Wer bin ich denn schon?

Schaue ich mir die Welt an, sehe ich all die wunderschöne Kreativität des Menschen, die in jedem Atemzug der menschlichen Existenz Neues hervorbringt. Natürlich kann die Kreativität auch ins Abscheulichste pervertiert werden und den Menschen in den Abgrund stürzen. Aber darum geht es mir gerade nicht.
Doch auch die kreative Schaffenskraft überschlägt sich wie Wellen, die tosend am Strand zusammenbrechen. Bleibe ich stehen, läuft alles um mich herum weiter. Halte ich den Atem an, stürmt es um mich herum weiter. Ein Gefühl von Einsamkeit, von Machtlosigkeit macht sich breit. Und Gedanken, die aus einer eingeschüchterten Beobachterperspektive hervorgehen: Wer bin ich denn schon?

Wer bin ich schon?

Wer bin ich denn schon in dieser schnelllebigen Welt, in der das Tun eines einzelnen so wirkungslos erscheint, im Meer der wirr erzeugten Stimmen und Produkte? Wer bin ich denn schon in einer Welt, in der alles so beliebig erscheint und alles sich gegenseitig zu überbieten versucht? Wer bin ich schon, dass ich dem Überfluss etwas hinzuzufügen vermag? Wer bin ich schon, dass mein Wort Veränderung bewirken könnte in einer Zeit, in der der Wert eines Wortes nicht mehr in den Worten selbst liegt? Wer bin ich schon, dass mein Auftreten Wellen schlüge inmitten gewaltiger Wogen farbenfroher Imaginationen?

Der Blick der Bibel

Diese Gedanken sind nicht neu. In der Bibel hat jemand auch schon diesen Gedanken freien Lauf gelassen und ganz treffend folgendes gesagt:

“Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was getan wurde, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“
(Prediger 1,9 – Einheitsübersetzung)

Diese Aussage blickt nicht gerade optimistisch auf die individuelle Existenz. Und gerade das macht es so schön. In der Bibel sind realistische Gedanken enthalten, die sowohl vor Jahrtausenden als auch heute noch ihre Gültigkeit haben – Gedanken, die aufkommen, wenn man sich alles mal ganz nüchtern vor Augen führt. Doch es bleibt nicht bei solchen Gedanken.

“Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn.“
(1. Mose 1,27a – Einheitsübersetzung)

“HERR, du hast mich erforscht und kennst mich. Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke. Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen.“
(Psalm 139, 1.13-14.16a – Einheitsübersetzung)

“Der tiefste Grund für unsere Zuversicht liegt in Gottes Liebe zu uns: Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“
(1. Johannes 4,19 – Neue Genfer Übersetzung)

Ebenbild Gottes

Was für schier unvorstellbar schöne Aussagen. Wer bin ich schon, dass alles Wirken des gewaltigen unendlichen Gottes mir persönlich gilt?
Wer bin ich schon: ein Ebenbild des Schöpfers. Ein Kind Gottes. Geliebt und begabt. Geliebt um zu lieben und begabt um zu geben. Nicht um etwas mir nicht Entsprechendes zu bedienen, sondern um meinen Entsprechungen nach zu dienen, in der Gewissheit, im Bedienen bedient zu sein. Nicht aus mir heraus, sondern aus der schöpferischen Kraft meines Schöpfers heraus, der jedoch durch mich hindurch erschafft.