geistlichen Wüstenzeit' hingefallen sind, dann können wir uns darauf berufen, dass wir Gottes Kinder sind und er uns bereits alles vergeben hat. Wir können also jederzeit zu ihm kommen, denn nur weil wir auf unsere eigenen Beine gestellt wurden, heißt das nicht, dass Gott auf einmal weg ist. Er ist ja trotzdem die ganze Zeit als liebender Vater bei uns. Und dass er uns zutraut, dass wir auch schon alleine laufen können, ist ja eigentlich eher ein Lob. Und er ist über jeden Schritt den wir machen stolz, denn das zeigt auch, dass wir wissen, wer er ist und was er will. Und wenn wir mal stolpern, sind wir, wie gesagt, immer noch seine Kinder und brauchen keine Angst zu haben. Ich glaube, dass kein Elternteil sauer ist, wenn das Kind nun doch hingefallen ist. Und irgendwann kann man auch richtig laufen, wenn man diese Zeiten eben als Übungszeiten nutzt.

Denn ein Mann und eine Frau nach dem Herzen Gottes zu sein, heißt jemand zu sein, der Gottes Willen kennt und sein Leben so führt, wie es dem Willen Gottes entspricht. Aber dazu gehört auch, dass man weiß, wer man selbst ist. Und da helfen keine Selbstfindungstouren, wenn man den Kern seiner selbst nicht in Gott sucht.
Auf der Suche nach unserer Identität bitten wir Gott immer um Hilfe, uns unsere Identität zu offenbaren, statt unsere eigene Identität in der Offenbarung Seiner Identität zu finden. Und Gottes ganzes Sein ist auf Liebe ausgelegt. Wir als seine Kinder können ihm vertrauen.

Meine lieben Kinder, ich schreibe euch diese Dinge, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand doch eine Sünde begeht, haben wir einen Anwalt, der beim Vater für uns eintritt: Jesus Christus, den Gerechten. Er, der nie etwas Unrechtes getan hat, ist durch seinen Tod zum Sühneopfer für unsere Sünden geworden, und nicht nur für unsere Sünden, sondern für die der ganzen Welt. – 1. Johannes 2, 1-2 (NGÜ)

Gott hat durch Jesus Christus selbst dafür gesorgt, dass wir gerecht vor ihm stehen können, und dass nichts und niemand, nicht einmal wir selbst, uns von seiner Liebe trennen können. Er hat uns zu seinen Kindern gemacht. Es gibt keine Verdammnis mehr für uns, wenn wir Jesus als Herrn und Erlöser angenommen haben, und er in uns und wir in ihm leben (Römer 8, 1).

Es ist mein Wunsch, dass du und ich als Kinder Gottes immer weiter wachsen und Gott immer mehr verstehen. Auch wenn es manchmal Zeiten gibt, in denen man nicht verstehen kann, wie Gott einen überhaupt noch lieben kann, oder dass Gnade auch für mich und dich gilt - dann müssen wir vertrauen, denn Gott ist wie er ist, nämlich Liebe (1. Johannes 4,16). Er ist größer als unsere Ängste und Zweifel, und auch größer als unsere Schuld. Das hat er bereits bewiesen. Er ist gerecht, und seine Gerechtigkeit zeigt er in seiner Gnade. Und wenn wir diese Gnade als Ausdruck seiner Gerechtigkeit annehmen, sind wir gehorsam. Doch dazu möchte ich in der nächsten Kolumne noch etwas sagen.. bis dahin!